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Vortrag in der Ferring-Stiftung : Föhrer Natur im Wandel der Zeiten

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Hark Steinert bot einen Überblick über die insulare Flora und Fauna und zeigte die Veränderungen der Lebensräume von Pflanzen und Tieren auf.

„Veränderungen in der Natur der Insel Föhr“, so hatte Hark Steinert seinen Vortrag in der Ferring-Stiftung betitelt und viele Interessierte waren gekommen, um einen ausgewählten Überblick über die Föhrer Flora und Fauna zu erhalten – sie sollten nicht enttäuscht werden.

Steinert, Biologielehrer und Oberstufenleiter am Gymnasium der Eilun-Feer-Skuul, bezog sich dabei auf langjährige, eigene Aufzeichnungen, Daten von Reinhard Arfsten und Gespräche mit Bauern, Jägern und anderen Naturfreunden.

„Ich werde keine moralische Wertung abgeben, aber eine ökologische Bewertung versuchen“, versicherte der Redner, der eine wohlstrukturierte Übersicht über Pflanzen und Tiere in den verschiedenen Lebensräumen gab. Am Beispiel der hier brütenden Vogelarten, die relativ gut dokumentiert sind, machte er deutlich, wie stark die Veränderungen der letzten 30 bis 50 Jahre sind. Wenn man nur die Anzahl der unterschiedlichen Vogelarten vergleicht, stellt man fest, dass sie sich von etwa 90 auf 94 erhöht hat. Differenziert man die Zahlen aber nach den Lebensräumen, so stellt sich schnell heraus, dass sowohl in der trockenen als auch in der feuchten, offenen Landschaft die Artenvielfalt um mehr als 50 Prozent zurückgegangen ist. Auf Wasserflächen, in Anpflanzungen und in besiedelten Bereichen ist die Artenvielfalt hingegen gestiegen. Entwässerungsmaßnahmen in der Marsch und die Erschließung von scheinbar wertlosen Heide- und Geestflächen für die Landwirtschaft hätten dabei einen starken Einfluss auf die einzelnen Vorkommen.

Doch die Zahl der Arten sei nicht das wichtigste Kriterium für eine Bewertung. Ordne man die heutigen Brutvögel den einschlägigen und fachlich anerkannten Roten Listen bedrohter Tierarten zu, dann sind in der offenen Landschaft mehr als die Hälfte der dortigen Brutvögel und an der Küste beziehungsweise auf dem Vorland immerhin noch mehr als ein Drittel in ihrem Bestand gefährdet.

Im Gegenzug sind zahlreiche Vögel in den letzten Jahren auf die Insel eingewandert, zu denen zählen: Graugans, Nilgans, Kormoran, Haubentaucher, Reiherente, Graureiher, Löffler und andere.

Bei den Säugetieren seien hier die Wanderratte und die Bisamratte genannt, die durch ihre explosionsartige Vermehrung durchaus Probleme für Mensch und Tier schaffen würden. Die Ostschermaus (umgangssprachlich aber falsch auch Wasserratte genannt), die bereits um 800 v.Chr. hier gelebt haben soll, wurde hingegen stark verdrängt.

Als „Ratte der Botanik“ bezeichnete Steinert die „Kartoffel-Rose“ (rosa rugosa), die sich als ursprüngliche, japanische Zierpflanze inzwischen auf der gesamten Insel ausbreitet. Pflanzliche Ureinwohner haben da schnell das Nachsehen. Bei den Amphibien ist sogar ein ganz dramatischer Rückgang zu verzeichnen, der eventuell auf eingeschleppte Pilzerkrankungen der Haut zurückzuführen ist.

Viele Veränderungen sind durch Menschenhand ausgelöst worden, wie etwa durch Urbarmachung der Geest, Flurbereinigung, Aufforstungen, Entwässerungen, Bebauungen und durch das Anlegen von Gehölzen und Heckenreihen. In seiner persönlichen Einschätzung wies Steinert auf die bedrohten Bereiche in der offenen Landschaft hin. Neu angelegte Wasserflächen und Aufforstungen seien kein Ersatz für diese zurückgehenden Landschaftstypen; man müsse immer nach standortgemäßen Naturschutzmaßnahmen suchen. Die kahle Marsch sei eben kein Fehlen von Natur, sondern das für Föhr typische Landschaftselement.

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erstellt am 02.Sep.2015 | 10:00 Uhr

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