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Aktion „Wir brauchen Dich“ : Föhrer Brandschützer starten Offensive

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Auch die Inselwehren kämpfen mit Nachwuchsproblemen. Nun wollen die Blaujacken mit einer großen Werbeaktion gegensteuern.

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erstellt am 15.Nov.2017 | 10:30 Uhr

Stell dir vor es brennt, und keiner kommt. Die Freiwilligen Feuerwehren kämpfen vielerorts mit Nachwuchsproblemen. Föhr bildet keine Ausnahme. Die Inselwehren wollen jetzt mit einer großen Werbeaktion unter dem Motto „Wir brauchen Dich“ gegensteuern. Wir stellen in den kommenden Monaten einige Brandschützer vor.

Das Problem ist bekannt: Den Freiwilligen Feuerwehren fehlt in vielen Gemeinden im Land der Nachwuchs. Nachdem auf Amrum im vergangenen Jahr mit einer großen Werbeaktion gute Erfahrungen gemacht wurden, wollen nun auch die Föhrer Brandschützer gegensteuern. Eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit soll in den kommenden Monaten helfen, vor allem junge Leute für den wichtigen Dienst zum Wohl der Allgemeinheit zu begeistern. Als Höhepunkt der Aktion ist im kommenden Jahr ein Tag der offenen Tür am symbolträchtigen 11. Februar (112) geplant. Alle Föhrer Wehren gewähren dann einen Blick hinter die Kulissen. Doch nicht nur der jeweilige Fuhrpark soll an diesem Tag für neugierige Blicke offenstehen. Vielmehr wollen die Blaujacken umfassend informieren und vor allem Fragen der Besucher beantworten; zu den Grundvoraussetzungen für eine Mitgliedschaft etwa, oder welche Ausbildungen nötig sind.

Ein Organisations-Team bereitet die Aktion derzeit vor. Dem gehören neben dem Ideengeber und Wrixumer Wehrführer Thies Krüger der Midlumer Wehrführer Stefan Hansen und der Wyker Feuerwehrmann Jörg Carstensen an. „Aktuell sind die Inselwehren noch relativ gut aufgestellt, unsicher ist die Situation in einigen Jahren“, konstatiert Krüger. Angesprochen werden sollen alle Altersgruppen, insbesondere aber die Generation zwischen 16 und 40 Jahren. Ins Boot geholt werden sollen auch die Jugendwehren, in deren Reihen die Knappheit mitunter besonders deutlich wird. So sei auf Föhr-Land der Dienst aufgrund der geringen Kinderzahl teilweise nur noch durch Zusammenlegungen möglich, sagt Thies Krüger.

Dass Familien früher kinderreicher waren, ist für Jörg Carstensen ein Grund für den Mitgliederschwund. Zudem hätte der Nachwuchs heute andere Interessen und würde von der Schule viel mehr gefordert. Dazu komme, dass viele in der Jugendfeuerwehr ausgebildet werden, die nach der Schulzeit die Insel verlassen, um auf dem Festland zu studieren oder eine Ausbildung zu absolvieren. Schließlich nehme wie überall in der Gesellschaft auch das Engagement ab, herrsche der Gedanke vor, „die anderen machen das schon“.

„An unserem Image liegt es nicht“, ist sich Stefan Hansen sicher. Ohne Frage sei die Akzeptanz der Freiwilligen Wehren, die in früheren Jahren im Volksmund gern als Feierwehren verspottet worden seien, größer geworden. „Es hat sich rumgesprochen, dass viele Ausbildungen absolviert werden können und größere Übungen gefahren werden.“ Zudem sei das Ganze mit der immer komplexer werdenden Technik interessanter und professioneller geworden – auf hohem Niveau. Dennoch komme die Kameradschaft nicht zu kurz. Im Gegenteil: „Für Zugereiste ist die Mitgliedschaft eine gute Möglichkeit, Anschluss zu finden“.

Gute Argumente, mit denen die Föhrer Brandschützer nun öffentlichkeitswirksam punkten wollen. Flyer und Printwerbung sollen dabei ebenso helfen wie soziale Netzwerke. Unterstützung haben bisher der Landesfeuerwehrverband und die Föhr Tourismus GmbH zugesagt. Und natürlich die Gemeinden, die nach derzeitigem Stand rund 100 Euro drauflegen werden. Alle Gemeinden, denn auch jene Dörfer, die keine eigene Feuerwehr vorhalten, sind Nutznießer der ehrenamtlichen Truppen. Am 11. Februar schließlich sollen Geräte und Fahrzeuge sowie Ausrüstung und Technik vorgestellt und an Ständen über die Ausbildungen informiert werden. „Wir öffnen das Haus und sind als Feuerwehrleute ansprechbar, damit sich die Leute informieren können“, so Hansen. Ein Schnuppertag, bei dem niemand gedrängt werde, eine Verpflichtungserklärung zu unterschreiben.

Dass neben Erwachsenen auch Nachwuchs für die Jugendwehren gesucht werde, betont Thies Krüger. Grundsätzlich müsse jeder ausgebildet werden, so der Wrixumer Wehrführer. Nicht alle hätten sich schon für einen Beruf entschieden, viele blieben auch auf der Insel oder kämen nach der Ausbildung zurück. Ohnehin sieht Krüger die Situation pragmatisch. Schließlich seien die ausgebildeten Jugendlichen in ihrem neuen Heimatort eine Bereicherung für die dortigen Kameraden. „Auch wir freuen uns, wenn ausgebildete Feuerwehrleute unter den Zugereisten sind.“

Die Inselwehren: Zahlen und Fakten

Aktuelle Mitgliederzahlen der Föhrer und Amrumer Feuerwehren: Jugendabteilungen 131, Einsatzabteilungen 522, Reserveabteilungen 146, Ehrenabteilungen 226 sowie 58 Mitglieder in den Musikabteilungen.

Eintrittsalter: Frühestens mit zehn Jahren können Kinder in Schleswig-Holstein Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr werden. Föhr genießt allerdings einen Sonderstatus: Hier beträgt das Mindestalter sechs Jahre. Während die Ausbildung bei den Kindern spielerisch beginnt, ist für die erwachsenen Einsteiger die Truppmann-Ausbildung zwingend. Die theoretischen und praktischen Einheiten werden auf  Föhr absolviert und sind in den vergangenen Jahren aufgrund der komplexeren Technik und steigender Gefahren anspruchsvoller geworden.

Der aktive Dienst endet ab dem 50. bis zum 55. Lebensjahr, je nach Satzung. Die Brandschützer können dann in die Reserveabteilung wechseln, in der sie bis zum Eintritt des Rentenalters (67) bleiben können. Spätestens dann ist der aktive Dienst beendet, gehört der Feuerwehrmann der Ehrenabteilung an.

Pflichtwehr: Wieviel Mitglieder die Feuerwehr einer Gemeinde haben muss, ergibt sich aus dem jeweiligen Gefahrenpotenzial. Dieses ist etwa in Orten mit einem Kinderheim oder einer Tankstelle größer. Aus dem taktisch Notwendigen ergibt sich, welche Fahrzeuge in welcher Anzahl mit wieviel Sitzplätzen benötigt werden. Die Wehr muss schließlich mindestens die dreifache Personalstärke der Fahrzeugsitzplätze haben. Wird die Sollstärke unterschritten, hat die Gemeinde laut Paragraf 16 des Brandschutzgesetzes eine Pflichtwehr aufzustellen.

 

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