Friesenschnaps : Föhr ist Wermut und Amrum die Rose

Stefan Klindtberg hat viel probiert an seiner Mini-Destille.
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Stefan Klindtberg hat viel probiert an seiner Mini-Destille.

Lokale Produkte liegen im Trend und so hat ein Amrumer zwei Insel-Gins entworfen – mit Geschmack zwischen friesischer Karibik und großer Freiheit.

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18. August 2017, 12:43 Uhr

Jetzt auch für Föhr: Der Amrumer Stefan Klindtberg hat die ersten 150 Flaschen seines Ferring-Gins auf die Insel gebracht. Sein Öömrang-Gin ist auf Amrum kaum drei Monate auf dem Markt, und schon gut eingeführt. Global denken, lokal genießen – das trifft den Nerv der Zeit. Nicht nur bei Gästen und Gastronomen; auch ein großer Onlineversand hat bereits angefragt.

Die Idee, zwei Geschmacksrichtungen zu kreieren, war von Anfang an da – die Verbindung zu Föhr auch: Klindtberg, 47 Jahre, gelernter Elektroinstallateur und seit zwanzig Jahren Geschäftsführer einer entsprechenden Firma auf Amrum, wurde auf Föhr geboren, wo auch sein Vater herstammt. Seinen Zivildienst hat er beim Wyker Rettungsdienst geleistet, und wenn Zeit ist, segelt er mit seinem Boot abends gern mal rüber.

Wie schmeckt „Ferring“ im Vergleich zu „Öömrang“? – „Er hat keine Rosenblätter, aber dafür ist Wermut mit drin, denn der hat auf Föhr ja Tradition“, sagt Klindtberg in Anspielung auf das Insel-Nationalgetränk „Manhattan“. Auf Tonkabohne und Kardamom wollte der Ginmacher auf keinen Fall verzichten, „wegen der besonderen Noten“. Hibiskusblüten, Zitronenschalen, Pflaume und Wacholder sind in beiden Gins. Ferring klingt handfest, auch das Cover hat ein bisschen mehr Drama – harter Kerl auf einsamer Jagd. In Anlehnung an den Föhrer Kapitän Matthias Petersen, den „glücklichen Matthias“, Rekordwaljäger mit 373 Tieren. Bei den Walfängern soll Gin nach Rum die beliebteste Spirituose gewesen sein, wird auf der Flaschenrückseite erzählt.

Ortstermin in der Amrumer Versuchsküche: Auf dem Tresen ist die Mini-Destillieranlage schon am Laufen, im Kolben kocht’s, die Dämpfe steigen hoch ins Röhrchen, verflüssigen sich durch die Kühlung, gleich fallen die ersten Tröpfchen, da kann man dann den Finger drunter halten und einen Probierschmatz nehmen, um zu testen, ob die Mischung stimmt. 80-prozentiger Alkohol wird im Mund hin- und hergeschoben. Die Möglichkeiten des Zutaten-Mix sind unendlich. „Aber wenn man den Geruch der Botanicals schon als angenehm empfindest, dann bekommt man das auch mit dem Geschmack hin“, hat Klindtberg festgestellt.

Nach einem Gin-Seminar im Sommer 2016 packte ihn die Lust am Experimentieren. Sein erster Gin war ihm zu stark, aber der Ehrgeiz war geweckt. Der Vor- und Nachlauf aus der Hausdestille sind nur das Pflichtprogramm. „Was zählt, ist der Mittellauf, das Herzstück, da erkennt man, was in dem Gin steckt“, sagt Klindtberg. Jeden seiner Probeläufe hat er dokumentiert, Rezeptur und Ergebnis sind genau festgehalten. Ihm gefiel auch die Idee von Amrums Fischer Andreas Thaden, der mit seinem Meersalz ein lokales Produkt für den heimischen Markt schuf. Schnell war klar, das sollte mit rein in den Gin. Man kann sich in etwa vorstellen, wie ambitioniert die Arbeitsgespräche der beiden Herren gewesen sein müssen, bis alles passte. Die Runde, zu der über den Jahreswechsel 2016/17 immer wieder auch Freunde stießen, trank und schnupperte sich durch den Winter und die Aromen. Als am Himmel die Sonne dann wieder höher stand, waren sie mit dem Gröbsten durch und mit dem Ergebnis zufrieden – inklusive Rückseite. Da steht auf den Amrumer Flaschen „Leewer duad üs slav“ (lieber Tod als Sklave), der urfriesische Wahlspruch gegen zu viel Vereinnahmung.

Es gab schon Nachschubprobleme zu meistern. Die Destille in Dollerup an der Flensburger Förde wird von Klindtberg ganz schön ausgelastet. Fürs Selberbrauen liegt Amrum einfach zu weit ab. „Das würde sich nicht lohnen“, sagt er. „Allein der Zöllner, der auf dem Festland zweimal pro Woche kommt und die Brandweinsteuer festlegt, den würde man gar nicht ständig hier rüber kriegen.“ Klindtberg bringt seine Flaschen selbst auf die Inseln. Das klare Wasser mit Bestnoten und aus 60 Meter Tiefe nimmt er – lebensmittelecht verpackt – auf der Hinfahrt mit. Auch die Bänzel um seine Flaschen knotet er selbst – Orange für Amrum, Blau für Föhr. „Ist ja mein Baby“, sagt er und schlingt geduldig Seil für Seil um die Hälse.
 


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