Von der Insel in Norwegens berge : „Föhr ist für das Training ideal“

Pause am Wyker Hafen: Firlus schätzt die Bedingungen auf seiner Ferieninsel.
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Pause am Wyker Hafen: Firlus schätzt die Bedingungen auf seiner Ferieninsel.

Thorsten Firlus startet heute beim härtesten Triathlon der Welt. Vorbereitet hat er sich auf Föhr.

shz.de von
04. August 2018, 13:00 Uhr

Eigentlich wollte Thorsten Firlus auf Föhr einen letzten Härtetest machen: „Im kalten Nordseewasser schwimmen, ohne Neopren gegen die Strömung.“ Der Supersommer 2018 mit Wassertemperaturen, die das Baden für viele erst angenehm machen, brachte diesen Plan aber mächtig durcheinander: „Das Kälteste, was ich hier hatte, war der Gartenschlauch“, sagt Firlus. „Wind gibt es auch nicht, kühl ist es ebenso wenig. Um halb acht ist es brettwarm.“ Das Training auf Föhr sei eher eine Vorbereitung auf die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii gewesen, nicht für den vielleicht härtesten Triathlon der Welt in Norwegen.

Auf den arbeitete Thorsten Firlus nämlich hin: Heute startet er beim Isklar Norseman Xtreme Triathlon. Das ist ein Triathlon über die Langdistanz: Zunächst müssen die 250 Athleten 3,8 Kilometer durch den Hardangerfjord schwimmen. Normalerweise eine kalte Angelegenheit, mehr als 15 Grad hat das Wasser selten. Doch der Hitzesommer hat auch hier seine Spuren hinterlassen, mittlerweile ist das Wasser mehr als 17 Grad warm. Anschließend geht es auf eine 180 Kilometer lange Radstrecke, mit langen Steigungen und harten Abfahrten, insgesamt 3000 Höhenmetern. Zu guter Letzt: Ein Marathon. 25 Kilometer ziemlich flach, dann ein harter Anstieg zum Gaustatoppen, 1600 Höhenmeter. Hier wird gesiebt: 160 Teilnehmer dürfen den Weg bis zum Gipfel in Angriff nehmen und sich dort ein schwarzes T-Shirt abholen, quasi die Trophäe des Wettkampfes. Der Rest muss ein alternatives Ziel weiter unten am Berg ansteuern.

Für Firlus ist klar: Das schwarze T-Shirt möchte er haben. Aber: „Ich bin noch nie 3000 Höhenmeter auf dem Rad gefahren oder bin 1600 Höhenmeter gelaufen.“ Er bezeichnet den Norseman als „den wohl aufregendsten Wettbewerb meines Lebens.“ Föhr war für ihn die letzte Trainingsstation: „Die letzten zwei Wochen sind sogenanntes Tapering, also man bewegt sich nur noch, trainiert aber nicht mehr hart.“ Dadurch sollen die Muskeln regenerieren.

Dass Firlus die letzte Trainingswoche und den Start der Tapering-Phase auf Föhr verbrachte, war eigentlich Zufall: „Der Urlaub war schon gebucht, als die Zusage für Norwegen kam.“ Die Teilnehmer werden unter den rund 4000 Bewerbern ausgelost. „Den Urlaub hier haben wir dann um eine Woche gekürzt.“ Seit 2011 kommt Firlus mit Frau und Kindern immer wieder nach Föhr, zunächst nach Oldsum, später nach Witsum. „Wir lieben die Ruhe und das Klima. Bei der Luft ist die Nase schnell frei.“ Außerdem sei es weniger voll als auf Sylt, wo die Familie vorher ihre Ferien verbrachte.

Die Zeit auf Föhr nutzt Firlus normalerweise für das Lauftraining, auch das normale Rennrad war regelmäßig dabei. In diesem Jahr stieg er jedoch immer wieder auf sein High-Tech Triathlon-Rad: „Föhr ist für das Training ideal: Auf den Straßen ist nicht viel los, man hat schöne Landschaften und man kann hier ungestört viele Kilometer Rad fahren.“ Außerdem stärke normalerweise der Wind als unsichtbarer Gegner die Moral, nur in diesem Sommer fehlte er. Einziges Manko: „Föhr hat keine Berge, die kann man auch nicht simulieren.“ Die hat Firlus stattdessen zuhause im Ruhrgebiet trainiert. Doch für das Schwimm- und Lauftraining gebe es wegen der Strömung, beziehungsweise wegen der vielen abwechslungsreichen Wege, kaum bessere Orte, schwärmt Firlus von den Bedingungen auf Föhr.

Auch die Wettkämpfe auf der Insel sind für den Sportler immer wieder eine willkommene Herausforderung. Stolz präsentiert er die T-Shirts von den TriIsland-Teilnahmen und berichtet von der „Killerrampe“ mit immerhin etwa 1,5 Prozent Steigung, die ihm am Ende von einem seiner zwei Föhr-Marathons ziemlich zu schaffen gemacht hat, oder von vier, vielleicht auch fünf Teilnahmen beim Wyker Stadtlauf. Wettkämpfe bestreitet er natürlich nicht nur auf Föhr, er berichtet von acht Langdistanzen im Triathlon, davon sechs Mal ein offizieller Ironman, mehreren Marathons und einem Lauf über 100 Kilometer.

Bei alle diesen Wettkämpfen hat Thorsten Firlus nur ein Ziel: „Ich will besser sein, als beim vorherigen Wettbewerb. Was die anderen machen, ist mir egal.“ Und auch in Norwegen gilt für ihn: Er will nur oben am Gaustatoppen ankommen. „Wenn es gut läuft bin ich in 14,5 Stunden am Ziel. Aber ich habe keine Ahnung, ob das drin ist.“ Hinzu kommt, dass die Strecke nicht abgesperrt ist und er sich über die gesamte Distanz selbst versorgen muss. Seine Frau und ein Freund bilden seine Crew, ohne die er nicht antreten darf. Das macht den ganzen Wettbewerb noch schwerer: „Jeder ist wichtig, macht die Crew einen Fehler, ist das so schlimm, als würde der Athlet einen machen.“ Die Einzelsportart Triathlon wird so zum Teamwettbewerb.

Der Norseman startet heute früh um 5 Uhr und kann auf nxtri.com verfolgt werden. Thorsten Firlus hat die Startnummer 86. Auf seinem Blog wiwo.com/schweinehund berichtet der Journalist ausführlich über seine Vorbereitungen auf den Wettkampf.

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