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Ansteckend : Föhr: Insulaner kämpfen mit der Krätze

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Johanneshaus, Schulen und Kindergärten sind betroffen. Das Gesundheitsamt ist über das Auftreten der ansteckenden Krankheit auf Föhr informiert.

Wyk | Auf der Insel Föhr tritt derzeit eine Krankheit auf, die viele für ausgerottet hielten: die Krätze, im Fachjargon Scabies oder Acarodermatitis genannt. Wie jetzt bekannt wurde, trat die parasitäre Hautkrankheit erstmals im Wyker Seniorenheim „Johanneshaus“ auf, in der Folge waren auch die Kindergärten in Süderende und Midlum sowie alle Schulen auf Föhr betroffen. Auch das Schulzentrum am Rebbelstieg, wo die Verantwortlichen kürzlich alle Eltern informierten.

Die Krätzmilben werden hauptsächlich durch Hautkontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Um sich anzustecken, muss der Kontakt allerdings über einen ausreichend langen Zeitraum stattfinden. Kurze Berührungen – wie etwa Händeschütteln – reichen für eine Ansteckung mit Krätze üblicherweise nicht aus.

Erste Verdachtsfälle in dem Seniorenheim am Rebbelstieg gab es bereits im September des vergangenen Jahres, berichtet Anika Sönnichsen, seit Anfang dieses Monats Leiterin der Einrichtung am Rebbelstieg. Unsicherheit habe geherrscht, denn bei einigen Bewohnern verschwanden die Symptome wieder. Dass die damalige Einrichtungsleitung das Gesundheitsamt im November über den Verdacht informierte, den ein Hautarzt aus Schleswig schließlich bestätigte, sagte Hans-Martin Slopianka, Pressesprecher des Kreises Nordfriesland, auf Nachfrage von shz.de.

Knapp zehn Bewohner waren betroffen, die in der Folge behandelt und in ihren Zimmern isoliert wurden, um die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Das Personal trug Schutzkleidung und Besucher wurden durch Schilder und an einem Informationsabend mit dem Utersumer Allgemeinmediziner Dr. Hark Weber aufgeklärt. Zudem betont Anika Sönnichsen, dass sich jeder unter 04681/747490 mit Fragen an das Johanneshaus wenden kann.

Nachdem im Januar vier Bewohner immer noch oder schon wieder Krankheitssymptome zeigten, wurde die Behandlung wiederholt. Seither seien keine neuen Hauterscheinungen aufgetreten, so Slopianka. Ein Grund zur Entwarnung sei das allerdings noch nicht, denn der Inkubationszeit geschuldet gelten Patienten erst sechs Wochen nach Abklingen der letzten Erkrankung als krätzefrei.

In den Föhrer Schulen und Kindergärten mussten rund zehn Kinder und deren Kontaktpersonen behandelt werden. Solange dem Nachwuchs kein ärztliches Attest Gesundheit bescheinigt, muss er zu Hause bleiben.

Der Ansteckungsgefahr wegen wurde eine geplante Klassenfahrt der achten Klassen nach Amrum von der Behörde untersagt. Genehmigt wurde dagegen das gestrige Floorball-Turnier im Schulzentrum. Bei dieser Sportart gebe es laut Gesundheitsamt kaum Körperkontakt. Einzige Auflage: Jede Mannschaft musste über eine eigene Umkleidekabine verfügen.

Die Krätze, die nicht auf hygienische Mängel zurückzuführen sein muss, geht mit starkem Juckreiz einher. Sie wird durch Milben verursacht, die sich in die obere Hornschicht der Haut eingraben. Bei Erwachsenen befallen sie vor allem die Haut zwischen Fingern und Zehen, in der Achselgegend und im Genitalbereich. Die Krankheit ist meldepflichtig, allerdings nur in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kitas oder Altenheimen. Im Kreis Nordfriesland wurden nach 24 Fällen in 2012, fünf in 2013 und drei in 2014 im vergangenen Jahr sechs Fälle von Krätze gemeldet.

Auf Föhr wurden alle Mediziner angeschrieben und informiert, berichtet Hans-Martin Slopianka, denn „für Ärzte ist es schwer, Krätze zu erkennen. Die Diagnose ist schwierig und die letzten Fälle auf der Insel liegen lange zurück“.

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erstellt am 04.Mär.2016 | 14:00 Uhr

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