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Wyker Klinik : Föhr: Geboren im geschlossenen Kreißsaal

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der kleine Joui ist ein echtes Föhrer Inselkind. Seine Mutter Sarah war bewusst nicht rechtzeitig zur Entbindung aufs Festland gefahren.

shz.de von
erstellt am 23.Jan.2016 | 09:30 Uhr

Wyk | Nun ist also doch passiert, was eigentlich nicht mehr hätte passieren sollen: Im Kreißsaal der Wyker Inselklinik ist ein Kind zur Welt gekommen. Der kleine Joui Jensen legte einen Traumstart ins Leben hin und ist putzmunter und gesund.

Zur Erinnerung: Der Geschäftsführer des Klinikums Nordfriesland, zu dem auch das Wyker Krankenhaus gehört, hatte im vergangenen Herbst die Schließung der Geburtshilfeabteilung in Wyk verfügt – wegen angeblich in einem (bis heute unter Verschluss gehaltenen) Gutachten festgestellter Sicherheitsrisiken. Seither müssen Mütter von Föhr und Amrum ihre Kinder auf dem Festland zur Welt bringen. Weil man von den Inseln nicht zu jeder Tageszeit und bei jeder Wetterlage einfach losfahren kann, wenn die Wehen einsetzen, müssen hochschwangere Frauen sich schon 14 Tage vor dem Geburtstermin in sogenannten Boardinghäusern der Kliniken in Niebüll, Flensburg oder Husum einquartieren.

Vor allem für Mütter, die bereits kleine Kinder zuhause haben, eine ungemein belastende Situation. Eine Situation, der sich Jouis Mutter Sarah Jensen nicht aussetzen wollte. Erst recht nicht, als Jouis große Schwester, die sechsjährige Leni, auch noch kurz vor dem Geburtstermin eine Mandelentzündung bekam und ihre Mama brauchte. „Ich hatte kein gutes Gefühl, Leni da allein zu lassen und habe das dann einfach auf mich zukommen lassen“, berichtet die 29-Jährige. Sie wäre schon auch noch aufs Festland gefahren, erklärt sie, doch als die Wehen einsetzten, ging alles ganz schnell.

„Als die Patientin bei mir ankam, war sie bereits nicht mehr transportfähig“, berichtet Hebamme Kerstin Lauterberg. Das war mittags um zwölf, gerade Mal 58 Minuten später war der kleine Mann geschlüpft, im Wyker Kreißsaal, der, um für eventuelle Notfälle gewappnet zu sein, immer noch voll funktionsfähig ist. Unterstützt von ihrer vertrauten Ärztin Juliane Engel und ihrer vertrauten Hebamme Kerstin Lauterberg brachte Sarah Jensen ihren Sohn in Wyk zur Welt, genauso wie sechs Jahre zuvor schon ihre Tochter.

„Eine Geburt ist die natürlichste Sache von der Welt“, hat die junge Mutter sich absolut sicher und aufgehoben gefühlt. „Hier ist schließlich noch nie was passiert, selbst Notfallkaiserschnitte haben die im Wyker Krankenhaus immer hingekriegt“, sagt sie und berichtet, dass sie eine „super Geburt mit einem unheimlich kompetenten Team“ gehabt habe.

Nach einem kräftigen Begrüßungs-Pups hat Joui den Besuch mit seinen Eltern in der Redaktion des Insel-Boten fest verschlafen.
Nach einem kräftigen Begrüßungs-Pups hat Joui den Besuch mit seinen Eltern in der Redaktion des Insel-Boten fest verschlafen. Foto: pk
 

Während andere Insulanerinnen schon lange vor und auch einige Zeit nach der Entbindung auf dem Festland sind, weit weg von Familie und vertrautem Umfeld, die frischgebackenen Väter und Geschwisterkinder sie nur unter großem oragnisatorischen, finanziellen und Zeitaufwand besuchen können, durfte Leni ihren kleinen Bruder in Wyk gleich in Empfang nehmen. Und bereits drei Stunden später konnte die ganze Familie wieder nach Hause fahren.

Wäre sein Sohn nicht auf der Insel geboren, hätte auch Vater Andreas Jensen nicht dabei sein können. Er steht voll hinter der Entscheidung seiner Frau, die Fahrt zum Festland auszusitzen und wünscht sich, dass noch mehr Mütter diesem Beispiel folgen. Es könne nicht sein, dass nur weil ein Klinikchef beschließe, dass auf Föhr keine Geburten mehr möglich sind, das auch so sei, sagt er. „Die Frauen sollten sich längst nicht alles gefallen lassen.“

„Man sollte aber schon verantwortungsbewusst handeln“, ergänzt Ehefrau Sarah. Als erfahrene Mutter konnte die Oevenumerin einschätzen, was auf sie zukam. „Wäre Joui mein erstes Kind gewesen, hätte ich mich vielleicht anders entschieden“.

„Glücklicherweise konnte auf bewährte noch funktionierende Abläufe zurückgegriffen werden“, meinte Juliane Engel. „Zum Glück stand im Mutterpass vorn nicht die 112, sondern die Hebammen-Nummer. Sonst wäre dieses Kind wahrscheinlich irgendwo zwischen Föhr und Niebüll auf der Straße, auf dem Wasser oder auf dem Flugplatz zur Welt gekommen.“

„Sarah Jensen hat alles richtig gemacht“, lobt Kerstin Lauterberg, „ich bin stolz auf sie, dass sie das geschafft hat, mit diesem Selbstbewusstsein und Vertrauen in den eigenen Körper“.



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