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Insel-Ruhe : Föhr für Fastelovendsmuffel

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Viele Menschen fliehen vor dem Karneval auf die Inseln und längst nicht alle ehemaligen Kölner vermissen den Trubel in der alten Heimat.

shz.de von
erstellt am 25.Feb.2017 | 12:30 Uhr

Verkleidete Menschen und laute Musik – in den Karnevals- und Faschingshochburgen geht es in diesen Tagen drunter und drüber. Doch das närrische Treiben gefällt nicht jedem und viele Rheinländer fliehen vor dem Fastelovend, wie der Karneval in der Kölner Mundart genannt wird, nach Norddeutschland.

Etliche dieser Karnevalsflüchtlinge kommen auch auf die Inseln Föhr und Amrum, wie die Zahlen der vergangenen drei Jahre bestätigen. Laut einer Statistik der Föhr Tourismus GmbH (FTG) kamen über die Karnevalstage jeweils mehrere hundert Menschen aus Nordrhein-Westfalen (NRW) nach Föhr. Auch für dieses Jahr sind bereits Unterkünfte für 339 Personen aus diesem Bundesland gebucht. „Im Laufe der nächsten Wochen werden noch einige Meldescheine bei uns eintrudeln, die auch dann erst in unsere Statistik einfließen“, erklärt Ann-Kathrin Meyerhof, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der FTG. „Übers Jahr gesehen ist NRW aber ohnehin Spitzenreiter in der Bundesländerstatistik.“

Auf Amrum werden laut einer Auswertung der Amrum-Touristik im Februar rund 33  000 Übernachtungen generiert. „Erwartungsgemäß liegt der Anteil der Besucher aus den Karnevals-Hochburgen in diesen Tagen merklich höher als im üblichen Jahresdurchschnitt“, bestätigt der Tourismus-Chef Frank Timpe. Der Anteil der Gäste aus NRW habe im Februar 2016 bei rund 37,18 Prozent im Vergleich zum Jahresdurchschnitt von 24,15 Prozent gelegen.

Einige Rheinländer sind das ganze Jahr auf den Inseln – wie das Ehepaar Löwenbrück, ursprünglich aus Leverkusen. Ein eigenes Familienwappen ziert ihre Hauswand in der Wyker Strandstraße. Zwei Löwen flankieren eine Brücke. „Es ist die Hohenzollernbrücke in Köln“, erklärt Thomas Löwenbrück. „Ich bin täglich mit dem Zug über diese Brücke in die Stadt reingefahren, mit Blick auf den Dom.“

Thomas Löwenbrück, der sich mittlerweile für die SPD in der Wyker Kommunalpolitik engagiert, hat Jahre lang in der Bezirksregierung in der Domstadt gearbeitet. 2009 zogen die Löwenbrücks ganz nach Föhr und ließen das Rheinland und den Karnevalstrubel hinter sich. „Gerade das ist so schön. Hier weiß kaum jemand, dass gerade Karnevalszeit ist“, sagt Thomas Löwenbrück.

Seine Frau Carla Löwenbrück erinnert sich noch: „Ich war früher ein richtiger Karnevalsjeck. Wir haben von Donnerstag bis Dienstag durchgefeiert. Ab und zu vielleicht mal drei Stunden geschlafen.“ Aber wenn man älter werde, beschränke das Feiern sich auf den Besuch der Stunksitzung und vielleicht eine private Party zuhause.

Was in diesen Tagen in Köln los ist, sei unvorstellbar. „An Weiberfastnacht lief in der Bezirksregierung ab 10 Uhr nichts mehr. Auch in anderen Häusern kriegte man keinen mehr ans Telefon – es ist Ausnahmezustand“, erklärt Thomas Löwenbrück. „Vor zwei Jahren waren wir das letzte Mal in dieser Zeit in Köln und haben uns vom Karneval verabschiedet. Das einzige, was uns heute noch mit der jecken Zeit verbindet, ist die Stunksitzung.“ Denn diese alternative Kölner Karnevalssitzung wird jedes Jahr im Fernsehen übertragen.

„Jetzt genießen wir die Ruhe hier auf der Insel. Es ist ein ganz anderes Leben hier“, sagt Carla Löwenbrück. „Karneval ist mit Biike durch ein anderes Traditionsfest ersetzt worden.“ Biike und Grünkohl essen sind heute ein fester Bestandteil ihres Lebens auf der Insel. In diesem Jahr fallen beide Traditionsfeste in die selbe Woche.

Gewisse Parallelen zwischen den beiden Traditionen gebe es. In Köln gibt es den Nubbel, eine Strohpuppe, die während der Karnevalstage über den Eingängen der Gaststätten hängt und in der Nacht zum Aschermittwoch verbrannt wird, um alle Sünden, die begannen wurden, zu vergessen. Im Biikefeuer wird der Piader verbrannt.

„Eine Kölner Freundin, die sonst regelmäßig im Karnevalszug mitgegangen ist, kommt sogar dieses Jahr über die freien Tage zu uns“, erzählt Carla Löwenbrück. Die närrische Zeit vermissen sie und ihr Mann nicht.

Anders ist es bei Bea von Reusner, die aus Düren in der Nähe von Köln kommt. „Ich muss Karneval nicht vermissen. Ich fahre fast jedes Jahr nach Hause.“ Die Rheinländerin ist der Liebe wegen 2008 nach Föhr gezogen. „Mein Mann ist Nordfriese. Als er das erste Mal mitgekommen ist, hat er groß geguckt. Auf der Rückfahrt im Auto hat er aber immer noch Karnevalslieder gesungen“, erinnert sich von Reusner. Ihre Kinder wachsen mit der kölschen Tradition zu Hause auf, Karnevalslieder werden das ganze Jahr über gehört.

Auch in Föhrer Kindergärten und Schulen verkleidet man sich zu Fasching. „Wenn man hier laut Alaaf schreit, wird man aber nur komisch angeschaut“, sagt die Karnevalistin. Während andere vor dem Lärm und närrischen Treiben fliehen und auf den Inseln ihre Ruhe suchen, fährt von Reusner auch in diesem Jahr wieder der Heimat entgegen.

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