Millionenteure Anlage dauer-defekt : Föhr-Fähre: Ultimatum für Seiteneinstiege gestellt

Nach den Problemen während der Osterfeiertage sind die Seiteneinstiege derzeit wieder in Betrieb. Foto: psz
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Nach den Problemen während der Osterfeiertage sind die Seiteneinstiege derzeit wieder in Betrieb. Foto: psz

Als Reaktion auf die ständigen Probleme mit den Seiteneinstiegen zu den Fähren nach Föhr und Amrum wird der ausführenden Firma eine letzte Frist gesetzt.

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06. April 2013, 10:13 Uhr

Föhr/Amrum | Seit dem Osterwochenende, als die Seiteneinsteige für die Insel-Fähren in den Häfen von Dagebüll, Wyk und Wittdün wieder einmal für massive Probleme gesorgt hatten, hat das Endlosthema eine neue Dimension bekommen. Am Donnerstag trafen sich Hafenbetrieb, Reederei, Planungsbüro und die ausführende Firma Heinrich Rohlfing aus dem nordrhein-westfälischen Stemwede-Niedermehnen zu einem Krisengespräch, in dessen Verlauf der Chef des Wyker Hafens, Ulrich Koch, in Absprache mit Norbert Gades (Dagebüll, Amrum) eine letzte Frist setzte.

"Sollten die Anlagen bis zum nächsten Freitag, 12. April, nicht durchgängig gefahren werden können, wird der Firma der Auftrag entzogen", betonte Koch, der bauliche Ursachen im Rahmen der geforderten Nachbesserungen an den rund vier Millionen Euro teuren Seiteneinstiegen von diesem Szenario ausschloss.

"Riesiger Image-Schaden"

"Irgendwann ist der Punkt erreicht, da muss ein Schlussstrich gezogen werden", begründet Koch den Schritt. Eine letzte Option, mit der er und Gades im Einvernehmen lange gewartet hatten. Gern hätten sie den im Ernstfall zu erwartenden Rechtsstreit vermieden, der nicht nur Geld, sondern auch Zeit kostet. Denn sollte die Firma den Auftrag am Freitag verlieren, werden die Fahrgäste der Wyker Dampfschiffs-Reederei in dieser Saison wohl durchgängig den Weg über das Autodeck nehmen müssen.

Ohnehin konstatiert der WDR-Chef Axel Meynköhn einen riesigen Image-Schaden für die Reederei, die als Nutzer der fehlerhaften Anlagen ebenso Opfer ist wie die Passagiere und dennoch regelmäßig die Prügel einsteckt. Folgerichtig war die nun getroffene Entscheidung für Meynköhn überfallig, der nach dem Osterwochenende endgültig die Nase voll hatte, als erneut mehrere Tausend Fahrgäste von dem Ausfall betroffen waren. "Das kann nicht sein, so etwas habe ich noch nicht erlebt", sprach er von massiven Störungen über die gesamten Feiertage. Eine Ursache sei nicht auszumachen und ständig träten Überraschungen auf, so Meynköhn, der die verantwortliche Firma für überfordert und kaum noch motiviert hält.

Passagiere reagieren enttäuscht

"Wir haben mehr als genug Fristen gesetzt", begründet Ulrich Koch die Entscheidung, die auch stets eingehalten worden seien. Immer wieder auftretende Probleme seien von der Firma beseitigt worden, die Steuerungen etwa und die gesamte Hydraulik- und Messtechnik. Die wurde in allen drei Türmen ausgewechselt, funktioniert allerdings nach wie vor nicht fehlerlos. Aktuell hätte sich ein Zylinder gesperrt, so Koch, und niemand vor Ort habe das Problem lösen können. Ohnehin ist es für alle Beteiligten schwer nachzuvollziehen, dass die Firma Rohlfing ausgerechnet am Wochenende, dem Haupt-An- und Abreisetag auf den Inseln, keinen Techniker vor Ort hat.

Anfang 2012, kurz nach der Taufe der "Schleswig-Holstein", sollten die Seiteneinstiege eigentlich übergeben werden. Da sie nicht funktionierten, sollte der Betrieb schließlich zu Ostern 2012 aufgenommen werden. Ein aus Sicht Axel Meynköhns katastrophales Jahr ist seither vergangen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Einstiege, wenn sie denn funktionierten, von den Fahrgästen gut angenommen wurden. "Enttäuschung macht sich breit und Leidtragende sind die Besatzungen der Schiffe, die die Prügel einstecken müssen", ist die Situation für Meynköhn untragbar und den Mitarbeitern nicht mehr zuzumuten.

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