zur Navigation springen
Insel-Bote

15. Dezember 2017 | 04:09 Uhr

Biike 2017 : Flammenspiel über der Nordsee

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der Wettergott war einsichtig: Strahlender Sonnenschein am Biike-Tag. Auf beiden Inseln loderten wieder insgesamt 19 Feuer.

von
erstellt am 21.Feb.2017 | 21:20 Uhr

Das Wetter war wie gemacht, gestern Abend, für einen zünftigen Biike-Abend. Strahlender Sonnenschein den ganzen Tag, kein Regentropfen und ein moderater Wind. Schon der Wetterbericht hatte den Dienstag als besten Tag der Woche angekündigt und so war es denn auch. „Wir müssen ja auch mal Glück haben“, konstatierte Wyks Wehrführer Kai Sönnichsen, „den ganzen Tag hat der Wind gepustet und das Holz schön getrocknet“.

Und der Wyker Haufen konnte sich, wie auch die übrigen 13 auf Föhr und fünf auf Amrum, sehen lassen. Wie stets in den Wochen vor dem 21. Februar waren auch in diesem Jahr auf beiden Inseln die Motorsägen heiß gelaufen, zahlreich fuhren Transporter Brennmaterial zu den Feuerplätzen der Inseln und die Nachwuchs-Brandschützer waren im Sammeleinsatz. Schließlich sollte Einheimischen und Gästen ein respektables Feuer präsentiert werden.

Fackelzüge führen seit einigen Jahren in Utersum und Wyk zum Biikehaufen. Der wurde in Wyk angeführt vom Jugendwart der Boldixumer Wehr, Marvin Wildemann. Stimmungsvoll ging es vom Veranstaltungszentrum zum Ort des Geschehens am Fehrstieg, unterwegs wurden die Fackeln entzündet.

Dabei waren mit Katrin Meinert, Kristina Bard, Svenja Magirius und Delia Pal auch vier Gäste der Klinik „Sonneneck“, die zum Abschluss ihres Reha-Aufenthaltes zum ersten Mal Biike auf Föhr feierten. „So groß haben wir das Feuer noch nicht erlebt. Das war ganz schön imposant“, waren sich die Vier am Ende einig.

Auch auf Amrum waren zahlreiche Gäste zu diesem besonderen Ereignis angereist. Traditionell versammelten sich Hunderte an der Hüttmann-Wiese, wo Kai Quedens die Geschichte um das Biike erklärte. Eindrucksvoll und spannend, vor allem aber mit einem Augenzwinkern blickte er zurück auf die Zeit, als der Brauch entstand, in der eine kriegerische Götterwelt vorherrschte, die allerdings dem Amrumer Geist entspräche. Als „Schweinerei im Februar“ habe die katholische Kirche die „heidnische Abgötterei“ scharf verurteilt.

Zusammen mit Bürgermeister Peter Koßmann brachte er den Piader, die mit Stroh gefüllte Opferpuppe, zum Norddorfer Biike. Begleitet von einem großen Fackelzug. „Wir lieben diese winterliche Ruhe und flüchten gerne vor der Karnevalszeit zu Hause. Unsere Kinder haben auch die Tradition des Gesichterschwärzens schnell angenommen und mächtig Spaß dabei“, erzählte ein Gäste-Ehepaar mit kohlschwarzer Nase. Wie auf Föhr sorgten auch hier die freiwilligen Feuerwehren wie in jedem Jahr für Speisen und Getränke an ihren Feuern. Gegen 18 Uhr wurden diese in den einzelnen Inseldörfern entzündet. „Wir kommen aus Wittdün, sind über Süddorf nach Nebel gefahren und wollen noch weiter bis nach Norddorf“, berichtete eine Schar aus drei Familien, die mit ihren Fahrrädern und Anhängern einen ganz eigenen „Biike-Umzug“ machte.

Pünktlich um 18 Uhr vergaßen auch die Feuerwehren auf Föhr für einen Augenblick ihre eigentliche Bestimmung und zündelten. Dann aber war alles wie immer: Auf beiden Inseln sorgten die Blaujacken für Sicherheit. Der Piader, „der das Böse symbolisiert“, wie Kai Quedens in Norddorf verriet, verbrannte nach und nach, und die zahlreichen Gäste kommentierten fachmännisch, welches Körperteil gerade den lodernden Flammen zum Opfer fiel. Und auch die Jüngsten kamen nicht zu kurz: Rund um das Feuer wurden kleine Biike-Haufen entzündet und die Kleinen genossen das sonst Verbotene mit glänzenden Augen. Und auch der weitere Ablauf des Abends folgte einem eingespielten Ritual: Der anschließende deftige Grünkohl in vielen Varianten gehört einfach dazu. Und so trafen sich Einheimische und Gäste in den vielen Föhrer und Amrumer Gaststätten, wo das Gemüse – mit herzhaften Fleischbeilagen und süßen Kartoffeln veredelt – serviert wurde.

Viele blieben bis in den späten Abend hinein bei strahlendem Sternenhimmel, vielleicht um sicher zu sein, das jetzt der Winter auch wirklich vertrieben sei und Platz ist für weitere Sonnenstrahlen des Frühlings.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen