Föhr : Fit für die Zukunft werden

Ein Kinderarzttermin vor Ort: Für viele Insel-Eltern ist das ein Traum.

Ein Kinderarzttermin vor Ort: Für viele Insel-Eltern ist das ein Traum.

Große Projekte für die Insel: Amt und Stadt ziehen an einem Strang.

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08. August 2019, 20:54 Uhr

Amtsdirektor Christian Stemmer ist seit  Anfang des Jahres   im Amt, Wyks Bürgermeister Uli Hess seit einem Jahr und Amtsvorsteherin Heidi Braun ist längst ein Urgestein der Föhrer Kommunalpolitik.  Diese drei bilden das neue Föhrer „Dreamteam“,  stecken voller Elan und  wollen mit neuen Projekten und solchen, die  schon länger einen Dornröschenschlaf in irgendwelchen Schreibtischschubladen hielten, die  gesamte Insel Föhr voranbringen  und  dabei, wo es möglich ist, auch Amrum mit ins Boot holen.

Drei Projekte, die jetzt aktuell im Vordergrund stehen, stellte das Trio  gestern vor: Um Energieversorgung,  Wohnungsbau und Gesundheitsversorgung geht es dabei.

Projekt 1: Wohnungsbau

Da ist einmal die Gründung einer kommunalen  Wohnungsbaugenossenschaft,   die  bezahlbaren Wohnraum für Insulaner  schaffen soll  – in Wyk genauso, wie in den Landgemeinden. „Kommunen könnten dann zum Beispiel statt Geld als Genossenschaftsanteil auch  einzelne Grundstücke einbringen“, erläutert  Uli Hess das Konzept.

Wir wollen die Bürger dabei begleiten, dass sie in bezahlbare Wohnverhältnisse kommen. Heidi Braun, Amtsvorsteherin

 „Wir wollen an Wohnungen die leer stehen ran, und die Bürger dabei begleiten, dass sie in vernünftige, bezahlbare  Wohnverhältnisse kommen“, erklärt Heidi Braun.  Die geplante  Genossenschaft, für die man inzwischen eine Bank als Partner gewonnen habe, solle nicht gewinnorientiert sondern lediglich kostendeckend arbeiten,  erläutert Hess.

Projekt 2: Gesundheit

Muss auf dem Festland jemand zum Facharzt, setzt er sich in Auto oder U-Bahn und ist in relativ kurzer Zeit beim Doktor seines Vertrauens. Muss ein Insulaner zum Facharzt, muss er die Tour genau planen, rechtzeitig einen Fährplatz buchen und ist oft einen ganzen Tag unterwegs. So ist es bisher, doch das könnte sich ändern. Am Mittwoch, so berichtet Christian Stemmer, habe ein erstes und sehr positives  Sondierungsgespräch mit Vertretern der Föhrer und Amrumer Kurkliniken und dem Krankenhaus stattgefunden. Das Ziel ist,   dass  die Spezialisten, die in den Kliniken arbeiten,    Sprechstunden für Insulaner anbieten – in derzeit leer stehenden Räumen im Wyker Krankenhaus.

Die Rehakliniken halten das für interessant. Wir sind jetzt in der Findungsphase. Christian Stemmer, Amtsdirektor
 

„Die Rehakliniken halten das für interessant“, berichtet Stemmer. „Wir sehen das als Projekt zur medizinischen Grundversorgung der Bevölkerung“, ergänzt Heidi Braun. Beide betonen aber, dass auf gar keinen Fall  Konkurrenz zu den bestehenden Arztpraxen auf Föhr geschaffen werden solle. Man wolle der Bevölkerung lediglich ermöglichen, Fachärzte wie zum Beispiel Onkologen, Kinder- oder Hals-Nasen-Ohren-Ärzte ohne großen Aufwand auf der Insel aufsuchen zu können. Ein nächster Termin mit den Verwaltungsleitern der Kliniken sei bereits geplant, so Stemmer. „Wir sind jetzt in der Findungsphase.“

Projekt 3: Energie

In Sachen erneuerbare Energien hat sich auf der Insel in jüngster Zeit einiges getan. Da sind die Oevenumer Windmüller, die Föhrer Strom verkaufen, da ist die Energiegenossenschaft mit ihrem Wärmenetz im Westen der Insel, da sind die vielen Landwirte, die auf den Dächern ihrer großen Ställe und Scheunen Solarstrom produzieren und ins Netz einspeisen.  Wie kann man solche Kräfte bündeln, wie die Insel zu einer energieautarken Modellregion machen und wie können die Gemeinden in Zeiten des Klimawandels  nicht nur der Umwelt Gutes tun, sondern auch ihren eigenen Kassen  – das ist Gegenstand schon recht konkreter Überlegungen, die, so der Zeitplan,  bereits im September in einen Grundsatzbeschluss des Amtsausschusses münden sollen. Ziel sei die Gründung einer kommunalen Energie-Gesellschaft,  eines Föhrer oder sogar Föhr-Amrumer „Inselwerks“, dem dann wiederum Tochtergesellschaften für einzelne Bereiche  angehören würden, erläutert Stemmer.  So habe es bereits Vorgespräche mit dem Netzbetreiber über eine Kooperation gegeben, in der das Stromnetz in Inselhand  gegeben würde, berichtet Uli Hess.  „Unser Oberthema ist die Energiewende“, so der Wyker Bürgermeister.

Unser Bestreben ist es, als Modellregion anerkannt zu werden. Uli Hess, Bürgermeister
 

Ein weiterer Bereich, der in  „Inselwerke“ integriert werden könnte, ist  laut Stemmer, Hess und Braun  ein gesamtinsulares Wärmenetz. Und auch die  Erzeugung von Inselstrom für die Insel – möglichst unter Einbeziehung bereits vorhandener Produzenten – solle dazu gehören. Uli Hess träumt bereits von einer Windkraftanlage in Bürgerhand und will auch das Thema E-Mobilität im Auge behalten. „Unser Bestreben ist es, als Modellregion anerkannt zu werden“, erklärt er.

Hochtrabende Pläne,  deren zeitaufwendige Realisierung die beiden Ehrenamtler Hess und Braun und der Amtsdirektor, der noch viele andere Baustellen hat, nicht  allein bewältigen können.  Mit Volker Broekmans, der  bereits die  Erstellung der energetischen Quartierskonzepte für Alkersum, Midlum, Nieblum und Oevenum   begleitet hat, wurde ein Fachmann als Berater mit ins Boot geholt. „Wir wollen die Insel autark stellen und ökologisch ausrichten“, betont er.

„Das ist ein Riesenpaket“, sagt Heidi Braun, der eines ganz wichtig ist: „Wir wollen eine kommunale Gesellschaft, in der sich alle wiederfinden, auch die Bürger. Wir wollen keinen vor den  Kopf stoßen“.

Nächster Meilenstein auf dem Weg zur insularen Energiegesellschaft wird die Amtsausschuss-Sitzung am 12. September sein. „Da wollen wir Nägel mit Köpfen machen“, hofft Heidi Braun, dass die Inselbürgermeister einen Grundsatzbeschluss fassen. „Wir müssen jetzt handeln, um Fördergelder zu bekommen“, ergänzt Uli Hess.

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