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Geburtshaus in Wyk: : Finanzielle Unterstützung möglich

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Landrat Dieter Harrsen Gast im Amtsausschuss. Kreis grundsätzlich zur Kostenbeteiligung bereit. Gutachten soll im Juli vorgestellt werden.

shz.de von
erstellt am 26.Jun.2017 | 13:00 Uhr

„In Gefahrensituationen wird das Klinikum in Wyk für Gebärende zur Verfügung stehen. Es geht aber nicht, dass diese Zusage von Frauen missbraucht wird, die bewusst einen Notfall herbeirufen.“ Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen, der zur Sitzung des Amtsausschusses des Amtes Föhr-Amrum nach Wyk gekommen war, blieb bei seiner Haltung zur augenblicklichen Geburtssituation auf Föhr.

Im öffentlichen Teil der Sitzung stand der „Sachstand Klinikum Nordfriesland“ auf der Tagesordnung. Die Initiative Inselgeburt Föhr-Amrum hatte dazu einen umfangreichen Fragenkatalog vorbereitet, an dessen Spitze die Frage nach dem Geburtshaus auf Föhr stand, für dessen Unterstützung der Kreistag votiert hatte. Harrsen machte dazu deutlich, dass der Kreis grundsätzlich zu einer Kostenbeteiligung bereit sei, falls auch das Amt Föhr-Amrum seinen Teil dazu beitrage. Darüber müsse in der anschließenden nichtöffentlichen Sitzung beraten werden, so Dieter Harrsen.

Bevor dies geschehen konnte, galt es, den Begriff Geburtshaus zu definieren. Der Landrat stellte sich darunter eine hausgeburtliche Einrichtung vor, da ein offizielles Geburtshaus schwer umsetzbar sei. Dem widersprach das Mitglied des Amtsausschusses, Peter Schaper, der darauf verwies, dass ein Geburtshaus grundsätzlich möglich sei. Es gelte, dafür einen Trägerverein zu gründen, während die fachliche Leitung bei den Hebammen liege. Allerdings sei eine Unterstützung durch Gynäkologen nötig, was auf Föhr zur Zeit leicht möglich sei.

Landrat Harrsen informierte in Wyk darüber, dass das schon lange angekündigte Gutachten von OptiMedis zur Geburtssituation nun vorliege und am 6. Juli öffentlich vorgestellt werden soll. Diesem Gutachten sei zu entnehmen, dass in den Niederlanden 30 Prozent der Geburten Hausgeburten seien, was deutlich mehr als in Deutschland sei (laut Statistiken liegt die Hausgeburtsrate in Deutschland bei unter zwei Prozent). Dabei gehe es auch um die „umstrittene“ Frage, ob eine Geburt ein natürlicher Vorgang sei. Nach Harrsens Überzeugung ist eine Hausgeburt für einen Teil der Frauen möglich, sei aber bei Risiken nicht zu verantworten. Bei jeder Geburt gebe es erhebliche Gefahren für Mutter und Kind und bei einer Entbindung in Husum sei die Situation günstiger als auf Föhr.

Gerade das aber bezweifelte die Initiative, die in ihrem Fragebogen auf die „aktuell dürftige Attraktivität des Klinikstandortes Husum im Bereich Geburtshilfe“ und die Tatsache verwies, dass Föhrer Frauen diese nächstgelegene Geburtsstation meiden. Auch widersprach die Föhrer Hebamme Kerstin Lauterberg entschieden der von Harrsen genannten Zahl von Kaiserschnitten auf Föhr. Lediglich im letzten Jahr der offiziellen Geburtshilfe auf der Insel, als alle in Unsicherheit waren, seien mehr Kaiserschnitte erfolgt. Aus dem Kreis der Zuhörerschaft meldete sich eine Mutter zu Wort, um vor Panikmache zu warnen. „Ihr macht den Leuten Angst und verunsichert die Frauen“, betonte sie, an den Landrat gewandt.

Harrsen verwies auf den Koalitionsvertrag der zukünftigen Regierung, in dem eine verbindliche Planung für die Geburtshilfe auf den Inseln und Halligen vorgesehen sei. „Ich bin allerdings skeptisch, dass wieder die vorherige Situation erreicht werden kann.“

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