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seltene fundstücke : Filigrane Handarbeit am Sonnenstein

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Unter fachkundiger Anleitung der Schutzstation Wattenmeer können Urlauber Bernsteine nach eigenen Vorstellungen schleifen und gestalten.

„Heb´ ma fescht“ – die Urlauberin aus dem Schwäbischen drückt ihrem Ehegatten glücklich einen vermeintlichen Bernsteinfund in die Hand. Der allerdings erweist sich nach eingehender Prüfung durch Frederik, einem jungen Mitarbeiter der Föhrer „Schutzstation Wattenmeer“, lediglich als bräunlich-schmutzig aussehender Quarzsteinbrocken, gefunden am Flutsaum der Insel.

Ohnehin ist der baltische Bernstein als rund 50 Millionen Jahre altes Baumharz eher an den Küsten und Inseln der Ostsee zu finden, aber auch die Nordsee gibt hin und wieder etwas ihres „Meeresgoldes“ preis. Und das müsse man dann eben auch noch als solches identifizieren können können, erläutert der junge Fachmann.

Auf die Farbe ist da kein Verlass, die fossilen Harze changieren farblich von fast schwarz bis hin zu hell-gelb. Ein gutes Unterscheidungskriterium hingegen ist das spezifische Gewicht. Bernstein ist extrem leicht und schwimmt in hochprozentigem Salzwasser an der Oberfläche. Reibt man seinen Strandfund – die beste Sammelzeit an Nord-und Ostsee ist übrigens nach ausgedehnten Stürmen – auf wollener Oberfläche, zieht die statische Aufladung kleine Papierschnitzel an. Ein probates Mittel ist auch der Bisstest: Der „Sonnenstein“ vermittelt den menschlichen Zähnen ein „weiches“ Klopfgefühl, für unsere schwäbische Urlauberin mit ihrem Quarzbrocken wäre da wohl eine neue Krone fällig gewesen.

Aber immerhin darf sie sich jetzt einen echten Bernstein aussuchen, nach dem vorsichtigen Bohren eines Anhängerlochs geht es zur manuellen Bearbeitung ihres zukünftigen Halsschmucks. Der schaut zunächst noch etwas wüst aus, denn die Verwitterungskruste muss runter. Da empfiehlt sich Geduld und zunächst ein möglichst grobkörniges Nass-Schleifpapier. Nach dieser ersten Fleißsarbeit gilt es, mit zwei feinkörnigeren Größen den Glanz und Feinschliff zu vertiefen. Und schließlich, als „Finish“, wird mit einem weichen Läppchen und einem Tupfen Zahnpasta der ultimative Glanz aufpoliert.

Und siehe da: Aus dem unscheinbaren braun-gelben Brocken wird ein strahlender Sonnenstein. „Da würde ich mit meinem Quarzsteinbrocken wahrscheinlich noch Weihnachten hier sitzen“, beweist die Urlauberin, dass auch Schwaben hin und wieder Einsicht zeigen.

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erstellt am 29.Okt.2013 | 08:00 Uhr

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