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fesselnde Story : Fieser Mörder auf schöner Insel

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Letzter Teil einer Trilogie: Der neue Amrum- und auch Föhr-Krimi von Bent Ohle liefert spannenden Lesestoff.

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2016 | 12:00 Uhr

Regionalkrimis sind eine Klasse für sich. Wenns gut läuft, hat man Spaß daran, seinen Lieblings-Spazierweg wiederzuerkennen, den Hund des Vermieters oder die Freundlichkeit des Fährpersonals. Wenns schlimm kommt, treibt einen der Autor durch Seiten, die gefüllt sind mit Lieblingsläden, Lieblingsstränden, Lieblingsstraßen, Friesentorten, toten Tanten, Leuchttürmen und derart genauen Wegbeschreibungen, als wolle er den Leser als Tourguide anlernen.

Bent Ohle, der jetzt seinen dritten Amrum-Föhr-Krimi geschrieben hat, hat insofern alles richtig gemacht, weil er nicht zwanghaft mit der Regionalität um sich wirft. Liest sich alles sehr entspannt und spielt auch ein bisschen in Niebüll, Hamburg und New York. „Inselschatten“ heißt das Buch, und die beste Zusammenfassung liefert der leitende Kommissar im Text gleich selbst. Seite 186: „Wir haben es also höchstwahrscheinlich mit einem Täter zu tun, der sein Opfer zunächst anspricht und es dann schafft, es in den Wagen zu locken und zu entführen. Der weitere Verlauf der Tat erstreckt sich über mehrere Wochen (...) In dieser Zeit porträtiert er es und versieht das Bild mit Hinweisen. (...) Er verschickt das Bild an eine Galerie und eröffnet damit ein Suchspiel für die Polizei. Er gibt uns freiwillig Tipps, wann und wo er das Opfer töten wird, noch bevor er es tatsächlich tut.“ Die Idee, noch eine New Yorker Auswanderer-Geschichte von 1979 mit einzuflechten, kam Bent Ohle durch eine NDR-Reportage, die er total spannend fand.

Die Story ist durchweg fesselnd und hoch kriminell, was man auch an der Reihenfolge der Nachrichten merkt, mit denen die Tagesschau abends aufmacht: Amrum vor Washington! Dann setzt noch ein pensionierter FBI-ler über, der mal eben ein komplettes Täterprofil inklusive Lieblingsfarbe und Vorstrafenregister erstellt. Scheinbar aus dem Nichts, denkt man. Und stellt später fest, wie Recht er hatte. Guter Mann. Gott sei Dank überlebt er.

Den Polizisten Nils Petersen kennt man schon aus Ohles beiden vorherigen Amrum-Föhr-Krimis, von denen „Inselblut“ letztes Jahr verfilmt wurde. Dieses Mal hat auch dessen Frau Elke eine tragende Rolle. „Ich fand es an der Zeit“, sagt Ohle. „Nils verliert dadurch ja nicht.“ Ohle hat sie Kunstgeschichte studieren lassen, weshalb ihre Expertise bei den Bildern des Täters sehr gefragt ist. Die Beziehung zwischen Nils und Elke, die in den zwei Bänden davor kaputt war und gerade wieder schön wird, also so richtig schön, wünscht man sich stellenweise wieder etwas kaputter, was dieses Ihre-Hand-in-seiner-und-ich-halt-dich-fest-Tralala mildern würde.

Man merkt Bent Ohle an, dass er Drehbuchschreiber war, ehe er begann, Bücher zu verfassen. Der Mann kann Dialoge. Er schreibt, wie Menschen sprechen. Das liest sich wunderbar flüssig. „Ich habe mir angewöhnt, die Sätze beim Schreiben laut auszusprechen“, sagt Ohle. Manchmal kommen aus dem Lektorat Anmerkungen zurück, wie es grammatisch besser hätte sein müssen. „Nee“, sagt Ohle, “„ich sage dann oft, lasst es einfach so drin.“

Alltagstauglich ist das Buch. Sogar die halbe Stunde Abstand zwischen den Sitzungen beim Psychiater findet sich bei Ohle wieder. Wird hier auf den Inseln gern so gehandhabt. Damit man nicht auch noch beim Therapeuten in Wyk oder Niebüll seinen Nachbarn grüßen muss.

Ohle, der in Braunschweig lebt, macht oft mit seiner Familie auf Amrum Urlaub. Da sind auch Teile des Buches entstanden, im Standkorb vor der Pension. Der Hund des Vermieters durfte mit rein – ins Buch. Leuchtturm und tote Tante blieben draußen.

Vorangestellt sind den Kapiteln Passagen eines Liedes. „Troubled Man“ vom US-amerikanischen Folksänger John Mellencamp, von dem Ohles erste Langspielplatte war. „Ich habe irgendwann festgestellt, dass der Mann nicht nur gesungen, sondern auch schöne Bilder gemalt hat. Das passte sehr gut.“ Nun gibts drei Inselkrimis und vielleicht keinen weiteren mehr? „Eine Trilogie musste es werden“, sagt Ohle. „Vorher fühlte es sich nicht fertig an.“ Er sei auf der Insel mit den Spielorten noch nicht durch gewesen, sagt er und lacht. „Ich wollte unbedingt was mit dem Wriakhörn-See machen.“ Hat er nun. Der See ist drin im „Inselschatten“.

2015 hat Ohle einen humorigeren Ostseekrimi geschrieben und einen über Südtirol, weil er dort im Urlaub unglaubliche Sachen über den Freiheitskampf in den 1960-er Jahren gehört hatte. Sein nächstes Projekt ist ein Entführungsthriller. Der soll im Herbst fertig sein. Auf dem Krimifestival im November in Hamburg wird er lesen. Und vielleicht vorher auf Amrum, wenn das passt, mit den Kindern und den Ferien.







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