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Wyker Neujahrsschwimmen : Feuchtfröhlicher Rekord

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Zum Anbaden in der Nordsee kamen noch nie so viele Teilnehmer. Das Spektakel zog viele tausend Zuschauer an den Strand,

Die Bedingungen waren perfekt: Für die Jahreszeit sehr warme Temperaturen über dem Gefrierpunkt, strahlender Sonnenschein und kein Wind. Und was natürlich das Wichtigste war: Wassertemperaturen von sechs bis acht Grad über null, so warm wie selten am Neujahrstag. Es sprach also nichts dagegen, einen kurzen Sprung in die Fluten zu wagen und beim Neujahrsschwimmen teilzunehmen.

Und Moderator Thomas Müller ließ nichts unversucht, auch den verfrorensten Gast irgendwie dazu zu bewegen, die Badehose rauszuholen und in das Wasser zu springen. Fast jeden einzelnen Passanten sprach er an, ob er denn um 15 Uhr schon etwas vorhabe. Und für alle, die keine Badeklamotten dabei hatten, hatte Müller auch eine passende Lösung parat: „Erstmals haben wir Kostüme und Badesachen, die gestellt werden. Es gibt also keine Ausrede mehr.“

Und sein Werben schien Früchte zu tragen: Die Zahl der Anmeldungen stieg und stieg, die Schlange im Foyer des Aquaföhr wurde immer länger. „304 Teilnehmer waren beim letzten Mal dabei, ich hoffe dieses Jahr natürlich auf einen neuen Rekord, die Bedingungen sind ja optimal.“, meinte Brar Nissen von der DLRG vor dem Start der Veranstaltung. Dass der Rekord aber so deutlich gebrochen werden würde, hatte auch er sich nicht ausmalen können: 417 Schwimmerinnen und Schwimmen stürzten sich ab 15.15 Uhr in die kühlen Fluten, so viele wie nie zuvor.

„Mit so einem Ansturm haben wir nicht gerechnet und konnten wir auch nicht rechnen“, freute sich Mitorganisator Kurt Weil von der Wyker Tourismus GmbH (WTG). Und Jürgen Huß, der ebenfalls in der Liste der Organisatoren auftauchte, aber auch selbst in die Fluten gesprungen war, sprach von einer der größten Veranstaltungen dieser Art an der deutschen Nordseeküste: „Das hätte so nicht besser laufen können“, freute er sich über die große Zahl an Teilnehmern.

Auch die Stimmung unter den mehreren tausend Zuschauern, die sich auf der Promenade und am Strand vor dem Wellenbad versammelt hatten, war gut. Zumindest, als die Schwimmer sich endlich in das Wasser wagten. Denn davor schien noch der Silvester-Kater in den Knochen der meisten Besucher zu stecken.

Der Chef der Föhr Tourismus GmbH (FTG), Jochen Gemeinhardt, ließ sich davon nicht beirren und ging als erster baden. „Da muss man einfach mitmachen. Es ist eine gute Tradition und gehört zum neuen Jahr.“, meinte er, bevor er mit einem Surfbrett unter dem Arm über den Strand der „Friesischen Karibik“ gen Wasser schlenderte.

Ihm folgte dann eine bunte Mischung aus kostümierten Verrückten oder auch einfach nur Kälteerprobten, die das Bad in der Nordsee sichtlich genossen. Viele Schwimmer konnten von dem kühlen Nass einfach nicht genug bekommen und sprangen noch ein zweites oder drittes Mal in das salzige Wasser.

Unter den Kostümen herrschten auch in diesem Jahr Fußballtrikots der verschiedensten Vereine vor, es waren aber wie immer auch einige ausgefallene Kreationen wie ein rosa Elefant oder ein Gorilla unter den Meeresstürmern. Annemarie Möller zum Beispiel ging mit Zylinder und gestreiftem Oberteil ins Wasser. Es war bereits das 15. Mal, dass sie bei der Aktion dabei war und es schien eines der wärmsten Neujahrsschwimmen für sie gewesen zu sein: „Nur einmal war es noch wärmer“, berichtete sie nach dem Bad. Und für Dirk Petersen war es „gefühlt wie Sommer. Besser kann das neue Jahr kaum starten.“ Gemeinhardt konnte dies nicht ganz unterschreiben: „Es war schon kalt. Aber es hat trotzdem viel Spaß gemacht und ich freue mich schon auf das nächste Mal.“

Nach etwa einer halben Stunde schien dann alles vorbei, jeder, der wollte, hatte einmal den Lauf durch den von Menschenmassen gesäumten Weg bis hinunter an die Küste genossen und auch Thomas Müller verabschiedete sich schon. Brar Nissen, der über Funk die einzelnen Gruppen an Schwimmern losschickte, wollte es aber anders. Während unten am Strand die ersten Menschen schon unter den Absperrungen hindurchkletterten, gab er das Signal, alle Schwimmer doch noch einmal rauszuschicken. So wurde die Nordsee zum Abschluss des ersten Bades des Jahres 2016 noch einmal richtig voll, als fast alle Teilnehmer gleichzeitig sich ein letztes Mal in die Fluten stürzten.

Für Kurt Weil war es ein rundum gelungener Jahresauftakt: „Es hat alles gut geklappt, wir hatten keine größeren Probleme.“ Besonders freute er sich über das breit gefächerte Teilnehmerfeld: „Wir hatten ein ganze Schweizer Familie, die es kaum erwarten konnte, ins Wasser zu kommen. Und die Altersspanne – von elf Monaten bis ins Rentenalter war ja alles dabei – war natürlich schon enorm.“ Auch Brar Nissen, der mit seinen freiwilligen Helfern von der DLRG wieder für die Sicherheit bei der Veranstaltung sorgte, hatte nichts Außergewöhnliches zu melden: „Es war entspannt. Keiner ist ausgerutscht, keiner ist erfroren, das hätte nicht besser laufen können.“ Und so hatten auch die drei Taucher von der Tauchsportgruppe Odin, die im Wasser selbst für Sicherheit sorgten, nichts zu tun.

Das diesjährige Neujahrsschwimmen war bereits die 18. Aktion dieser Art, 1997 fing alles mit nur zwölf Teilnehmern an. Daraufhin wuchs Jahr für Jahr die Zahl der Badenden und aus dem feuchtfröhlichem Spaß wurde ein traditionelles Event, das immer viele Besucher anlockte. Einzig 2011 musste das Neujahrsschwimmen entfallen, als Eisgang das Baden unmöglich machte. Ein Problem, dass es in diesem Jahr nicht gab.

Die Einnahmen des Schwimmens kommen wie immer einem guten Zweck zugute. In diesem Jahr werden die Ein-Euro-Startgebühr und zahlreichen Einzelspenden für ein Projekt der Musikschule verwendet, bei dem Josef Antoš mit seinen Bigbands einen Austausch mit einem tschechischem Ensemble ins Leben rufen will. Für Kurt Weil gut angelegtes Geld: „Ich bin echt froh, dass wir die Jugendarbeit auf der Insel mit dem Geld unterstützen können und das heute so kräftig gespendet wurde.“

Wohin die Spenden des Neujahrsschwimmens 2017 hingehen werden, steht natürlich noch nicht fest. Nur dass es wieder eine solche Aktion geben soll, ist sicher. Den Teilnehmerrekord von diesem Jahr dann noch einmal zu toppen, wird selbst mit ähnlich perfekten Bedingungen sehr schwer, auch wenn Jürgen Huß eine Grenze noch lange nicht gekommen sieht: „Da ist noch viel Luft nach oben.“

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