Jazz goes Föhr 2018 : Festival wird seinem Namen gerecht

Hatten nicht nur künstlerisch den Hut auf: Die Brüder Wasserfuhr traten im Kurgartensaal auch selbst auf die Bühne.
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Hatten nicht nur künstlerisch den Hut auf: Die Brüder Wasserfuhr traten im Kurgartensaal auch selbst auf die Bühne.

Ertsmals auch Auftritte in Utersum und Nieblum: Hochkarätige Konzerte prägen die 21. Auflage. Veranstalter und künstlerische Leiter ziehen positive Bilanz.

shz.de von
30. Juli 2018, 17:30 Uhr

„Etwas nervös waren wir schon, haben wir doch noch nie so etwas getan“, das bekennen die Brüder Roman und Julian Wasserfuhr am letzten Tag der 21. Auflage von „Jazz goes Föhr“. Für die beiden war es das erste Festival, das unter ihrer künstlerischen Leitung auf der Insel stattfand, und es lief sogar „noch besser als erwartet“. „Wir waren schon viermal dabei und haben uns dabei so wohl gefühlt, dass wir nicht lange überlegen mussten, als wir gefragt wurden, ob wir diese Aufgabe übernehmen wollen“, berichtet Roman Wasserfuhr.

Dass diese Frage gestellt wurde, ist letztlich Kurt Weil, dem Geschäftsführer der Wyk Touristik GmbH (WTG), zu verdanken. Er übernahm im wahren Sinn des Wortes den Hut, nachdem Wolfgang Philipp als „Vater“ und künstlerischer Leiter des Festivals, dessen Frau Verena sowie Almut und Gert Höncher sich im vergangenen Jahr als Organisatoren verabschiedet hatten. „Uns war klar, dass wir in extrem große Fußstapfen treten mussten, als wir uns für die Fortsetzung von „Jazz goes Föhr“ entschieden, bekennt Weil, der neben den Waaserfuhr-Brüdern auch auf Andreas Miler als Organisator bauen konnte. Einerseits ist es das Anliegen der neuen Spitze, die bewährte Tradition des Festivals fortzusetzen, andererseits wollen sie auch ihre eigenen Marken setzen. Dazu gehört besonders der Ansatz, ein inselnationales Jazzfestival zu etablieren. „Bisher ging der Jazz überwiegend nach Wyk, nun soll er auch auf die ganze Insel gehen.“

Die ersten Ansätze waren die Open-Air-Konzerte des „Lukas Diller Quartetts“ in Utersum und des „Oli Poppe Trios“ in Nieblum. „Als sich in Utersum zunächst gerade einmal fünf Zuhörer vor der Musikmuschel einfanden, bekam ich schon etwas Muffensausen“, so Roman Wasserfuhr, der dann aber zufrieden feststellte, dass zuletzt fast 120 Jazzfreunde der großen Hitze getrotzt hatten. Ähnlich war auch die Resonanz in Nieblum, was Kurt Weil überzeugt, dass dieser Weg in die Inseldörfer weiter beschritten werden soll.

Nach ihrem Konzept befragt, erklären die Brüder Wasserfuhr, dass sie möglichst viele verschiedene Jazzrichtungen auf Föhr vorstellen und so auch die unterschiedlichsten Musikfreunde ansprechen wollen. „Es war etwas gruselig, als im Vorfeld des Festivals über 400 Bewerbungen potentieller Teilnehmer bei uns eingingen.“ Für die Brüder bedeutete das, sich mit über 400 Demo-Bändern zu beschäftigen, sie anzuhören und Entscheidungen zu treffen, die dann in Absprache mit Kurt Weil und Andreas Miler in endgültige Engagements mündeten. „Diese große Bewerbungszahl beweist uns, dass ‚Jazz goes Föhr‘ ein enormes Renomee genießt“, erklärt Kurt Weil, der am Ende der Woche zufrieden feststellen kann, dass viel junges Publikum in den Kurgartensaal gekommen ist.

Und das Publikum erlebte dann auch im Verlauf einer Woche die ganze Bandbreite des Jazz. Es begann mit dem Bassisten Markus Schieferdecker und seinem internationalen Trio, zu dem auch der Saxofonist Wayne Escoffery gehört. Weiter ging es mit dem Saxofonisten Paul Heller und der „Jasper van’t hof Group“ sowie der amerikanischen Singer-Songwriterin Melisss Mary Ahern mit dem „Bodek Janke Quartett“. Schließlich traten die künstlerischen Leiter Julian und Roman Wasserfuhr als „Organ Trio“ zusammen mit dem Gitarristen Martin Scales im Kurgartensaal auf und ebenfalls für einen Höhepunkt der Woche sorgte der deutsch-irische Gitarrist Torsten Goods mit seiner Band.

Auch außerhalb des Kurgartensaales konnte man in Wyk Jazz genießen. Dafür sorgte Sven van Koetsveld, der mit seinem Piano in der Wyker Innenstadt und auf dem Sandwall auf Tour war. Jeder Tag des Festivals endete im Aquamarin, wo auch Wolfgang Philipp als Mitglied der Session Basisband seine Verbundenheit mit dem Festiaval demonstrierte. „Eigentlich gilt Jazz ja auch als Musik der älteren Generation“, meint der Chef der WTG, der beobachtet hat, dass sich neben Musikfreunden, die an jedem Abend erschienen, auch jeweils ein ganz spezielles Publikum einfand. Dies habe sich auch beim Getränkekonsum gezeigt, berichtet er belustigt. „War an einem Abend nur Weißwein gefragt, ging am nächsten Abend überwiegend Bier über den Tresen.“ Übrigens war auch das Bier aus der Wasserfuhr-Produktion rasch konsumiert, was Roman Wasserfuhr zufrieden registrierte. Auf die Frage, welche Folgen diese Erkenntnis für das Jazzfestival 2019 haben könnte, erklärt er mit einem Augenzwinkern: „Wir werden noch mehr Bier mitbringen.“

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