zur Navigation springen

Düntjen in Alkersum : Feiner Humor und stilvoller Witz

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Kurzweiliger Frühschoppen: Föhrer und Amrumer Schüler präsentieren in der Ferring-Stiftung eine Auswahl selbst gesammelter Anekdoten.

shz.de von
erstellt am 29.Feb.2016 | 09:00 Uhr

Ihre Schlagfertigkeit und der nicht immer angebrachte, aber dennoch angemessene Umgang mit der politischen Obrigkeit lassen viele Insulaner in kleinen „düntjen“ (Anekdoten) unvergessen werden. In den Erzählungen der zumeist älteren Generation erstehen die Protagonisten der düntjen immer wieder auf und bringen auch Enkel und Urenkel noch zum Lachen. Unter der Leitung von Professor Volkert Faltings hat der Friesisch-Kurs (12. und 13. Jahrgang) des Gymnasiums der Eilun-Feer-Skuul 55 dieser originellen friesischen Geschichten gesammelt, mit einer Übersetzung zu Papier gebracht und eine kleine Auswahl davon gestern im Rahmen eines Frühschoppens in den Räumen der Alkersumer Ferring-Stiftung der Öffentlichkeit vorgestellt.

„Wir hatten noch nie so viele und noch nie so junge Vortragende“, erklärte Faltings und fügte nicht ohne Stolz hinzu, „am Buch ist alles selbstgemacht“. So zeichne Katja Hölzer für die Umschlagsillustration verantwortlich und auch die Vermarktungsstrategie liege in den Händen der Schüler, so Faltings weiter.

Föhrer wie Amrumer Schüler „servierten“ eine kleine köstliche Auslese der düntjen, die zum Teil von ihren Groß- oder Urgroßeltern erzählten. Zu den Anekdoten gehörten auch historische Fotos, die die Schüler entweder selbst geliefert hatten oder die durch das hauseigene Fotoarchiv (Karin Lambertsen und Dr. Kai Faltings) beigesteuert wurden. Diese ließen nicht nur die kurzen Vorträge lebendiger werden, sondern werden auch im Buch wiederzufinden sein.

Den habe man noch gekannt, erinnerten sich einige Zuhörer, als sie das Foto des Wykers Karl „Fisch“ sahen, der wegen seines unflätigen Werbeslogans „Frischer grüner Hering – genauso fett wie Göring“ während der Zeit des Zweiten Weltkrieges für einen Tag weggesperrt wurde. Kaum wieder in Freiheit, wechselte er seinen Slogan auf „Frischer grüner Hering – genauso fett wie vorgestern“.

Der Amrumer Victor Quedens hatte es nur gut gemeint, als er eine recht übergewichtige Frau ein Stück durchs Watt trug. Weil ihre Füße aufgrund des Übergewichts dennoch Kontakt mit dem Schlick hatten, sprach Quedens von „fet sau“ (Füße waschen). Ein Tourist allerdings, der ebendiese Worte mit deutschen Ohren hörte, war sehr empört über das lästernde Maul des Amrumer Wattführers gegenüber vollschlanken Damen.

Der feine Humor, der stilvolle Witz und die nicht zu unterschätzende Lektion ließen den Frühschoppen sehr kurzweilig werden. „Es ist schon ungewöhnlich, wenn man junge Leute so an die eigene Kultur heranführen kann“, sagte Faltings mit einem Hinweis auf die gute Kooperation zwischen Ferring-Stiftung und Gymnasium. Er versprach, dass mit dem Erscheinen von „En Hunfol Düntjen“ in der Husumer Druck- und Verlagsgesellschaft noch vor dem Frühsommer zu rechnen sei.

„Für mich ist es ein bewegendes Ereignis“, gestand Jakob Tholund, Zuhörer und ehemaliger Direktor des Gymnasiums, nach den Vorträgen, „denn Föhr ist die letzte friesische Hochburg friesischer Sprache und Kultur in Nordfriesland.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert