Föhr : Faulenzen – nichts für Inselschüler

Arbeitet im Hofcafé: Marie Ketelsen.
Arbeitet im Hofcafé: Marie Ketelsen.

Verreisen geht nicht, weil die Eltern arbeiten. Also jobben viele Föhrer Jugendliche in den Sommerferien.

shz.de von
09. August 2018, 14:00 Uhr

Föhr | In den Ferien faulenzen, die Füße hochlegen und sich über die schulfreie Zeit freuen? Für viele Föhrer Schüler scheint das nichts zu sein. Wenn man derzeit über den Sandwall schlendert oder sich in einem der Inseldörfer ein Stück Friesentorte gönnt, begegnet man mit großer Wahrscheinlichkeit einem oder mehreren Insel-Kids, die dort arbeiten.

Auf Hinrichsens Familien-Farm in Dunsum kann es zum Beispiel gut sein, dass Marie Ketelsen mit Schürze und Tablett die Bestellung aufnimmt. Sie kommt nach den Ferien in die elfte Klasse und arbeitet bereits den zweiten Sommer auf der Farm: „Ich mache das, um in den freien Wochen ein bisschen Geld zu verdienen“, sagt sie. „Am Strand liegen ist zwar auch nett, aber man muss auch mal was anderes machen. Außerdem ist es gerade ja auch abends warm genug für den Strand.“

Ketelsen bereitet im Café des Erlebnisbauernhofes die Bestellungen vor, bedient die Gäste oder macht den Abwasch. „Es gibt viel Abwechslung hier und die Leute sind alle nett. Mir macht es Spaß, hier zu arbeiten“, sagt Marie Ketelsen. Aus ihrer Klasse ist sie nicht die einzige, die einen Ferienjob hat: „Ich schätze, dass so ziemlich alle arbeiten, die meisten in der Gastronomie.“ Viele sparten auf einen Führerschein oder auf Reisen.

Mit Eiskugeln zum Urlaubsgeld: Sophie Lorenzen.
Christian von Stülpnagel
Mit Eiskugeln zum Urlaubsgeld: Sophie Lorenzen.

Job mit Meerblick

So wie Sophie Lorenzen. Sie möchte in den Herbstferien Urlaub machen und arbeitet deswegen bei „Eis Kally“ am Sandwall. „Im letzten Jahr habe ich einen Aushang in der Scheibe gesehen, dass sie Mitarbeiter suchen. Und da habe ich mich beworben.“ Mittlerweile arbeitet Lorenzen auch an Wochenenden in der Schulzeit. Das Geld ist für sie aber nur ein angenehmer Nebeneffekt: „Es ist schön zu wissen, dass man in den Ferien was vorhat. Dann fällt es leichter, nicht nur den ganzen Tag rumzuhängen.“ Und immerhin hat sie beim Verkauf Meerblick. „Manchmal, wenn es richtig warm ist und viele Gäste kommen, ist es schon anstrengend“, gibt Lorenzen zu. „Aber wir verstehen uns hier im Betrieb alle sehr gut und es fühlt sich eigentlich nicht richtig nach Arbeit an.“ Außerdem, so fügt sie noch hinzu, bevor sie die nächste Kugel Heidelbeereis ins Hörnchen bugsiert, habe man am Ende des Sommers etwas, worauf man stolz sein kann.

Nicht mit Eis sondern mit Fisch hantiert Fatlind Selmonaj in den Sommerferien. Nach diesen kommt er in die elfte Klasse, in den fünf freien Wochen verkauft er bei Scheel am Sandwall Heringe, Krabben und Matjes. „Ich mache das, um einen Alltag zu haben, sonst würde ich nur die Beine hoch legen. Und natürlich auch, um Geld zu verdienen.“

Tagsüber Fischbrötchen, abends Strand: Fatlind Selmonaj.
Christian von Stülpnagel
Tagsüber Fischbrötchen, abends Strand: Fatlind Selmonaj.

Für ihn ist es der dritte Sommer, den er arbeitet, zu Scheel ist er wegen zwei Freunden gekommen, die ebenfalls dort jobben. „Es ist einfach eine nette Atmosphäre hier, die Arbeitszeiten sind gut und die Bezahlung stimmt auch.“ Dass er nicht jeden Tag zum Baden kann, tut ihm zwar leid. „Aber wie sagt man so schön: Geld stinkt nicht. Ich gehe halt abends oder an freien Tagen in Wasser.“

Für Selmonajs Chef Hauke Scheel sind die Ferien-Jobber ein Glücksgriff: „Das sind junge Leute mit viel Lust, die gerne Kundenkontakt haben. Das hilft uns ungemein.“ Vor allem in Zeiten, in denen Arbeitskräfte rar seien: „Wir bekommen für den Sommer einfach keine Festangestellten mehr. Da sind die Schüler für uns wichtig, um das Tagesgeschäft zu meistern. Ohne sie würde es eng werden.“ Fünf Jahre schon holt er sich junge Leute für die Ferien. Und wenn sich Hauke Scheel seine Kollegen anguckt, haben auch die die Chance mit den Schülern erkannt: „Ich schätze, 80 Prozent der Dienstleistungsbetriebe setzten hier auf Föhr auf Schüler. Das ist ja auch positiv für beide Seiten, denn für die jungen Leute ist die Arbeit auch ein Reifeprozess.“ Außerdem glaubt Scheel, dass die Schüler auch mit Spaß bei der Sache seien.

Spaß, der in der Schule wahrscheinlich oft zu kurz kommt. Die beginnt auf den Inseln bereits am kommenden Montag wieder. Die Sommerferien dauern hier nämlich nur fünf Wochen, weil die meisten Eltern in der Saison arbeiten müssen und mit ihren Kindern nicht verreisen können. Zum Ausgleich gibt es drei Wochen Herbstferien. Spätestens dann haben auch die Föhrer Sommerjobber Zeit fürs Faulenzen.

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