Schleswig-Holstein Musik Festival 2018 : Faszination eines Teufelsgeigers

Bescherten einen gelungenen Insel-Festival-Auftakt: Heiko Ossig, Rodrigo Reichel und Steffen Groth (v.l.).
Bescherten einen gelungenen Insel-Festival-Auftakt: Heiko Ossig, Rodrigo Reichel und Steffen Groth (v.l.).

Auftakt der Föhrer Konzertreihe: Schumann und Paganini stehen im Museum Kunst der Westküste im Mittelpunkt.

shz.de von
07. Juli 2018, 08:30 Uhr

Ein Wechselspiel aus Konzert und Lesung eröffnete im Alkersumer Museum Kunst der Westküste die diesjährige Konzertreihe des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) auf Föhr. Schumann und Paganini standen im Mittelpunkt des Abends, denen sich auf der kleinen Bühne vor dem Gemälde „Kinderfest“ von Otto Heinrich Engel Heiko Ossig (Gitarre) und Rodrigo Reichel (Violine) sowie der Schauspieler Steffen Groth widmeten.

Groth begann mit einem Text Franz Grillparzers, in dem dieser die erste Begegnung des Dichters mit dem herausragenden Geiger Paganini bei einem Konzert in Wien 1828 beschrieb. Seinerzeit war Grillparzer hin- und hergerissen von der Wirkung dieses Teufelsgeigers – auf sich und das Publikum. Auch Reichel und Ossig stellten sich vor, beschwingt und sanft mit der Sonate Nr.1 A-Dur von Niccolò Paganini. Beide konzertierten schon mehrfach zusammen und waren bereits wiederholt Gast beim SHMF.

In einem Brief, eingangs von Groth einfühlsam vorgetragen, bat Schumann seine Mutter 1830 um Entschuldigung für seine Ungeduld und Zerrissenheit, und die Mutter möge von dem Klavierlehrer Wieck in Leipzig einen Rat einholen. Er, Robert, führe gerade einen Kampf mit sich, ob er nicht lieber Klavier spielen lernen oder sein Jurastudium fortsetzen solle. Infiziert hatte Schumann ein Konzert Paganinis in Frankfurt, das für die wichtigste Entscheidung seines Lebens ausschlaggebend war. Nicht nur ihn faszinierte dieses Geigenspiel mit dem Zauberstab, auch andere Konzertbesucher kreischten damals und fielen in Ohnmacht, gaben donnernden Applaus, waren begeistert und berührt.

Wer war Paganini als Mensch, im Umgang mit den Frauen, als geizige Person, als Teufel auf Tournee? Wie lebte er, der 100 Kompositionen schrieb? Was war das Geheimnis seines magischen Spiels? Die äußere Erscheinung – ausgemergeltes Gesicht, totenbleich, zahnlos, rabenschwarze auf die Schultern fallende wirrende Haare – konnte es nicht gewesen sein.

Es war sein Spiel, er war ein Virtuose sondergleichen. Ein Virtuose führt auf seinem Instrument Kunststücke auf. Die Finger rasen mit unglaublicher Geschwindigkeit übers Griffbrett, der Bogen hüpft wie wild geworden über die Saiten. Und die erfahrenen Musiker Reichel und Ossig ließen ihre Finger und den Bogen ebenso über die Saiten ihrer Instrumente hüpfen. Ein Hörgenuss. „Die beiden verstehen sich. Sie verständigen sich über Blickkontakt und spielen mit Leib und Seele, mit vollem Körpereinsatz“, schwärmte eine Zuhörerin tief beeindruckt.

Und auch Steffen Groth begeisterte. Mit Texten von Heinrich Heine, Baudelaire, Kafka und Tucholsky stellte er den Ausnahme-Geiger vor, wie die Menschen ihn damals erlebten und sahen. Texte, die der Mime so herrlich leicht vorlas, dass die Zuhörer konzentriert die Details in der Bildersprache verfolgten, die Pointen verstanden und lachend applaudierten. Das Publikum dankte mit Bravorufen und tosendem Applaus. Mit jedem Stück verstand man die Faszination der Musik Paganinis besser und war genauso entzückt und begeistert wie die Menschen früher und wie auch Robert Schumann es damals war.

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