Amrum : Familienbetrieb am Nebeler Strand

DLRG-Einsatzleiter Klaus Holger Hecken (re.) überreichte den Rettungsschwimmern Urkunden, Blumen und eine Mettwurst.
DLRG-Einsatzleiter Klaus Holger Hecken (re.) überreichte den Rettungsschwimmern Urkunden, Blumen und eine Mettwurst.

Michaela und Thorsten David machen seit 25 Jahren DLRG-Dienst auf der Insel. Inzwischen sind auch ihre Kinder Rettungsschwimmer.

shz.de von
07. August 2018, 15:30 Uhr

120 Freiwillige der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) machen Amrum dieses Jahr wieder zu einem sicheren Badeplatz. Und zwei sind dabei, die tun das schon seit 25 Jahren. „Einmal Amrum, immer Amrum“, freut sich Michaela David. Vor 26 Jahren sei sie gemeinsam mit ihrem Mann Thorsten auf einer Jugendfreizeit an der Ostsee gewesen, erzählt die passionierte Rettungsschwimmerin, und habe sich erkundigt, wo denn ein schöner Ort zum Wachdienstmachen sei. „Na, und da wurde mir Amrum vorgeschlagen. Wir kamen im September an und haben erstmal Gummistiefel kaufen müssen, so nass war das hier“, erinnert sie sich. Die beiden, 46 und 49 Jahre alt, sind seitdem immer am Nebeler Strand.

Und damit dort alles sicher bleibt, sind sie ordentlich vorbeugend tätig: Mit riesengroßen Schwimmtieren und ohne Begleitung lassen sie schon mal gar keinen ins Wasser. „Man kann damit einfach zu leicht abtreiben. Wenn Wind und Strömung das Teil erfassen, hat man ruck, zuck keinen Bodenkontakt mehr“, sagt Thorsten. Bei Schwimmflügeln macht er eine Ausnahme, „aber auch die schützen nicht vor Ertrinken“, erklärt er den Eltern. Er ist dieses Jahr schon zum zweiten Mal in Nebel; sein ganzer Jahresurlaub von fünf Wochen steckt im DLRG-Leben auf Amrum. Bei Tagespauschalen von 24,50 Euro für Wachführer und 22 Euro für Rettungsschwimmer macht den Job niemand des Geldes wegen. Das Engagement kommt von Herzen. Bei Davids ist auch der Nachwuchs am Start. Der Sohn war schon mit Strandbewachen, die Tochter auch, und die lernt jetzt sogar Schwimmmeisterin, zuhause in Drolshagen in Nordrhein-Westfalen. „Man kann schon sagen, dass unsere Kinder hier auf dem Strand groß geworden sind“, sagt Michaela David.

Zum Jubiläum kam Besuch über den Sand: Susanne Daufenbach, zuständig für alle Amrum-DLRGler und Tourismuschef Frank Timpe hatten Einsatzleiter Klaus Holger Hecken dabei, der für die DLRG die Fahne hochhielt – und das sogar in Echt! Das mobile Stück mit dem extra starken Sandanker soll die bisherigen Holzpflockmarkierungen ersetzen, die genau jenen Bereich anzeigen, wo das Baden am Sichersten ist. „Wir rechnen für den Ernstfall mit einem Zeitfenster von neunzig Sekunden“, erklärt Hecken, der in der DLRG-Bundesgeschäftsstelle für Schleswig-Holsteins Küsten verantwortlich ist. Die flexiblen Fahnen machen es zukünftig einfacher, auf Gefährdungen sonstiger Art schnell zu reagieren. „Wir können einfach umstecken, wenn wir zum Beispiel starke Strömungen feststellen“, sagt Hecken. Und die nächste gute Nachricht: Das Warten (und Hoffen) auf ein Strandeinsatz-Fahrzeug soll noch diesen Sommer ein Ende haben. Amrums Tourismuschef bemüht sich schon länger um ein solches. „Wir werden ein E-Mobil mit Hänger und Rettungsboot anschaffen“, sagte Timpe. Damit weitet sich der Radius der DLRGler weiter aus. Im Falle eines Unfalls sind sie mobiler und können schneller reagieren. „Das ist eine sehr gute Nachricht“, fand Ehepaar David. Die beiden freuten sich auch über die – an dieser Jubilarienstelle gern überreichte – Holsteiner Mettwurst, begleitet von wertschätzenden Worten. „Euren Idealismus können wir gar nicht hoch genug bewerten“, sagte Tourismuschef Timpe.

Wenn man 25 Jahre mit seinem (Ehren)-Amt verbandelt ist, schleichen sich Gewohnheiten ein. Die beiden lachen. „Wir singen hier tatsächlich das Schleswig-Holstein-Lied, wenn wir die Fahne einholen. Und am Schweizer Nationalfeiertag, am 1. August, schreiben wir den Rütli-Schwur auf die Tafel. Einer unser Stamm-Urlauber schickt immer Schweizer Schokolade. Wir verteilen sie dann an die Kinder.“ Apropos Kinder: Die Elternsuch-Armbänder sind nach wie vor der Renner am Strand. „Über 200 sind schon im Einsatz in nur zwei Wochen“, sagt Thorsten David. Auf den kleinen Armbändchen aus Kunststoff, die die Kinder um bekommen, ist eine Nummer geprägt, zu der bei den DLRGlern die Handynummer der Eltern hinterlegt ist.

Wenn das Ehepaar David mit Strandgästen ins Gespräch kommt, fällt ihnen immer auf: „Die sind schon viel mehr rumgekommen, als wir“, sagt Thorsten David und schaut seine Frau an. „Stimmt, wir haben es in 25 Dienstjahren noch nicht einmal um die Odde geschafft, dafür fehlt uns im Job einfach die Zeit“, gibt Michaela zu. „Vielleicht sollten wir irgendwann mal Urlaub auf Amrum machen.“

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