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Nähkurs : Falten auf der Stirn und im Stoff

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Besonderer Lehrgang: Amrumerinnen übten sich unter Anleitung einer Schneidermeisterin im komplizierten Herstellen neuer Trachtenschürzen.

„Hätte mir jemand vor einem Jahr gesagt, ich würde mal meine eigene Trachten-Schürze nähen, dem hätte ich nicht geglaubt“, meint eine Teilnehmerin am diesjährigem Nähseminar von Tina Staupe. Die pensionierte Schneidermeisterin und nordfriesische Trachtenbeauftragte kam wieder für eine Woche nach Amrum, um mit zehn Insulanerinnen Schürzen für ihre Friesentracht zu nähen. Unterstützt und gefördert wurde dieses Projekt vom nordfriesischen Verein, der maßgeblich dazu beiträgt friesische Kultur, Tradition und Sprache zu pflegen.

Weit in die Geschichte des schmuckvollen Kleidungsstücks, welches einst die Seefahrer aus Portugal mitbrachten, ist Tina Staupe zurückgegangen. Heute werden auf Amrum meist die weißen Schürzen getragen, wobei es auch farbige Schürzen gab, die heute zum Teil wieder eine Renaissance erleben. Was ist eine Biese und was macht man beim Kräuseln? Wie lang soll die Schürze sein und wieviele Biesen werden gelegt? „So kompliziert wie das klingt, ist es auch“, berichtet eine Näherin und hat Sorgenfalten auf der Stirn statt im Stoff.

Doch nur ein paar Minuten später lichtet sich der wilde Berg aus Fäden, Hilfsfäden, Stoff und vielen Abstecknadeln, denn Tina Staupe hat für jeden einen Rat und schon löst sich das Problem. In ihrem Kurs geizt die Fachfrau auch nicht mit Insidertips, Kniffen und Tricks aus ihrem reichen Erfahrungsschatz. So verrät sie zum Beispiel, dass man mit Krause-Minz-Wasser Bruchfalten bei aufgetrennten Biesen unsichtbar machen kann.

Von morgens bis abends wurde im Haus des Gastes besprochen, geplant, vorgearbeitet, gesteckt, wurden Fäden gezogen, und schließlich hörte man die Nähmaschinen rattern. Umfangreich und verständlich hatte Tina Staupe ihr Wissen über eine Woche vermittelt und jede Frage beantwortet, Verzweiflung mit einem Stich weggezaubert und am Ende konnten alle Teilnehmerinnen ihre selbst genähte Trachten-Schürze präsentieren.

Die meisten der Frauen sind Mitglieder der Trachtengruppe und haben schon in den letzten Jahren bei Tina Staupe Teile ihrer Tracht genäht, die Sliawen (Ärmel) und den Pei (Unterkleid). Andere Insulanerinnen freuten sich, mit dabei zu sein und ihre Tracht zu vervollständigen, zu erweitern oder in die Jahre gekommene Teile zu erneuern.

Bei besonderen Anlässen wird die Friesentracht heute noch getragen, so bei Konfirmation oder Hochzeit. Die Amrumer Trachtengruppe hat in der Saison viele Auftritte auf den beliebten Heimatabenden, wo die Tracht in Aktion zu sehen ist. „Ich freue mich immer sehr auf die Inseln zu fahren. Letzte Woche war ich auf Föhr, dort wurden viele bunte Schürzen genäht, hier auf Amrum ist nach wie vor die weiße Schürze beliebt, doch auch eine bunte war dabei“, berichtet Staupe und lobt die fleißigen Näherinnen, die mit guter Laune und viel Engagement zum gelingen der Woche beigetragen haben.

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