Wyker Innenstadt : „Es muss etwas passieren“

Die Große Straße soll der erste Bauabschnitt sein.
Die Große Straße soll der erste Bauabschnitt sein.

Neugestaltung der Fußgängerzone: Politiker verlieren Geduld. Projektplan gefordert. Zweifel an Funktionalität der mittigen Rinne.

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11. Juli 2018, 12:30 Uhr

Viel Neues hatte Dr. Jörn Wagner nicht im Gepäck, als er im Bau- und Planungsausschuss der Stadt die überarbeiteten Pläne für die Umgestaltung der Wyker Fußgängerzone präsentierte. Es glich eher einem Déjà-vu, als der Kieler Landschaftsarchitekt einmal mehr über Pflasterung, Baumeinfassungen, Fahrradständer und Rundbänke referierte. Einziges Novum: Vorschläge, die in einer Einwohnerversammlung geäußert worden waren, wurden in die Planung eingearbeitet.

Vor dem Hintergrund, dass sich das Verfahren bereits einige Jahre hinzieht, verlieren Wyks Politiker zunehmend die Geduld, das war einmal mehr spürbar. So bescheinigte Wyks Bürgermeister Ulrich Hess (CDU) dem Projekt, „schon eine gewisse Leidensphase hinter sich zu haben“, und auch Detlef Ermisch (KG) machte seinem Unmut Luft. „Es muss etwas passieren. Wir reden zum x-ten Mal über dieses Thema“, forderte er einen Projektplan, der Fristen und einen Baubeginn nennen und in der Öffentlichkeit auch kommuniziert werden sollte. Dabei müsse die Große Straße als erste Etappe angepeilt und nach Möglichkeit auch realisiert werden. Ein Schritt, den auch die Ausschussvorsitzende Dr. Silke Ofterdinger-Daegel (KG) als primäres Ziel nannte, nachdem das Maximum an gestalterischen Möglichkeiten erarbeitet worden sei.

Trotz aller Ungeduld: Silke Ofterdinger-Daegel registrierte auch eine gewisse Aufbruchstimmung: „Wir sind einen Schritt weiter, weil wir jetzt nicht mehr über die kleinteiligen Dinge reden, sondern loslegen wollen.“ Voraussetzung dafür sei der nun vorliegende Entwurfs- und detaillierte Kostenplan. Nächster Schritt müsse sein, einen Fördergeber zu suchen. Höchste Zeit, angesichts der derzeit geschätzten Netto-Kosten in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro. Denn nicht nur die Höhe einer möglichen Förderung steht in den Sternen, noch ist auch nicht sicher, ob es derzeit überhaupt ein entsprechendes Programm gibt.

Dass eine Diskussion zum jetzigen Zeitpunkt darüber, wo am Ende jeder einzelne Fahrradständer stehen soll, müßig ist, war Konsens. Ebenso die Tatsache, dass Änderungen wohl schon aus Kostengründen anstehen werden. So sollen die endgültigen Feinheiten denn auch in die Ausführungsplanung einfließen. Ohnehin besteht noch Diskussionsbedarf, gerade auch mit den neuen Mitgliedern des Bauausschusses. Längst ist nicht klar, ob man teilweise bei der bestehenden Ausstattung, wie etwa im Fall der Kandelaber, bleibt, oder auf eine moderne Variante umschwenkt. Auch Hess sieht hier Beratungsbedarf. „Am Ende des Tages reden wir auch über Geld“, schlug das Stadtoberhaupt einen Zwei-Stufen-Plan vor, der eine Alternative mit „funktional gedachten Varianten“ zur jetzigen Planung vorsehen sollte.

Ein ganz anderes Problem treibt Thomas Pielke um. Der Mitarbeiter des Bauamtes misstraut der geplanten mittigen Kastenrinne. Erst im vergangenen Jahr war die zu eng bemessene Regenwasserleitung von der Ecke Hafen-/Königsstraße bis ins Hafenbecken erneuert worden. Auch in einem Teilstück der Großen Straße waren die Leitungen saniert worden, dies soll mit dem Ausbau der Fußgängerzone weitergeführt werden. „Wir hatten ja im letzten Jahr im August und September sehr viel Starkregen. Und wir haben festgestellt, es funktioniert – wir konnten nachts wieder ruhig schlafen“, sagt Pielke. Vier Straßenabläufe seien eingebaut worden, in zwei Rinnen links und rechts, die viele Quadratmeter Wasser aufnehmen könnten. „Ich bezweifle, dass die Kastenrinne das Wasser bei Starkregen ebenso aufnimmt“, verweist Pielke auf Laubfall im Herbst, Sandeintrag bei Sturm oder weggeworfene Kippen. Im Gegensatz zu den jetzigen Straßenabläufen sei der Aufwand enorm. Denn die Kastenrinnen, mit denen die gesamte Innenstadt ausgerüstet werden soll und die regelmäßig gereinigt werden müssen, sind verschraubt. Allein die Große Straße misst 350 Meter, was selbst bei den heute verwendeten Schnellverschlüssen einen enormen Aufwand bedeute. „Anders als bei den normalen Pflasterrinnen muss der Dreck regelmäßig mit einem Spülwagen entfernt werden, das ist ein enormer, auch finanzieller Aufwand.“

Erneuert werden muss laut Pielke zudem der Straßenunterbau, nicht nur in der Großen Straße, sondern im gesamten Projektbereich, „da dieser den heutigen Anforderungen nicht mehr entspricht“. Hier konnte Jörn Wagner beruhigen, der betonte, dass die Kosten dafür in seinem Kostenplan bereits enthalten seien.

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