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Auf Amrum : Es knallt bei der Geburtstagsfeier

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Ein besonderer Tag: Sozialverband Amrum feierte seinen 70. mit vielen Gästen und krachenden Darbietungen.

Ein bisschen schade wars, dass viele Plätze an der Kaffeetafel im Hotel „Hüttmann“ leer blieben, als der Sozialverband Amrum seinen 70. Geburtstag feierte. Dabei hatten der Vorsitzende Joachim Stock und sein Stellvertreter Peter Ottner genug aufgeboten. Hannelore Zimmermann vom Vorstand der Föhrer Gruppe war da, Urgestein Traute Diekmann und vom Festland Hans-Christian Albertsen vom Landesvorstand. Dazu gab es den Insel-Boten vom 1. Mai 1947, dem Gründungstag, ein Konzert von den Winzlingen des Kindergartens sowie eins von den Ausgewachsenen des Amrumer Shanty-Chors. „Hoffentlich kommen zum Familientag am 23. September mehr Leute, es wäre ja sonst sehr schade“, sagte Stock mit Hinblick auf den Ausflug zum Hansapark Sierksdorf. Schließlich gilt es da, den 100. Geburtstag dieser großen Organisation zu feiern, die 30 Jahre später einen Ableger auf der kleinen Insel bekam.

Der bundesdeutsche Sozialverband, 1917 von einer Handvoll Männer als Bund der Kriegsbeschädigten gegründet, hatte immer den Kampf für die sozialen Rechte seiner Mitglieder im Kopf. Er wurde ruck, zuck zu einer Riesenbewegung – eine halbe Million Mitglieder zwei Jahre später – und war immer selbstbewusst und unabhängig. Weshalb sich der Verein, der da längst Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer hieß, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 auflöste und der Vorstand sich selbst entließ, weil man nicht die geringste Lust hatte, sich gleichschalten zu lassen.

1946 ging es – immer noch als Reichsbund – weiter, erst 1999 wurde umbenannt in Sozialverband Deutschland (SoVD). Da hatte man sich schon lange einen Namen gemacht im Kampf um soziale Brennpunkte; Erfolge bei der sogenannten Härtenovelle der Rentenversicherung erzielt (1965), beim Schwerbehindertengesetz (1974), der stufenweisen Anerkennung von Erziehungszeiten (1987) und bei der Pflegeversicherung (1994). Heute stützen 575  000 Menschen die Bemühungen um Gerechtigkeit in Krankenversicherungs- und Rentendingen. 140  000 Mitglieder hat der SoVD in Schleswig-Holstein, 113 auf Amrum, 260 auf Föhr. „Wir wollen keine Spaltung der Gesellschaft. Uns geht es immer um die soziale Gerechtigkeit. Für diese Werte stehen wir“, sagte Landesvorstandsmitglied Albertsen bei der Geburtstagsfeier.

Die Gänseblümchengruppe des Amrumer Kindergartens gab jahreszeitenunabhängige Oster- und Frühlingslieder zum Besten. Auf so zuckersüße Weise, dass Stock und Ottner mit vorher sorgfältig versteckt gehaltenen Süßigkeiten-Tütchen anrauschten. Das Highlight zum Schluss war der Shanty-Chor, der sich über die Tütchen auch riesig freute – nein, der nach zig Liedern ein Glas Perlwein zum feierlichen Anlass erhob, nachdem man beim La-Paloma-Shanty original-ohrenbetäubend eine Pistole hatte knallen lassen, weil damals, 1867, der aus Österreich stammende Herzog Ferdinand – Kaiser von Mexiko – sich zu seiner standesrechtlichen Erschießung dorten, genau dieses Lied gewünscht hatte. Solch requisitenreiche Darbietung wurde mit großem Applaus belohnt.

Joachim Stock, der alle Geschenke und Glückwünsche auch immer seinen „sehr rührigen Vorgängern und den Mitgliedern“ widmete, macht sich sehr wohl Gedanken um die Zustände auf der Nachbarinsel Föhr, wo der Verband einen neuen Vorstand braucht. Diese Woche reist er rüber und beratschlagt sich mit Hannelore Zimmermann, der es sehr Leid tut, dass sie kein Führungsgremium zusammenbekommt. „Es wäre nicht gut, wenn mangels Vorstand der Föhrer Ortsverband von Husum aus geführt werden müsste“, sagte Stock. „Wir wollen schauen, ob sich irgendwie eine Möglichkeit zur provisorischen Mitverwaltung findet.“

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erstellt am 17.Mai.2017 | 07:30 Uhr

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