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Sturm „Xaver“ auf den Inseln : Es hätte schlimmer kommen können

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

„Im Endeffekt sind wir mit einem blauen Auge davongekommen“, freute sich Amtswehrführer Joachim Christiansen. Nachdem die für die Sicherheit Verantwortlichen am Mittwoch noch das Schlimmste befürchtetet hatten, folgte das große Aufatmen.

shz.de von
erstellt am 06.Dez.2013 | 20:27 Uhr

„Im Endeffekt sind wir mit einem blauen Auge davongekommen“, freute sich Amtswehrführer Joachim Christiansen. Nachdem die für die Sicherheit der Insulaner Verantwortlichen gestern noch das Schlimmste befürchtetet hatten, folgte heute das große Aufatmen.

Auch wenn sich die von Orkantief „Xaver“ verursachten Schäden in Grenzen hielten, sprach Utersums Bürgermeister Joachim Lorenzen von einem Schreckensszenario, für das der Sturm in der Nacht zum Freitag mit einem Wasserstand von rund 2,50 Metern über Normal gesorgt hatte. Wo oberhalb des Surf- und Hundestrandes kürzlich noch eine Vordüne die Sicht versperrte, sorgt nun eine klaffende Lücke für besten Meeresblick. Das ganze Ausmaß der Sturmnachwirkung wird am Strand deutlich, wo der Sand bis zum alten Kliffsockel abgetragen ist. „Das weckt bei mir Kindheitserinnerungen“, konstatiert Lorenzen, der ein solches Bild zuletzt 1976 gesehen hat. Rund zehn Meter gingen verloren, schätzt der Bürgermeister, zudem liege der Hauptstrand zwischen Haus des Gastes und Rehaklinik einen knappen Meter tiefer.

Seit Jahren ist die Sandvorspülung vor Utersum ein Thema. Vor einem guten Jahr hatte Dietmar Wienholdt, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft, Meeres- und Küstenschutz im Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, anlässlich der Sandvorspülung vor Nieblum und Goting den Handlungsbedarf vor Utersum bestätigt und eine Sandvorspülung für das Jahr 2014 in Aussicht gestellt. Eine Aussage, an die nun in Absprache mit dem Amt Föhr-Amrum eindringlich erinnert werden soll, sind sich Amtsdirektorin Renate Gehrmann und Joachim Lorenzen einig. Abteilungsleiter Wienholdt wird also in den nächsten Wochen Post bekommen, denn, so Lorenzen, „wir haben erst Dezember und bis zur nächsten Deichschau im Frühjahr kann noch viel passieren“.

Während es Utersum also in der Nacht zu heute böse erwischt hat, ist am eigentlichen Sorgenkind der Föhrer Katastrophenschützer, dem noch nicht ausreichend bewachsenen neuen Deich in Oldsum, alles gut gegangen. „Es gab beim Schöpfwerk auf einer Länge von 200 Metern Auswaschungen“, berichtete Amtsvorsteherin Heidi Braun. Doch diese seien nicht dramatisch gewesen. Braun steht der Föhrer Abschnittsführungsstelle vor, die Einsätze im Katastrophenfall koordiniert. Deren Mitglieder (Vertreter von Amt, Feuerwehr, Deich- und Sielverband, Landesbetrieb Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz sowie Deichgraf Karl-Julius Volkerts) hatten zum Nachthochwasser noch einmal die gesamte Föhrer Küste abgefahren – zusätzlich zu den Deichgängern, die ebenfalls in der Nacht wieder unterwegs waren. Ein wenig mulmig war wohl allen zu Mute, stieg doch der Pegel auch nach Hochwasser zunächst noch weiter an.

Um 4.15 Uhr, eineinhalb Stunden nach Hochwasser, war dann bei einem Stand von 2,57 Metern über Normal der höchste Wert erreicht. Hafenamtsmitarbeiter Norbert Fritsch, der so lange ausgeharrt hatte, konnte sich genauso eine kleine Mütze voll Schlaf gönnen, wie die meisten anderen Einsatzkräfte.

Die Feuerwehren allerdings mussten auch in der Nacht immer wieder ausrücken. Alle Wehren auf Föhr-Land hätten nachts noch Einsätze wegen umgestürzter Bäume gehabt, berichtet Christiansen. Und auch die Wyker hatten gut zu tun. Insgesamt kamen dort von gestern bis heute Nachmittag 32 Einsätze zusammen – ungefähr halb soviele wie im Oktober bei Orkan „Christian“, berichtet Wehrführer Kai Sönnichsen.

Wo „Christian“ Vorarbeit geleistet hatte, konnte „Xaver“ noch einmal richtig zulangen. Sowohl in den Wyker Grünstreifen, als auch im Inselforst kippten wieder viele Bäume um. Wie groß die Schäden sind, konnten heute weder Wyks Grün-Bau-Chef Ulrich Koch noch Ole Sieck vom Forstverband beziffern. Da der Sturm den ganzen Tag weiter tobte, war es auch für die Fachleute zu gefährlich, die Wälder zu betreten, die wieder komplett gesperrt wurden. Ulrich Koch sind nicht nur weitere Bäume abhanden gekommen, er berichtet auch von großen Sandverlusten an der Wyker Küste. „Der Sand ist zur Hälfte runter“, so der Chef des städtischen Hafenbetriebs. Dafür liege jetzt jede Menge Unrat am Ufer. „Die Halligen sind jetzt sauber, der ganze Dreck ist hier“.

Heute im Laufe des Tages normalisierte sich das Leben auf Föhr dann wieder. Bevor das Nachmittags-Hochwasser den Hafen erneut unter Wasser gesetzt hatte, fuhren sogar ein paar Fähren. Mit 1,55 Metern über Normal kam dann auch nicht mehr viel nach. „Wir hatten eine große Übung“, freute sich nicht nur Hafenamts-Mitarbeiter Gerd Jakobsen, dass am Ende alles doch nur halb so schlimm war.

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