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Wyker Bürgermeister : Es bleibt alles beim Alten

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der Grünen-Antrag scheitert. Zwar wollen alle Fraktionen der Stadtvertretung einen Profi – aber nicht jetzt.

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erstellt am 04.Jun.2015 | 12:30 Uhr

Das Ergebnis stand eigentlich schon vorher fest: Mit ihrer Ein-Stimmen-Mehrheit ließen CDU und SPD in der jüngsten Stadtvertretersitzung den auch von der Kommunalen Gemeinschaft unterstützten Antrag der Grünen scheitern, in Wyk unverzüglich die Stelle eines hauptamtlichen Bürgermeisters zu schaffen (wir berichteten). Und das, obwohl im Prinzip alle Fraktionen diesen Vorschlag für überlegenswert halten. Doch sah man bei SPD und CDU noch Diskussionsbedarf und wollte wohl auch den wegen seine unglücklichen Agierens im Zusammenhang mit dem Kauf der Nationalparkhalle in die Schusslinie geratenen ehrenamtlichen Amtsinhaber Paul Raffelhüschen schützen.

Denn, obwohl Grünen-Fraktionssprecher Till Müller einen Zusammenhang zwischen seinem Antrag und den jüngsten kommunalpolitischen Verwicklungen in Wyk von sich weist, ist dieser gespickt mit Kritik und Anspielungen auf die Amtsführung des CDU-Gemeindeoberhaupts. Da ist von einem „nicht unerheblichen Spannungsfeld zwischen den Interessen der Stadt Wyk und dem Dienstleister Amt“ die Rede, und davon, dass der Wyker Bürgermeister immer wieder an Verhandlungen mit Investoren touristischer und anderer Großprojekte beteiligt sei, welche jeweils eine immense Bedeutung für die Fortentwicklung der Stadt hätten. „Hier ist es von äußerster Wichtigkeit, dass der für die Stadt auftretende Bürgermeister souverän und von inhaltlichem Sachverstand geprägt die Interessen der Stadt wahrnimmt. Auch dies ist von einem ehrenamtlichen Bürgermeister, der in seiner normalen beruflichen Tätigkeit vergleichbare Verhandlungen wahrscheinlich nie führen musste, kaum zu erwarten“, heißt es wörtlich in Müllers Antrag, der insgesamt zu diesem Zeitpunkt offenbar für viele Stadtvertreter zu starker Tobak war.

„Wir sind uns einig, dass das Thema diskutiert werden muss“, meinte denn auch Peter Schaper (SPD). Doch werfe der Grünen- Antrag viele Fragen auf, die noch beantwortet werden müssten. So bezweifelte Schaper, dass die von Till Müller vorgerechneten 100  000 Euro, die ein Hauptamtler im Jahr kosten würde, reichen. „Dieser Antrag ist ein Schnellschuss und einfach nicht ausgereift“, kritisierte Schaper die Grünen.

„Wir haben die Tourismus GmbH noch nicht vom Tisch und sollen da schon die nächste große Baustelle angehen“, kam Müllers Ansinnen auch Claudia Andresen (CDU) zu früh. „Wir halten einen hauptamtlichen Bürgermeister für notwendig, aber zum jetzigen Zeitpunkt sollten wir die Finger davon lassen“, meinte sie, während Dr. Silke Ofterdinger-Daegel (KG) den Antrag der Grünen als „zukunftsorientiert und zielführend“ lobte. Ein neuer Bürgermeister müsste sich erst in seine Aufgaben einarbeiten, prophezeite Annemarie Linneweber (SPD) eine „Zeit des Stillstands, die wir uns nicht leisten können“. Die Bürgermeisterwahl mit der Kommunalwahl zu koppeln, sei deshalb der richtige Weg.

Den Wechsel langsam anzugehen, bezeichnete Heinz Lorenzen (KG) dagegen als schlechten Ansatz. „Ein weiter so bringt die Gemeinde nicht voran“, meinte Raffelhüschens Amtsvorgänger. „Wir sollten sofort loslegen“, ergänzte Dirk Hartmann von den Grünen. Doch der Antrag seiner Partei wurde mit neun zu acht Stimmen abgelehnt, ein „Fahrplan“, wann das Thema erneut diskutiert werden soll, wurde nicht beschlossen.

Wie sehr ihm die Debatte an die Nieren gegangen sein muss, offenbarte Paul Raffelhüschen, als er sich nach der Abstimmung für die Ablehnung des Grünen-Antrags bedankte. „Ich werde als halbtags angestellter Zahntechniker weiter zum Wohl der Stadt arbeiten“, versprach er.

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