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Schiffskatastrophe vor Amrum : Ertrunken im eisigen Nordseewasser

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Zehn Tote am Amrumer Kniep – die Tragödie der Bark „Ilma“ im November 1903 (Teil 1). Angehörige eines Besatzungsmitglieds begeben sich auf Spurensuche.

Im vergangenen August besuchte ein Ehepaar aus Oslo, Liv Haug und Terje Aurdal, die Insel Amrum, um etwas mehr über den Tod ihres Urgroßvaters (Oldefar) Gjert Olsen Björndal zu erfahren und sich vor Ort mit den Lokalitäten des Unglückes im November 1903 vertraut zu machen. Das Unglück betraf die norwegische Bark „Ilma“ und ihre zehnköpfige Besatzung, die alle das Leben verloren.

Liv Haug und Terje Auerdal hatten bereits umfangreiche Recherchen betrieben und sowohl mit Volkert Faltings von der Ferring-Stiftung als auch mit dem Amrumer lnselchronisten Gespräche geführt und dann auf Amrum die Stätten des tragischen Geschehens in Augenschein genommen. Dazu gehörten die Amrumer Südwestküste bei Wriakhörn, der Kniepsand dort, die Kirche in Nebel und der Friedhof, dessen Nordwestecke nun in die Neugestaltung mit den alten Grabsteinen einbezogen ist, aber Jahrhunderte als Begräbnisplatz für die zahlreichen, überwiegend namenlosen Toten aus den Strandungsfällen bei Amrum diente.

Über die Tragödie der „Ilma“ liegen auf Amrum zwei Berichte vor – eine Aufzeichnung von Carl Quedens, dem Sohn des Gründers von Wittdün, Volkert Martin Quedens, sowie vom Vorsitzenden der Amrumer Rettungstationen der DGzRS‚ Julius Schmidt.

Zu den Aufgaben der Amrumer Leuchtfeuerwärter gehörte die Beobachtung der Vorgänge auf See und die unverzügliche Meldung an die nächstgelegene Rettungsstation der DGzRS, in diesem Falle die Station Amrum Süd auf der äußersten Südspitze von Wittdün, wo das Ruderrettungsboot „Elberfeld“ in einem Schuppen lag. Über den Amrurner Leuchtturm hatten die Wohnungen der Vormänner der Rettungsboote in Norddorf und Wittdün schon 1895 Telefon erhalten. Vormann der Station Süd war der frühere Seefahrer Carl Philipp Meyer.

Die Besatzung bestand ausschließlich aus Männern von Nebel, weil es im jungen Seebad Wittdün nicht genügend seetüchtige Männer gab – ein Umstand, der später noch zu einer harten Kritik durch den Hotelier und Strandvogt Volkert Martin Quedens führte, weil die Besatzung der Station Amrum Süd bei einem Seenotfall erst in Nebel zusammengerufen und dann mittels Pferdefuhrwerk nach Wittdün befördert werden musste.

Über den Einsatz bei der Strandung der „Ilma“ liegt folgender Einsatzbericht vor, publiziert auch im Jahrbuch der DGzRS 1904: „Am 22. November 1903 meldete der Leuchtturmwärter nachmittags 4 Uhr, dass ein Schiff auf Kapitänsknob gestrandet sei. Die Rettungsmannschaft wurde sofort zur Station Süd befördert, aber wegen der Dunkelheit und der hohen See konnte das Schiff nicht erreicht werden. Deshalb mußte das Rettungsboot umkehren und war um 10 Uhr abends wieder bei der Station.

Die Rettungsmannschaft blieb die ganze Nacht dort und fuhr im Morgengrauen wieder hinaus. Der Sturm hatte etwas nachgelassen und das gestrandete Schiff wurde erreicht. Es war aber in der Nacht total wrack geworden und durchgebrochen. Von der Besatzung fand sich keine Spur. Nachdem heute bei Tagesanbruch das Schiffsboot mit mehreren Kleidersäcken antrieb, muß leider angenommen werden, daß die Besatzung während der Nacht den Tod in den Wellen gefunden hat. Nach vorgefundenen Briefen war das Schiff die norwegische Bark ‚Ilma‘, Kapitän Andreasen aus Christiania (die norwegische Haupstadt wurde erst 1924 in Oslo umbenannt).

Wenig später trieben vier Leichen an‚ daß nun auch bestimmt ist, daß die ganze Besatzung ertrunken ist. Der Rettungsmannschaft kann aber kein Vorwurf gemacht werden, denn dieselbe ist noch am Abend hinausgesegelt, aber es war wegen des Sturmes unmöglich, das Schiff zu erreichen“.

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