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Im Kurgartensaal : Erstklassiger Abend im zweiten Anlauf

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Autorenlesung mit Gesang: Der Chansonnier Klaus Hoffmann begeisterte das Publikum des Föhrer Literatursommers.

War im vergangenen Jahr die Enttäuschung bei Klaus-Hoffmann-Fans noch groß, als ein angekündigter Auftritt im Rahmen des Föhrer Literatursommers kurzfristig abgesagt werden musste, wurden die Anhänger in diesem Jahr versöhnt. Der Grandseigneur des deutschen Chansons trat im Wyker Kurgartensaal auf und bescherte dem Publikum mit einem rundum gelungenen Programm einen tollen Abend.

Hoffmann las aus seiner Autobiografie „Als wenn es gar nichts wär“, improvisierte bestens gelaunt und untermalte das Ganze mit einigen Liedern. Für den Künstler, der seit Jahrzehnten mit seinen Musikern große Hallen füllt, auch ein Schritt zurück zu den Anfängen. Eine Gitarre, eine Stimme, eine Bühne – so hatte der Barde Ende der 1960-er Jahre in der Clubszene Berlins seine Karriere begründet.

Lange lief das Singen parallel. Denn Hoffmann empfand sich stets als Mime und wurde 1970 als Schauspielschüler am Max-Reinhardt-Seminar angenommen. Die Erfolge sollten sich einstellen: Für den Film „Die neuen Leiden des jungen W.“ wurde er Mitte der 1970-er Jahre mit der Goldenen Kamera und dem Bambi ausgezeichnet, es folgen Theater-, Film- und Fernseharbeiten mit namhaften Regisseuren wie Boy Gobert und Ingmar Bergmann sowie Schauspiel-Legenden wie O. W. Fischer und Dieter Borsche, der – bereits an den Rollstuhl gefesselt – sein väterlicher Freund werden sollte. Der Sänger aber, verriet Hoffmann in einem Pressegespräch, „war nie so stark, wie ich ihn mir gewünscht habe“.

Als die Engagements beliebiger und die Figuren austauschbarer wurden, machte Hoffmann die Musik zur Rolle seines Lebens. Zeit seiner Karriere habe er sich als Geschichtenerzähler empfunden, die Stimme sei da nur oben drauf gekommen. „Ich habe immer versucht, meinen eigenen Weg als Sänger zu finden. Mit meinen Eigenarten, wie ich die Welt sehe.“ Seither begeistert der Ur-Berliner seine Fans mit Liedern, die von Ängsten, Verlusten, Siegen und vor allem Sehnsüchten handeln. Die Frage, ob bei ihm der Romantiker oder der Melancholiker überwiege, beantwortet er lächelnd: „Ich halte mich für einen absoluten Realisten, allerdings einen, bei dem beide gleich stark vertreten sind.“

Bewahrt hat er sich bis heute die „wunderbare Energie“, die sich nach einem Auftritt einstellt. Bewahrt hat er sich zu seinem Leidwesen aber auch das Lampenfieber. Von dem im Kurgartensaal nichts zu spüren war. Locker las der 63-Jährige aus seinem Leben und man verstand des Künstlers ewige Suche, die Lust nach Veränderung, die Sehnsucht, herauszukommen und zu entfliehen, um dabei nach Hause zu finden. Das Publikum dankte es ihm und somit wurde auch der minimalistische Auftritt zu einer guten Sache. „Zurück zur Gitarre“, hatte er vor dem Konzert orakelt, „das ist das Direkteste und schon gut – wenn das Publikum mitmacht“.

Das tat es und wurde dafür mit einigen Zugaben belohnt. Nach einem wunderbaren Abend, wie auch Michael Steuer, Vorsitzender des Vereins „Föhrer Blickwinkel“, der den Literatursommer initiiert, befand. Geht es nach Steuer, bleibt es nicht bei diesem Auftritt. Gern würde er Hoffmann im kommenden Jahr wieder nach Föhr holen. Dann mit dessen Stamm-Pianisten Hawo Bleich und im Rahmen eines größeren Konzertes.

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erstellt am 11.Sep.2014 | 12:15 Uhr

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