Mord auf Amrum : Ermordeter Ceetin K.: Angeklagter gibt doch keine Erklärung ab

Im Flensburger Landgericht wird die Tat verhandelt.
Im Flensburger Landgericht wird die Tat verhandelt.

Psychiatrisches Gutachten schließt Schuldunfähigkeit des älteren Angeklagten aus.

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11. Mai 2018, 08:30 Uhr

Flensburg/Wittdün | Im Mordprozess um den auf Amrum erstochenen Flüchtling Ceetin K. kündigte der Verteidiger des älteren der beiden Angeklagten am jüngsten Verhandlungstag an, entgegen bisheriger Aussagen nun doch keine Verteidigererklärung für Maxim A. abzugeben. Marvin H., der jüngere der beiden Angeklagten, hatte sich bereits am ersten Verhandlungstag geäußert und ein Geständnis abgelegt.

Die beiden Deutschen sind des gemeinschaftlich begangenen Mordes an dem Iraker angeklagt. Die zur Tatzeit 26 und 19 Jahre alten Männer sollen den ihnen gut bekannten 27 Jahre alten Flüchtling am 27. April 2017 auf Amrum unter einem Vorwand in die Dünen gelockt, verprügelt, erstochen und anschließend im Sand verscharrt haben. Im Oktober waren die beiden Angeklagten, die wie das Opfer zunächst als vermisst galten, festgenommen worden. Marvin H. hatte die Ermittler dann auf die Spur von Ceetin K geführt.

Onkel vom Maxim A. gab Auskunft

Zu seinen Wahrnehmungen im zeitlichen Umfeld der mutmaßlichen Tat wurde der Onkel von Maxim A. befragt. Er legte dar, von dem Geschehen nichts mitbekommen zu haben. Das gelte auch für den Aufenthalt seines Neffen in Chemnitz. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Angeklagten sich nach der Tat von der Insel entfernten, in Chemnitz aufhielten, und dann noch einmal zurückkehrten, um auf der Insel in Lebensmittelgeschäfte einzubrechen.

Auch zur Biografie des Angeklagten äußerte sich der Onkel. Demnach sei Maxim A. bei der Großmutter aufgewachsen, die ihn auch adoptiert hätte. Aufgewachsen sei er in Kasachstan, seit 1999 lebte er in Deutschland und seit 2011 auf Amrum. Hier soll er Mitglied der Jugendfeuerwehr gewesen sein. Zudem soll er einen Hauptschulabschluss erlangt und im Anschluss eine Kochlehre begonnen haben. Diese habe er nach zweieinhalb Jahren abgebrochen und in der Folge als Beikoch in der Gastronomie gearbeitet.

Gutachten schließt verminderte Schuldfähigkeit aus

Vorgelegt wurde auch ein psychiatrisches Gutachten über Maxim A. Dass zum mutmaßlichen Tatzeitpunkt von einer verminderten Schuldfähigkeit oder einem Schuldausschluss – etwa wegen Alkohol- oder Drogenkonsums oder einer Handlung im Affekt – auszugehen sei, schloss der Sachverständige aus. Relevante Ausfallerscheinungen seien aus seiner Sicht nicht festzustellen.

Im Fall des jüngeren, zur Tatzeit 19-jährigen Angeklagten muss die Kammer entscheiden, ob Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht zur Anwendung kommt. Hier legte eine Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe ihren Bericht über Marvin H. vor, in dem sie die Anwendung des Jugendstrafrechts empfahl. Die Schwere der Schuld oder schädliche Neigungen verneinte sie in ihrer Stellungnahme.

Am 16. Mai soll der Prozess fortgesetzt werden. Vorgesehen ist dann die Vernehmung eines Ermittlungsbeamten. Im Anschluss sollen nach derzeitigem Stand die Plädoyers gehalten werden. Bleibt es bei diesem Zeitplan, könnte die Kammer am 22. Mai das Urteil verkünden.

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