Premiere : Erlebnisse aus dem Föhrer Alltag

Die Autorin in ihrem Laden in der umgebauten Scheune.
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Die Autorin in ihrem Laden in der umgebauten Scheune.

Geschichten hat Inge Haferkorn schon immer geschrieben: Nun hat die 79-jährige Oldsumerin ihr erstes Buch veröffentlicht.

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26. März 2017, 10:00 Uhr

Die Flügeltüren der alten Scheune sind weit geöffnet. Im Eingang des kleinen Ladens hängen die ersten Kleidungsstücke. Abseits vom Trubel im Geschäft sitzt Inge Haferkorn in ihrer Küche und erzählt. „Ich habe mein Leben lang Geschichten geschrieben – schon immer“, sagt sie, während ihr zwölfjähriger Labrador um sie herumspringt. Im vergangenen Jahr veröffentlichte die Föhrerin gemeinsam mit Simone Lacina ihr erstes Buch. Unter dem Titel „Wo Sonne und Wind Freunde sind“ werden ihre Geschichten von der Insel Föhr mit Illustrationen dargestellt.

Mit ihren 79 Jahren steht Inge Haferkorn noch mitten im Berufsleben. Für das Schreiben hat sie kein Ritual. „Wenn ich Lust habe, dann schreibe ich“, sagt sie. Die Geschichten habe sie alle gesammelt. Im Juni letzten Jahres bekam sie dann eine E-Mail einer Kundin aus Süddeutschland. „Sie schrieb, dass sie oft zu mir in den Laden kommt. Ihr Mann sei der, der immer die irischen Pullis mit Stehkragen kaufe“, erinnert sich Haferkorn. Sie habe sofort gewusst, um wen es sich handelt. Die Kundin, Simone Lacina, habe von ihrer Sehnsucht nach Föhr geschrieben.

Wie der Zufall es wollte, ist die Absenderin aus Süddeutschland Grafikerin und Illustratorin. „Ich habe mich ein bisschen über sie informiert und ihr dann eine E-Mail zurückgeschrieben und vorgeschlagen, gemeinsam ein Buch über Föhr zu machen.“ Die Idee mit dem Buch hatte Haferkorn schon lange, sie wusste nur nicht, mit wem sie diese umsetzen sollte.

Herausgekommen sei kein großes Werk, erklärt die Autorin, „es beinhaltet kleine Erlebnisse aus dem Alltag“. Zudem seien viele lokale Themen enthalten, mit der Feuerwehr und dem Pastor etwa, und zum Schluss stehe ein Rezept. „Alle, die an diesem Buch beteiligt waren, sind irgendwie Freunde“, sagt Haferkorn. „Es ist ein Buch, das in der Herstellung allen Spaß gemacht hat – und das sieht man auch.“

Ursprünglich kommt die zweifache Mutter aus dem ostpreußischen Tilsit. Dort wurde sie geboren und dort verbrachte sie die ersten Lebensjahre. „Wir haben eine klassische Flucht hinter uns, einmal quer durch Deutschland“, berichtet sie. Die Insel erinnert sie an ihre alte Heimat: „Tilsit ist auch sehr nah an der See gelegen. Die Landschaft hier ist mir sehr vertraut. Und dort ist es immer windig – genauso wie hier.“

Ihre Familie lebte lange Zeit im Rheinland. Die Eltern zog es schließlich auf die Insel. Viele Jahre seien sie in den Urlaub nach Föhr gekommen, wo der Vater sie bereits im Hafen erwartete. Er kannte ihren Traum, hier ein eigenes Heim zu besitzen. Eines Tages rief er an: „Ich habe das Haus für dich gefunden. Es liegt in einem großen Apfelgarten und muss noch aus seinem Dörnröschenschlaf geweckt werden. Aber es ist eine alte Lady und ich weiß, du wirst sie wieder hübsch machen“, erzählt Haferkorn in ihrem Buch.

Es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen. Das Haus hatte damals zwar noch ein mit Blech ausgebessertes Schieferdach, aber es stand tatsächlich in einem Apfelgarten. Zunächst wurde renoviert, bekam das neue Heim ein Reetdach, das ihm neuen Charme verlieh. Neben einem Feriendomizil für die Familie sollte es auch einen Laden beherbergen. „Damals gab es nur einen Bäcker und einen Kaufmann im Dorf. Aber nach kurzer Zeit hatte ich bereits einen kleinen Kundenstamm“, erinnert sich Inge Haferkorn. Die Schulferien verbrachte die Familie immer auf der Insel. „In der Zwischenzeit passte eine Angestellte auf das Geschäft auf“, erklärt sie. Seit drei Jahrzehnten lebt die heute 79-Jährige in Oldsum. Der Laden befindet sich nun in der ausgebauten Scheune des Hauses, gleich neben dem Café, das ihre Tochter betreibt.

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