Auf Föhr : Er wollte nicht nur spielen

Verschmuster Familienhund oder Kampfmaschine? Was aus einem Staffordshire-Terrier wird, hängt vor allem vom Halter ab.
Verschmuster Familienhund oder Kampfmaschine? Was aus einem Staffordshire-Terrier wird, hängt vor allem vom Halter ab.

Ein Staffordshire-Terrier beißt im Watt eine Urlauberin. Die verletzte Frau beklagt, dass trotz des Wyker Leinenzwangs immer mehr Hunde am Strand frei herumlaufen.

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30. Mai 2018, 13:30 Uhr

„Der tut nix, der will nur spielen“ – das ist die Standardauskunft vieler Hundehalter, wenn sie ihr Tier frei laufen lassen und es auf andere Spaziergänger zustürmt. Und meistens stimmt das ja auch. Dass aus einem Hundespiel aber durchaus Ernst werden kann, musste jetzt eine Urlauberin aus Hamburg erfahren, die im Watt vor dem Wyker Südstrand eine schmerzhafte Begegnung mit einem frei laufenden Hund hatte.

Auf Höhe der Hotelbaustelle sei sie an der Fahrrinne unterwegs gewesen und auf eine Frau zugegangen, deren zwei Hunde ein Stück entfernt am Wasser spielten. Der eine, ein Staffordshire-Terrier, sei mit einem Ball beschäftigt gewesen. „Ich hoffe, sie haben ihre Hunde im Griff“, habe sie noch zu der Frau gesagt, doch da war es schon geschehen. „Der Hund sah mich, nahm Anlauf und rannte los“, berichtet die Hamburger Lehrerin. Im nächsten Moment sei er zwischen sie und sein Frauchen gerannt, „dabei warf er mich von der Seite um“. Und damit nicht genug, zerrte er die am Boden liegende Frau am Oberschenkel. „Aus Hundesicht sicher nicht doll, sonst wäre die Verletzung wohl viel schwerer ausgefallen“, glaubt sie. Aber fest genug, dass zwei große, blutunterlaufene Wunden zurückblieben und eine Wunde sogar genäht werden musste. Dass geschah im Wyker Krankenhaus, in dem die Verletzte sich hervorragend betreut fühlte. Und auch die Hundehalterin, die sichtlich geschockt gewesen sei und immer wieder beteuert habe, dass sie so etwas mit ihrem Hund noch nie erlebt habe, habe sich vorbildlich verhalten. Sie gab sofort ihre Adresse an und begleitete die verletzte Hamburgerin ins Krankenhaus.

Der zitterten erst am nächsten Tag so richtig die Knie, und dann entschied sie sich, den Vorfall der Polizei zu melden und auch unsere Redaktion über das zu informieren, was ihr widerfahren war. „Aus pädagogischen Gründen“, denn die Begegnungen mit freilaufenden Hunden am Strand hätten in den letzten Jahren massiv zugenommen, so der Eindruck der 62-Jährigen, die seit 57 Jahren regelmäßig auf die Insel kommt und inzwischen selbst ein Haus am Südstrand besitzt. Der Hund könnte ja auch ein Kind anfallen, so ihre Befürchtung, sein Wesen müsse deshalb getestet werden. Die Wyker Polizei hat, wie der Leiter der Polizeistation, Udo Höfer, auf Anfrage bestätigte, den Vorfall aufgenommen. Die Akte werde zur weiteren Überprüfung an die Kollegen am süddeutschen Wohnort der Hundehalterin geschickt. „Dass der Hund im Watt nicht frei herumlaufen durfte, ist klar“, sagt Höfer und appelliert an alle Hundehalter, den in Wyk geltenden Leinenzwang zu befolgen – auch aus Rücksicht auf den Nationalpark.

„Nach Hundelogik hat der Terrier, der sein Frauchen beschützen wollte, sicher alles richtig gemacht, aber so was geht natürlich gar nicht“, meint die Hamburgerin und fürchtet, dass sie in Zukunft nicht mehr so unbeschwert durch ihr geliebtes Wyker Watt laufen wird, wie bisher. „Es kann nicht sein, dass die, die keinen Hund haben, einen großen Bogen um Hundebesitzer machen müssen, die sich nicht an den Leinenzwang halten“, meint sie und wünscht sich, dass dessen Einhaltung in Wyk künftig strenger überprüft wird.


Der Name der Hamburgerin ist unserer Redaktion bekannt. Die Lehrerin möchte nicht, dass er in der Zeitung steht, weil sie nicht will, dass ihre Schüler von dem Vorfall erfahren.

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