wyker alleingang : Enttäuschung und Unverständnis

Die Urlaubsgäste sind die Lebensader der Stadt und sichern Arbeitsplätze.
Die Urlaubsgäste sind die Lebensader der Stadt und sichern Arbeitsplätze.

Die Entscheidung der Stadtvertreter gegen ein gesamtinsulares Tourismuskonzept stößt über die Grenzen Föhrs hinaus auf Kopfschütteln. So auch bei den Mitgliedern des Projektbeirates, der einige Monate unabhängig und intensiv gearbeitet hatte.

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12. Juni 2014, 08:00 Uhr

Wyks Stadtvertreter waren aktiv an der Ausarbeitung eines gesamtinsularen Tourismuskonzeptes beteiligt, um die Zusammenarbeit mit Föhr-Land schließlich mehrheitlich abzulehnen (wir berichteten). Eine Entscheidung, die jenseits einiger Fraktionsgespräche auf wenig Verständnis stößt. So auch bei den Mitgliedern des Projektbeirates, der einige Monate unabhängig und intensiv gearbeitet und Ideen für die Weiterentwicklung des Tourismus auf Föhr gesammelt hatte.

Ergebnisse, die sich in dem Gesamtkonzept wiederfinden und nun in der Schublade liegen. Denn trotz aller vollmundigen Erklärungen seitens der Stadt wird zwar für den Alleingang geplant, gleichzeitig aber werden hinter den Kulissen Gespräche geführt, wird nach einem Konsens mit den Landgemeinden gesucht. Die Strukturdebatte hält also an und das Ergebnis bleibt abzuwarten, bevor das Tourismuskonzept öffentlich präsentiert wird.

Die zehn Mitglieder des Projektbeirates treffen sich weiterhin. Zehn von ursprünglich elf, denn Georg Volta, Vorstandsmitglied der Föhr-Amrumer Bank, ist nicht mehr dabei. Tief enttäuscht sei er über die Entscheidung der Stadtvertreter, die er weder verstehen noch akzeptieren könne, sah Volta keinen Sinn in der Weiterarbeit im Projektbeirat.

Eine Einschätzung, der sich Peter Boy Weber anschließt, der dennoch nicht aufgeben will. Viel habe man in die unpolitische Arbeit investiert, umso ernüchternder sei das Abstimmungsergebnis. Erfreulich sei dagegen der Zusammenhalt auf Föhr-Land, wo man sich trotz einiger schmerzhafter Zugeständnisse zusammengerauft habe. In der derzeitigen Konstellation aber sei die Insel der Verlierer. Und damit auch die Leistungsanbieter, so Weber, und das bedeute in letzter Konsequenz den Verlust von Arbeitsplätzen.

„Ich glaube, es fehlt das Bewusstsein dafür, dass beide einander brauchen“, zeigt auch der Dunsumer Jan Hinrichsen, ebenfalls Mitglied des Projektbeirates, wenig Verständnis. Zumal die Entscheidung nicht das widerspiegle, was die Mehrheit der Insulaner wolle. Hinrichsen sieht die Hintergründe in „für eine derart kleine Stadt lächerlichen politischen Machtspielchen“. Die auf Föhr-Land undenkbar seien, wo Parteien die Ausnahme sind und alle Einwohner versuchen, im Sinne ihres Dorfes an einem Strang zu ziehen. Hinrichsen ist weiter dabei, denn Input von der Basis sei auch künftig unverzichtbar, zumal die vielen Gemeinsamkeiten jenseits der Politik offensichtlich seien. Auch Weber sieht die Politik fernab der Basis, weshalb man darüber nachdenken müsse, ob ein Bürgerentscheid ein anderes Ergebnis fördern würde. „Für uns gibt es nur eine Lösung, und das ist die insulare Gesamtvermarktung.“

Der aber haben die Stadtvertreter mit ihrem Votum vorerst eine Absage erteilt. Ein Unding für Jens Goritz, den Vorsitzenden der Föhrer Interessengemeinschaft für Tourismus (FIT). Während sich deutschlandweit die Kommunen aus Kostengründen zusammenschließen, so Goritz, kriege man es auf diesem kleinen Eiland nicht auf die Reihe, die Vermarktung Föhrs gemeinsam voranzutreiben. Ein Armutszeugnis sei es zudem, sich in der Stadtvertretung bei der Abstimmung dieser entscheidenden Frage zu enthalten. Auch für Peter Boy Weber ist eine Enthaltung keine politische Meinung und in einem derart wichtigen Punkt inakzeptabel. Somit hätten vier Stadtvertreter keine Entscheidung getroffen, so Jan Hinrichsen. „Ich bin mir nicht sicher, ob die überhaupt ein Amt bekleiden sollten.“

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