Föhrer Feuerwehren : „Entscheidend ist, überhaupt dabei zu sein“

Vorbereitungen für eine Übung: Arne Jensen (r.) mit Gruppenführer Sven Martens, dem stellvertretenden Wehrführer der Brandschützer von Borgsum und Witsum.
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Vorbereitungen für eine Übung: Arne Jensen (r.) mit Gruppenführer Sven Martens, dem stellvertretenden Wehrführer der Brandschützer von Borgsum und Witsum.

Der Jugendwehr kehrte Arne Jensen nach sechs Jahren Mitgliedschaft den Rücken. Heute ist er wieder bei den Brandschützern und mit Feuereifer dabei.

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31. Dezember 2017, 10:00 Uhr

Stell dir vor es brennt, und keiner kommt. Die Freiwilligen Feuerwehren kämpfen vielerorts mit Nachwuchsproblemen. Föhr bildet keine Ausnahme. Die Inselwehren wollen jetzt mit einer großen Werbeaktion unter dem Motto „Wir brauchen Dich“ gegensteuern. Wir stellen in den kommenden Monaten einige Brandschützer vor.

Es ist nicht ganz der klassische Weg, den Arne Jensen bei den Brandschützern beschritt: Als Sechsjähriger wurde er Mitglied der Utersumer Jugendwehr, mit zwölf Jahren trat er wieder aus. Ausschlaggebend sei damals der Umzug nach Borgsum gewesen, erinnert der 32-Jährige. Die Nachwuchs-Brandschützer im neuen Dorf habe er nicht gekannt und der Stellenwert der Wehr sei ihm damals noch nicht bewusst gewesen. „In dem Alter kann man das noch nicht richtig einschätzen.“

Heute weiß Jensen um die Wichtigkeit der Kameraden, seit 2014 ist er Mitglied der Wehr Borgsum-Witsum. „Ich wollte wieder dabei sein, nachdem unser Haus fertig war“, sagt der Vater einer zweijährigen Tochter. Und das ist der Oberfeuerwehrmann und stellvertretende Gerätewart mit einigem Eifer: Den obligatorischen Truppmann eins- und -zwei-Lehrgängen folgten Ausbildungen zum Funker, Truppführer und Atemschutzgeräteträger, im kommenden Jahr steht ein Lehrgang zum Maschinisten auf dem Programm. Nicht auszuschließen, dass er dem jetzigen Gerätewart Johannes Clausen eines Tages im Amt folgt.

Die nächste Position, die er anpeilen könnte, wäre die des Gruppenführers. Ein Thema ist das für Arne Jensen derzeit allerdings nicht. „Ich bin ja noch nicht so lange wieder in der Wehr“, sagt er, und den anderen, die länger dabei seien, zu erzählen, was sie zu machen haben, widerstrebe ihm. „Ich glaube, ich habe schon ziemlich viel bei der Feuerwehr erreicht. Entscheidend ist, überhaupt dabei zu sein.“

Für kritisch hält Jensen der Personalsituation der Inselwehren derzeit noch nicht. Und dass viele nicht dabei sein wollen, hat mit der Bequemlichkeit der Menschen zu tun, glaubt Jensen. Die Menschen säßen nach Feierabend lieber zu Hause und hätten keine Lust, nach einem Arbeitstag noch zur Feuerwehr zu gehen. „Ich war ja auch ein paar Jahre nicht dabei, und das finde ich rückblickend nicht gut.“ Allerdings: Bei Straßenfesten, beim Bäumeschneiden und anderen Gelegenheiten sei er immer dabei gewesen, „es war nie so, dass ich nichts mit der Feuerwehr zu tun hatte“, betont der gelernte Tischler, der heute als Kranfahrer im väterlichen Betrieb arbeitet.

Welche Wege beschritten werden müssten, um die Wehr für junge Menschen attraktiver zu machen, weiß auch Arne Jensen nicht. „Ich kann das weder entscheiden noch einschätzen“, sagt er. Allerdings könnten neue Ausrüstungen und neue Technik aus seiner Sicht die Mitgliedschaft für den Nachwuchs interessant machen. So ist es rund eineinhalb Jahre her, dass in Borgsum nach fast 30 Jahren ein neues Einsatzfahrzeug in Empfang genommen wurde. Größer, moderner, und technisch besser ausgestattet. „Ich glaube schon, dass unsere jungen Feuerwehrleute das schätzen, ein so großes Auto ist für unsere Gemeinde nicht selbstverständlich.“ Und es habe noch andere Anreize gegeben: „Bei uns im Dorf konnten einige Kameraden den Führerschein Klasse C machen. Der ist nicht billig und die Kosten hat die Gemeinde übernommen.“

Dass die Lehrgänge junge Leute davon abhalten, in die Wehr einzutreten, glaubt Arne Jensen nicht: „Mich hat es jedenfalls nicht abgeschreckt.“ Die paar Stunden, die dafür investiert werden müssten, seien, gemessen an den vielen Jahren, die man dann noch in der Wehr bleibe, nicht schlimm. Und schließlich sei eine gute, umfassende Ausbildung unverzichtbar. Es sei nicht zu erwarten, dass die Kameraden bei den 14-tägigen Diensten genug lernen. „Die Voraussetzungen müssen schon geschaffen werden.“

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