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Nachfrage steigt auch auf Föhr : Endlich eine Familie „erster Klasse“

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Ehe für alle: Neben einheimischen wollen auch viele auswärtige homosexuelle Paare jetzt in Wyk „richtig“ heiraten.

shz.de von
erstellt am 11.Okt.2017 | 12:30 Uhr

Seit dem 1. Oktober gilt die Ehe für alle, dürfen auch homosexuelle Paare heiraten. Während in einigen großen Städten die Standesämter extra an diesem Tag, einem Sonntag, geöffnet hatten, ging es in Wyk erst später los. Doch auch die Föhrer Standesbeamtin Anja Jakobsen und ihre Kollegin Levke Jessen verzeichnen für Oktober und November eine zunehmende Nachfrage von Paaren, die so schnell wie möglich ihre eingetragene Lebenspartnerschaft, die „Ehe zweiter Klasse“, in eine „Ehe erster Klasse“ umwandeln wollen.

Paare wie Janina und Yvonne Grieser aus Wyk, die sich gestern Vormittag im Standesamt des Amtes Föhr-Amrum das Ja-Wort gaben. „Dieser Schritt ist für uns sehr wichtig“, betont Janina Grieser nach der Trauung. „Unsere Partnerschaft hat für uns einen hohen Stellenwert und durch diese Umwandlung in eine ‚normale‘ Ehe sind wir keine Menschen zweiter Klasse mehr und müssen auch unsere Beziehung nicht mehr erklären“. Yvonne Grieser, geborene Dierßen, berichtet, dass sie und ihre Frau am 28. Dezember 2015 ihre Lebenspartnerschaft eingetragen haben. „Der 28. Dezember wird deshalb immer das wichtigste Datum unserer Ehe bleiben“. Deshalb haben sie ihren gestrigen gemeinsamen Schritt in die Ehe für alle ohne große Feierlichkeit unternommen. Mit einem Glas Sekt wollten sie dann aber im Anschluss an den offiziellen Termin doch noch anstoßen.

„Es sind überwiegend Insulaner, deren Partnerschaften wir in diesem Monat umwandeln“, berichtet Jakobsen, doch unter den bisher fünf Paaren im Oktober seien auch Auswärtige, die seinerzeit ihre eingetragene Lebenspartnerschaft vor dem Föhrer Standesamt besiegelt hatten und deshalb jetzt auch ihre „richtige“ Ehe auf Föhr schließen wollten – zum Teil sogar am gleichen Datum.

Bei der Umwandlung einer eingetragenen Lebenspartnerschaft in eine Ehe sind die bürokratischen Hürden niedriger, als bei anderen Hochzeiten. „Die Ehefähigkeit müssen wir nicht mehr prüfen, das ist ja schon beim ersten Termin passiert“, erklärt Jakobsen. Auch müsse es keine Zeremonie mehr geben, es würde ausreichen, wenn die Paare noch einmal vor der Standesbeamtin das Ja-Wort aussprechen und dann die Ehe-Dokumente unterzeichnen würden. Einigen Paaren würde dies auch ausreichen, andere wollten noch einmal eine richtige Hochzeit mit allem Drum und Dran feiern. „Wir richten uns bei der Gestaltung der Zeremonie ganz nach den Wünschen des Paares“, berichtet Anja Jakobsen, für die Yvonne und Janina Grieser keine Unbekannten sind, hat sie doch den beiden Frauen vor knapp zwei Jahren in die eingetragene Partnerschaft verholfen.

Die ersten schwulen und lesbischen Paare hätten sich bereits beim Wyker Standesamt gemeldet, als das Gesetzgebungsverfahren noch im Gang war, so die Föhrer Standesbeamtin. Ende Juni hatte der Bundestag die Einführung der Ehe für alle beschlossen, „die ersten Unterlagen haben wir dann im August und September bekommen“, berichtet Jakobsen, dass es für die Standesämter schwierig gewesen sei, da zwischen der Verkündigung des Gesetzes und seinem Inkrafttreten nur ein paar Wochen lagen. In der letzten Septemberwoche habe die Standesamtssoftware dann ein Update bekommen, doch bis die gesamte Software in den Behörden umgestellt sei, werde es noch dauern.

Janina und Yvonne Grieser muss das aber nicht anfechten. Sie sind seit gestern ein richtiges Ehepaar, mit allen Rechten und Pflichten.

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