Kapitän geht von der Brücke : Ende einer langen Familien-Tradition

Der alte Tonnneleger der Familie Ricklefs. Die „Hildegard“ liegt jetzt im Husumer Schifffahrtsmuseum .
1 von 2
Der alte Tonnneleger der Familie Ricklefs. Die „Hildegard“ liegt jetzt im Husumer Schifffahrtsmuseum .

Nach sechs Generationen: Mit Hinrich William Ricklefs geht der letzte aus der Amrumer Tonnenleger-Dynastie in den Ruhestand

Avatar_shz von
07. Dezember 2014, 10:30 Uhr

Nach über 30 Jahren auf der Brücke der Tonnenleger des Wasser- und Schifffahrtsamtes verabschiedete dessen Leiterin, Christina Ruddeck, Kapitän Hinrich William Ricklefs offiziell in den Ruhestand. Das Kommando auf der Brücke des Tonnenlegers hat offiziell seit dem 1. Dezember Kapitän Ingo Jensen. Ruddeck berichtete, dass sie auf einer regelrechten Verabschiedungstour sei. Insgesamt fünf Pensionierungen stünden bis zum Ende des Jahres noch in ihrem Amtsbereich an. Der scheidende Kapitän sei kein Mann der vielen Worte gewesen, sondern ein Mann der Tat, den große Erfahrung und Geschick auszeichneten, betonte der Leiter der Außenbezirke Tönning und Amrum des WSA, Wolfgang Stöck, in seiner Ansprache.

Für die Familie Ricklefs endet mit der Pensionierung des Kapitäns eine lange Tradition. In sechster Generation war Hinrich Ricklefs auf einem Tonnenleger tätig. Jetzt nutzte er die Chance, mit 63 Jahren in den Ruhestand zu gehen. „Für mich geht eine schöne Zeit zu Ende“, sagte der in Steenodde lebende frischgebackene Pensionär. „Ich habe keinerlei Sorge, dass ich zukünftig nicht genug zu tun habe“, meinte Ricklefs schmunzelnd in gemütlicher Frühstücksrunde mit seinen langjährigen Kollegen. Ein Gang um sein Haus in Steenodde würde genügen, um zu sehen, was während der letzten Jahre liegen geblieben ist. Und sein 8,5 Meter langes Schiff „Hubsand“ wartet zudem schon auf weitere gemeinsame ausgedehnte Fahrten mit seiner Frau Leni.

Mit der Verlegung des 1964 gebauten Tonnenlegers „Johann Georg Repsold“ in den Wittdüner Seezeichenhafen strukturierte das Wasser- und Schifffahrtsamt ab 1984 die Instandhaltung aller schwimmenden Seezeichen neu. Von Wittdün aus wurden nun die Tonnen von der dänischen Grenze bis zur Halbinsel Eiderstedt betreut. Den bis dahin verpflichteten Vertrags-Tonnenlegern wurde gekündigt. Diese kleinen Tonnenleger waren einfache, fast altertümliche Schiffe mit einer geringen Arbeitsfläche an Deck und lediglich mit einem Ladebaum ausgerüstet. Sie wurden für die Kleinbetonnung in den Wattfahrwassern eingesetzt. Für die Familie Ricklefs bedeutete diese Veränderung das Ende des eigenverantwortlichen Tonnenlegens. Ihre „Hildegard“ kann heute im Husumer Schifffahrtsmuseum besichtigt werden.

Hinne, wie der erfahrenen Schiffsführer kurz genannt wurde, fuhr zuerst als Steuermann auf der „Johann Georg Repsold“, übernahm dann 1992 kommissarisch das Kommando, bevor ihm drei Jahre später die Schiffsführung übertragen wurde. „Eigentlich hatten die Verantwortlichen beim WSA ja einen Beamten für diese Stelle vorgesehen“, erinnert sich Ricklefs, der bis heute Angestellter geblieben ist. 2011 wurde mit dem Tonnenleger „Amrumbank“ der modernste Tonnenleger auf der Nordsee in Dienst gestellt. Schon beim Bau des Schiffes war Kapitän Ricklefs auf der Werft beratend im Einsatz. Ihm oblag es dann auch, mit seiner sechsköpfigen Mannschaft das Schiff von der Weser nach Amrum zu überführen.

Hinrich William Ricklefs hatte 1974 sein Patent gemacht, das er dann auf großer Fahrt auf den Weltmeeren ausfuhr. Damals gab es noch richtige Stückgutfrachter. „Auf der ‚Oste Clipper‘ und der ‚Oste Riff‘ bin ich dann auf Containerschiffen gefahren“, erinnert sich Ricklefs gerne an seine Zeit auf den Meeren.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen