Elmeere-Geschenk für den Deichbau?

Auch nach der Abhobelung sollen die Flächen beweidbar bleiben, eine Schilflandschaft ist nicht geplant. Foto: ib
Auch nach der Abhobelung sollen die Flächen beweidbar bleiben, eine Schilflandschaft ist nicht geplant. Foto: ib

Das Kerngebiet in der Oevenumer Marsch soll abgehobelt werden - Der anfallende Klei könnte dem Küstenschutz zugutekommen

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01. Juni 2013, 03:59 Uhr

Föhr | Woher vernünftigen Kleiboden für den Deichbau zwischen Utersum und Dunsum nehmen? Diese Frage stellen sich die Verantwortlichen spätestens seit der Fertigstellung des Deichabschnittes zwischen Dunsum und Oldsum. Verwendung fand hier saures Material aus der Tiefe, mit geringem Humus-Anteil und der Folge, dass der Deich nur schwer zu begrünen ist.

Probleme, für die es für das noch anstehende Teilstück zwischen Utersum und Dunsum eine Lösung geben könnte. Denn "Elmeere" plant, in sein Kerngebiet in Oevenum feuchte Senken zu integrieren. Das bisherige Verfahren, die ausgehobenen Flächen am Rand abzulagern, sei allerdings wegen des Bisams nicht mehr praktikabel, erläutert Helmut Finckh, Stellvertreter des "Elmeere"-Vorsitzenden Dieter Risse. Auch sei der Abtransport des Materials sündhaft teuer, weshalb man die Idee gehabt habe, so Finckh, das "Abfallprodukt" Klei dem Deichbau zur Verfügung zu stellen.

Ein Verfahren mit Vorteilen für alle Seiten. So bräuchte "Elmeere" die Maßnahme nicht selbst durchzuführen. Zuständig wäre der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN). Der hat das Projekt derzeit auf dem Prüfstand, bestätigte LKN-Mitarbeiter Berthold Wittebrock. Ohnehin würden Gründeiche bevorzugt und Asphaltdeiche an der gesamten Küste nur in Ausnahmefällen gebaut. Im Vordergrund stehe die Aufwertung der Fläche unter Gesichtspunkten des Naturschutzes, so Wittebrock. Sei diese möglich, könnte aus der Idee Realität werden.

Auch der Kreis ist an der Diskussion über die Durchführung biotopgestaltender Maßnahmen auf den Flächen von "Elmeere" beteiligt. Es gehe darum, so Franz Brambrink, Leiter des Fachdienstes Umwelt beim Kreis Nordfriesland, nur in dem Umfang Klei zu entnehmen, der für eine sinnvolle Biotopgestaltung auf den Flächen erträglich sei. Im weiteren Verfahren, für das noch kein Antrag vorliege, sei dann die betroffene Gemeinde Oevenum zu beteiligen, in der Einvernehmen herrschen müsse.

Dies zu erlangen, zeigt sich Oevenums Bürgermeisterin Gisela Riemann verhalten optimistisch. Denn die Kröte, die die Gemeinde schlucken müsste, ist der Mittelfardingsweg. Der geht mitten durch das "Elmeere"-Kerngebiet, gehört der Gemeinde und ist derzeit gesperrt. Ein Kauf des Weges wäre für Risse ebenso denkbar wie eine Verpflichtung der Gemeinde, dass der Weg dauerhaft geschlossen bleibt. "Ich würde erwarten, dass wir die Entwässerung über den Sielgraben, der in unserem Bereich liegt, von außen umleiten und unseren Wasserstand selbst bestimmen können." Wichtigstes Ziel sei, soviel Feuchtigkeit wie möglich zu binden. "Die Flächen sollen im Frühjahr feucht sein, aber dennoch trittfest und beweidbar", betont Risse, dass keine tiefen Teiche beabsichtigt sind.

Ein Thema, so Gisela Riemann, das in der Gemeindevertretung noch einmal thematisiert werden muss. Der Meinung, dass der Weg zwingend aufgegeben werden müsse, ist die Bürgermeisterin allerdings nicht. Ebenso wie ihre Wrixumer Amtskollegin Heidi Braun. Die war in ihrer Eigenschaft als Amtsvorsteherin bei den bisherigen Verhandlungen dabei und sieht Möglichkeiten, bei der Gestaltung der Fläche mitzuwirken. Zumal von "Elmeere" zugesichert worden sei, dass der Weg auch verlegt werden könnte. Dies sei allemal billiger, so Braun, als anderenorts ein Grundstück zu erwerben und dort, wie in Oldsum geschehen, schlechte Kleie aus der Tiefe zu holen und tiefe Wasserlöcher zu hinterlassen.

Die Vorteile erkennt auch Deichgraf Karl-Julius Volkerts an, der mit den Landwirten und Jägern in Dauer-Opposition zu "Elmeere" steht. Volkerts plädiert für wenig Klei und eine Asphaltkante am Deichfuß. Aber: "Wenn der Abbau im Rahmen bleibt, können wir das mittragen", 200 000 Kubikmeter allerdings, wie von Dieter Risse geschätzt, seien zuviel.

Eine Win-win-Situation, die noch im Stadium der Planung ist. Derzeit liegt ein erster Vorentwurf der Frankfurter Landschafts-Architektin Monika Kustusch vor, über den die Gemeinde Oevenum und alle übrigen Beteiligten am Donnerstag, 4. Juli beraten wollen.

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