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Jazz goes Föhr 2017 : Eine virtuose musikalische Weltreise

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Quadro Nuevo lud im Kurgartensaal zum atemberaubenden Cross-Over ein. Wasserfuhr-Quartett beeindruckt auch mit rockigen Versionen.

shz.de von
erstellt am 28.Jul.2017 | 08:00 Uhr

In zweieinhalb Stunden um die Welt. Musikalisch machte dies im ausverkauften Kurgartensaal einmal mehr die Gruppe „Quadro Nuevo“ möglich. Mit einer Mischung, die in kein Genre passt, und die Frontmann Mulo Francel treffend als Weltmusik bezeichnete. Mit dem Titel „The Flying Carpet“ eröffneten die Musiker den Abend und der Name war Programm: Das Publikum reiste auf dem fliegenden Teppich, der einladend auf der Bühne ausgebreitet lag, vom Abend- ins Morgenland: durch Europa zum Balkan und über mediterrane Inseln in den Orient. Mühelos übersprangen die Musiker die Grenzen zwischen Kulturen und Epochen und Francel verriet: „Wir lassen uns von alten Kulturen inspirieren, und von Kulturen, die es nie gab“.

Ein Mix aus Klassik und Balkan-Swing sowie Tango und Jazz ließ Orient auf Okzident treffen. Mit dem ägyptischen Lied „Calici steps“ oder „Cafe Cairo“, das Klänge vom Nil mit denen aus Wiener Kaffeehäusern mischt, über „Nilade“, „Ikarus Dream“ und „Paprika“ bis hin zu „Tiepolo“, mit dem die Musiker dem italienischen Maler Giovanni Battista Tiepolo ein Denkmal setzen wollten, wie Francel verriet. Und auch die Gnossiennes des französischen Komponisten Erik Satie, Klavierkompositionen aus dem späten 19. Jahrhundert, stellten für das Quartett keine Hürde dar.

Evelyn Huber entlockte ihrer Harfe zauberhafte Töne und Andreas Hinterseher verschmolz mit dem Akkordeon oder dem Vibrandoneon. D.D. Lowka sorgte an Kontrabass und Perkussion für den Rhythmus und Mulo Francel schien mit Klarinette oder Saxofon eins zu sein. Ob sinnlich, herzzerreißend oder fetzig: Leidenschaft, Hingabe und Spaß komplettieren das spielerische Können der Musiker zu einem virtuosen Gesamtpaket. Abgerundet wird die Show der Combo, die zweimal den Echo des Jazz sowie den Europäischen Phono-Preis „Impala“ verliehen bekam, durch eine amüsante und unterhaltsame Moderation.

Das begeisterte Publikum beklatschte jedes Stück und jedes Solo mit lang anhaltendem Applaus. Es komme ihr vor, als komme sie von einer weiten Reise zurück, verriet Andrea Gmelin in Vertretung der Vorsitzenden des Fördervereins der Kreismusikschule, Svea Iwersen- Peters, am Ende, als sie den Künstlern das traditionelle Präsent des Festival-Teams überreichte. Und sie dürfte der Mehrzahl des Publikums aus der Seele gesprochen haben. Das nach einer Zugabe weitere wollte. Sie seien bei Jazz goes Föhr, und das hieße, sich bewegen, riet Mulo Francel von der Bühne. Etwa in die Kreismusikschule, zur abendlichen Jam-Session. Der letzte Lacher an diesem Abend, dem doch noch eine Zugabe folgte.

Tags zuvor hatten die Brüder Julian und Roman Wasserfuhr an gleicher Stelle zum Konzert geladen. Auch sie sind auf der Insel bestens bekannt und waren nach ihrer Premiere 2009 bereits zum dritten Mal dabei. Dass die Musiker künftig regelmäßig auf der Insel sein werden, verriet Wolfgang Philipp in seiner Begrüßungsrede. Jazz goes Föhr werde weitergehen, so Philipp, mit den Brüdern Wasserfuhr als künstlierischen Leitern.

Doch in diesem Jahr konnten Julian Wasserfuhr (Trompete und Flügelhorn), Roman Wasserfuhr (Klavier), Markus Schieferdecker (Bass) sowie Oliver Rehmann (Schlagzeug) noch unbelastet von jeder Festival-Verantwortung musizieren und hatten dabei im Handumdrehen das Publikum für sich gewonnen. Überwiegend eigene Werke, zumeist mit einer Geschichte verbunden, aber auch Menschen und sogar einem Hund gewidmet, bestimmten das Programm. Dazu kamen Stücke anderer Musiker, wie etwa „Englishman in New York“, das zunächst vertraut klang und dann dann doch auf ganz eigene Weise interpretiert wurde.

Die Brüder Wasserfuhr zeigten im Kurgartensaal, dass sie nicht zu Unrecht hoch gerühmt und für ihre entspannte und unangestrengte Musik gelobt werden. Viel Nachdenklichkeit und ungekünstelte Sentimentalität wird Julian Wasserfuhr bescheinigt, der schon früh als Trompeter entdeckt, gefördert und prämiert worden war. Die Brüder gelten als unzertrennliches Jazz-Paar und bildeten an diesem Abend eine Einheit mit Schieferdecker und Rehmann. Gemeinsam vermittelten sie eine ungeheure Lust und Freude am Musizieren. So war es dann auch kein Wunder, dass die Zuhörer das Quartett nicht so schnell wieder von der Bühne lassen wollte, sondern energisch einige Zugaben einforderten.

Nach Ingolf Burkhardt und „Jazul“ bestreitet am heutigen Freitag Mr. Red Horn das Finale des 20. Festivals Jazz goes Föhr: Um 20 Uhr ist im Kurgartensaal Nils Landgren mit seiner „Funk Unit“ zu Gast.

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