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Trinkwasserversorgung : Eine Reise in den Föhrer Untergrund

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Ein weltweit einmaliges Mess-System wurde auf der Insel ausprobiert. Mit Hilfe spezieller Spiegel und eines Laserstrahls wird das Fließen des Grundwassers untersucht

shz.de von
erstellt am 08.Nov.2014 | 12:30 Uhr

Der Untergrund der Insel Föhr ist für Geologen fast so etwas wie ein offenes Buch, so intensiv wurde er unter verschiedensten Gesichtspunkten des Grundwassers in den vergangenen Jahren von Wissenschaftlern untersucht. Doch auch offene Bücher können immer noch durch unbekannte Seiten überraschen und Ungelesenes verbergen. Auf der Suche nach einem möglichen neuen Kapitel des insularen Untergrundes waren fast zwei Wochen lang die beiden Mainzer Geologen Alexander Streb und Simon Wehrheim sowie Dr. Broder Nommensen, zuständig für Hydrogeologie und Grundwasser im geologischen Dienst des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR).

Broder Nommensen ist nicht nur als gebürtiger Föhrer an der insularen „Unterwelt“ interessiert. Vielmehr war er vor genau zwei Jahren führend an Untersuchungen in der Marsch und im Watt vor Wyk beteiligt, bei denen mit Bohrungen der oberflächennahe Schichtaufbau sowie die Grenze zwischen Süß- und Salzwasser erforscht wurden. Das Ziel war ein Föhrer Wassermodell, als Beitrag zur langfristigen Sicherung der Versorgung mit Trinkwasser.

Dass Streb und Wehrheim als „Autoren“ an einer möglichen Fortsetzung des Föhrer „Grundwasserbuches“ beteiligt sind, kommt nicht von ungefähr. Als Mitarbeiter der Mainzer Firma Phrealog können sie Grundwasser-Strömungsmessungen mit einem System durchführen, dass einmalig auf der ganzen Welt ist und jetzt in Schleswig-Holstein zum ersten Mal eingesetzt wurde. Firmeninhaber Dr. Marc Schöttler hatte, als er an seiner Doktorarbeit schrieb, zur rechten Zeit die richtige Idee, berichten seine Mitarbeiter. Mit Hilfe spezieller Spiegel und eines Laserstrahls kann mit seinem System das Fließen des Grundwassers gemessen werden. „Es ist etwa so, als leuchte man mit einer Taschenlampe in trübes Wasser und messe die Geschwindigkeit, in der die Partikel vorbeifließen“, macht Nommensen den Laien das Verfahren verständlich. Dieser Spiegel und die Lichtquelle sind in einer Sonde untergebracht, die in den Filterrohren der Föhrer Wasserbeschaffungsverbandes in einer Tiefe von 30 bis 40 Metern hinabgelassen werden.

Die Insel Föhr bietet den Geologen den Vorteil eines gut ausgebauten und ziemlich genau erforschten Messstellennetzes. „Der Einsatz von Phrealog auf Föhr bedeutet für uns auch den Test, ob das Verfahren funktioniert und ermöglicht uns eine Eichung der Messungen“, erläutert der Mitarbeiter des LLUR. Dieses Verfahren habe den großen Vorteil, dass keinerlei chemische oder sonstige Stoffe eingesetzt werden müssten, die sich auf das Grundwasser auswirken könnten. Damit seien auch keine langwierigen Genehmigungsverfahren notwendig. Begeistert ist er auch davon, dass Geologen die Messungen durchführen. „Damit können die Ergebnisse an Ort und Stelle mit Menschen diskutiert werden, die nicht nur das Messverfahren, sondern auch die wissenschaftliche Seite der Ergebnisse einschätzen können“, so Nommensen.

Die Messungen an sich verlaufen für den Zuschauer recht unspektakulär: Die Sonde verschwindet im Filterrohr, liefert fortwährend Daten an den angeschlossen Computer und ermöglicht einen Blick auf eine Messfläche von einem Quadratmillimeter. Besondere Hektik verbreitet das Föhrer Grundwasser nicht. Im Gegenteil: Lediglich etwa 30 Zentimeter am Tag bewegen sich die Partikel im Grundwasser, wobei im Computerbild genau angezeigt wird, in welcher Himmelsrichtung edas Wasser fließt.

Da konnte es dann auch passieren, dass an einem Sturmtag das Grundwasser an einer Messstelle am Wyker Südstrand, für die Fachleute völlig unerwartet, nicht Richtung Nordsee, sondern ins Innere der Insel geflossen ist. „Wäre dieses Mess-Ergebnis am ersten Tag unseres Einsatzes verzeichnet worden, wären wir wahrscheinlich sofort auf die Fähre zurück gejagt worden“, meint Alexander Streb. Der Geologe, der für seine Firma in den vergangenen Jahren schon weit in der Welt herumgekommen ist, hat übrigens den Messort Föhr so sehr schätzen gelernt, dass er demnächst mit seiner Familie hier Urlaubstage verbringen will.

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