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Gute Aussichten : Eine Investition in die Zukunft

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Das Hamburger Kinderkurheim erstrahlt in neuem Glanz: Die Rudolf-Ballin-Stiftung lässt die Einrichtung für gut eine Million Euro sanieren.

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erstellt am 19.Sep.2015 | 09:00 Uhr

Das Hamburger Kinderkurheim (HKH) erstrahlt in neuem Glanz. Fast, denn noch ist das imposante Gebäude am Ende des Sandwalls eingerüstet. 1,1 Millionen Euro hatte die Rudolf-Ballin-Stiftung als Träger der Einrichtung in die Hand genommen, um das Dach und die Fassade zu sanieren. Feuchte Wände und undichte Stellen im Dach hatten die Reparaturarbeiten nötig gemacht, die das gesamte Haupthaus betrafen.

Rund 50 Gäste konnte Jürgen Schröder, seit Beginn des Jahres Leiter des Hauses, zum Richtfest begrüßen. Unter ihnen Dr. Dirk Bange, Abteilungsleiter Jugend und Familie bei der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration in Hamburg, Ulrike Muß und Harald Clemens als geschäftsführender Vorstand der Ballin-Stiftung, Bettina Witzke, Bereichsleiterin Jugendhilfe bei der Stiftung und zuständig für das Haus in Wyk, sowie Annemarie Linneweber als Vertreterin der Stadt.

„Wir haben wieder ein Dach über dem Kopf“, sagte Schröder in seiner Begrüßung, und meinte das durchaus symbolisch. Denn eine solch umfangreiche Investition sei in die Zukunft gerichtet und auch eine Anerkennung der geleisteten Arbeit vor Ort. Bestärkt wurde Schröder von Harald Clemens und Ulrike Muß. Beide betonten, dass die Stiftung weiterhin mit den Hamburger Kindern und Familien auf der Insel präsent sein wolle. Mit dem jetzigen Konzept, auch wenn dieses immer wieder auf den Prüfstand gestellt werde. Eine Änderung an der Struktur aber sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht angedacht, so Muß.

„Die von uns vorgenommene Investition von 1,1 Millionen Euro ist auch für eine Stiftung viel Geld“, sagte Clemens. Ein Stück Versicherung, aus der sich ablesen lasse, „dass wir mittelfristig davon ausgehen, dass wir mit unserem Partner, der Stadt, dieses Haus in Wyk auch weiterhin betreiben werden“. Worte, die Jürgen Schröder und sein Team gern gehört haben werden, und eine Einschätzung, die auch Dirk Bange teilte. Der davon ausging, dass die Zukunft der Einrichtung über Jahre abgesichert sei. „Ich persönlich glaube nicht, dass wir befürchten müssen, dass es noch einmal Schließungspläne gibt.“

Bange war 2004 erstmals mit dem Haus in Berührung gekommen und kennt die Probleme, die in den vergangenen Jahren immer wieder mal aufkamen. 2004 hatte er seine HKH-Premiere erlebt, als die Einrichtung auf der Kippe stand und er mit deren Rettung beauftragt wurde. Bange bescheinigte der damaligen wie der heutigen Leitung sowie den jeweiligen Mitarbeitern ein „überragendes Engagement trotz Existenzängsten und schwieriger Anpassungsprozesse“.

Bange überbrachte die Grüße des Hamburger Senats, Annemarie Linneweber die der Stadt Wyk. Beide Redner betonten die Wichtigkeit des HKH. „Wichtig vor allem für die Kinder, die nicht immer aus einfachen Verhältnissen kommen und die sich hier erholen und neue Kontakte knüpfen können“, so Linneweber.

Dass dies bereits seit 1921 geschehe, machte Harald Clemens in einem Rückblick deutlich. Seinerzeit war das 1883 als Seehospiz eröffnete Haus in den Besitz der Hansestadt übergegangen, das seither mit unterschiedlichen Konzepten für Kinder und Jugendliche genutzt wird. Insulaner und Hamburger verbinde seit damals eine gute Partnerschaft. Die nach dem Zweiten Weltkrieg noch vertieft wurde, als die Not unter den Hamburger Schulkindern groß gewesen sei und viele in das Haus verschickt wurden. „In der Altersgruppe der 50- bis 70-Jährigen ist bestimmt jeder Dritte irgendwann einmal hier gewesen.“

Viel Raum nahmen bei der Feierstunde, die musikalisch von Wolfgang Philipp und Nils Lorenzen mit „one horn and six strings“ untermalt wurde, Dankesworte ein. So dankte Schröder seinem Team und ausdrücklich auch der Hauswirtschafts-Mannschaft. Die war an diesem Tag gut beschäftigt, denn es galt, die knapp 50 Gäste zu bekochen und zu bewirten. Mit Szegediner Gulasch, wie der Einrichtungsleiter erläuterte, „dem gleichen Essen, das auch unsere Kinder bekommen.“

Gedankt wurde natürlich auch den Handwerkern. Deren Arbeit, so Jürgen Schröder, nicht hoch genug einzuschätzen sei, erfolgte sie doch bei laufendem Betrieb. Der habe störungsfrei weitergehen können, „das hätte ich auch optimistisch nicht erwartet“.

Im April hatten die Arbeiten am HKH begonnen, Ende des Jahres, hofft Jürgen Schröder, könnten sie beendet sein. Bis dahin sollen einige Stellen der Fassade auch mit von Eva Lach gefertigten Mosaiken verschönert sein. Eines thront bereits über der Eingangstür, für einige Giebel und zugemauerte Fenster plant die Künstlerin derzeit. Dann steht die Umgestaltung der Außenanlagen an. Die Jugendlichen aber fühlen sich auch jetzt schon wohl, in dem Haus, so Harald Clemens, das für die Kinder ein guter pädagogischer Ort auf Zeit sei. „Und das soll er auch in Zukunft bleiben.“

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