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Fähr-Konkurrenz : Eine ganzjährige Alternative zur ansässigen Reederei

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

In drei Veranstaltungen stellten die Gründer der „Watten-Fährlinien“ ihr Projekt auf Amrum und Föhr vor und stießen auf großes Interesse. In allen Fällen erwiesen sich die Säle als zu klein.

Zu Informationsveranstaltungen in Norddorf, Utersum und Wyk hatten die Verantwortlichen der in den Startlöchern stehenden „Watten Fährlinien“ geladen. Dirk Lehmann, Haupt-Gesellschafter des hinter dem Projekt stehenden Unternehmens „Becker Marine Systems“ durfte sich in seiner Idee am Ende bestätigt sehen.

Denn wo die Veranstalter „auf 40 Teilnehmer gehofft“ hatten (Lehmann), erwiesen sich die Räumlichkeiten als zu klein. Der Saal des Norddorfer Veranstaltungszentrums ebenso wie das Utersumer Taarepshüs und der Wyker Kurgartensaal. Nicht wenige Interessierte traten enttäuscht den Heimweg an, da – wie in Wyk – die Besucher auch außerhalb des Saales dicht gedrängt standen und versuchten, das Geschehen drinnen zu verfolgen.

Es galt, Näheres über das potenzielle Konkurrenzunternehmen zur Wyker Dampfschiffs-Reederei zu erfahren. Und Lehmann lieferte, gemeinsam mit Max Kommorowski und Henning Kuhlmann (beide Geschäftsführer der neuen Fährlinie), Ralf-Thomas Rapp und Eike Möller (beide führend im Produktbereich LNG-Hybrid tätig) und Carola Feld, Projektmanagerin auf den Inseln.

Das nordfriesische Wattenmeer, so Lehmann, sei ein besonders schützenswertes Areal, in das ein emissionsarmes und somit umweltschonendes Fährkonzept hervorragend passe. Bei der Konzeption der baureifen Fähren seien Erkenntnisse aus dem Flachwasserfahrgebiet ebenso eingeflossen wie die im Unternehmen „Becker Marine Systems“ entwickelten Produkte.

Diese steigerten die Effizienz und erhöhten dadurch den Wirkungsgrad des eingesetzten Brennstoffs in Form von flüssigem Erdgas und Windstrom erheblich. Vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Emissionsgrenzwerte könne der Antrieb mit dem besonders schadstoffarm verbrennenden LNG nur der richtige Weg sein, führte Lehmann aus.

„Wir wollen vorerst mit zwei hochmodernen, LNG-betriebenen Fähren zwischen Dagebüll, Föhr und Amrum an den Start gehen“, so der Hamburger Diplom-Ingenieur für Schiffsbau. An der WDR wolle man sich dabei nicht messen, vielmehr besser und kundenorientierter sein. Als ganzjährige Alternative zur ansässigen Reederei, nicht als Rosinenpicker, sondern mittels einer ganzheitlichen Insel- und Halligversorgung. Ein Preiskampf sei in den nächsten Jahren wahrscheinlich, der für den Kunden nur von Vorteil sein könne, so Lehmanns Prognose. Der eine spätere Zusammenarbeit mit der WDR für sinnvoll hält und im Wattenmeer künftig viel Potenzial für die Inseln und Halligen sieht.

Dem ursprünglichen Zeitplan hänge man gut zwei Jahre hinterher. „Wir haben schlichtweg unterschätzt, wie viel Zeit Rechtsbeistände für sich beanspruchen.“ Hauptursache für die unfreiwillig verlängerte Projektphase sei der nach wie vor nicht uneingeschränkt gegebene Zugang zum Wyker Hafen. In den kommenden sechs Monaten soll nun eine Entscheidung fallen: „Wir könnten uns vorstellen, dass wir bis zur Schaffung der Voraussetzungen in Wyk auf der Linie Amrum-Dagebüll starten“.

Fragen hatte das Publikum viele, in, wie Dirk Lehmann nach den drei Veranstaltungen konstatierte, regen Diskussionen mit positiver und disziplinierter Grundstimmung. Fragen, die deutlich machten, dass Amrumer wie Föhrer nicht immer mit der WDR zufrieden sind. Oder sich auf das Projekt bezogen. Auf die Abstimmung mit der Bahn etwa (Lehmann: „Es wird kein Fährgast bei seiner späten Ankunft am Fähranleger stehen bleiben müssen.“), oder die an Bord eingesetzten Akkus. Die hätten eine Lebenserwartung von 15 bis 20 Jahren und würden dann recycelt, und, so Geschäftsführer Max Kommorowski, „in Bereichen mit geringeren Anforderungen weiter verwendet“. Für die Abwärme der gasbetriebenen Motoren wurde die Möglichkeit vorgestellt, die Energie per Latentwärmespeicher an Großverbraucher auf den Inseln abzugeben.

Rund 700 Gäste besuchten die drei Veranstaltungen. Für Lehmann „eine Anerkennung, die uns beflügelt, und uns bestätigt, dass angekommen ist, dass es sich bei dem Projekt nicht um einen Hamburger Pfeffersack-Traum handelt“.

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erstellt am 03.Sep.2013 | 08:00 Uhr

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