Eine ganz andere Kindheit

Stellten ihr Buch im Kurgartensaal vor: Kurt Jentsch und Christa Hengsbach.
Stellten ihr Buch im Kurgartensaal vor: Kurt Jentsch und Christa Hengsbach.

Kurt Jentsch hat seine Erinnerungen an zehn Jahre im Haus Schöneberg zu einem Buch verarbeitet

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01. Juli 2014, 12:15 Uhr

Fast alle Hände gingen in die Höhe auf die Frage, wem der Name „Haus Schöneberg“ etwas sage. Zwar drehte es sich bei der Lesung von Christa Hengsbach aus Frankfurt und von Kurt Jentsch aus Berlin im Wyker Kurgartensaal „über eine Kindheit und Jugend im Haus Schöneberg“ um die Zeit vor über 60 Jahren, als das Haus noch eine Heilstätte für an Tuberkulose erkrankte war, doch auch für viele Menschen mit Behinderungen ist dieses Haus bis vor wenigen Jahren die Heimat gewesen.

Nils Peters, der Leiter der Paritätischen Einrichtung, die inzwischen an der Boldixumer Straße angesiedelt ist, berichtete in seiner Begrüßung, dass das Haus Schöneberg Ende Juni eigentlich sein 105-jähriges Bestehen feiern konnte. „Wir kennen zwar die Daten aus der Geschichte und haben die in die Balken des Balkons eingeritzten Sprüche registriert, doch über das Erleben der Menschen wissen wir nichts“.

Deshalb, so Peters, sei die individuelle Geschichte von Kurt Jentsch, der, an Knochentuberkulose erkrankt, im Jahr 1948 als Siebenjähriger nach Föhr kam, von großer Bedeutung und sehr viel mehr als ein eingeritzter Name. Für Jentsch wurde aus den ursprünglich geplanten sechs Wochen auf Föhr ein zehnjähriger Aufenthalt im Haus Schöneberg – im Gipsbett.

Im Jahr 2012 lernte Kurt Jentsch bei einem Aufenthalt auf Föhr die Autorin Christa Hengsbach kennen und konnte sie für die Aufzeichnung seiner Geschichte gewinnen. Über zwei Jahre dauerte diese Zusammenarbeit, die sich überwiegend morgens am Telefon zwischen Berlin und Frankfurt abspielte. Entstanden ist dabei ein Buch über Geduld und einen unerschütterlichen Lebensmut. Gut gelaunt rollt Kurt Jentsch durchs Leben und auf die Menschen zu macht deutlich, dass er kein Mitleid will, sondern wie jeder andere Mensch behandelt werden will.

Dritte im Bunde dieser Lesung mit Musik war Rosi Lippert mit ihrem Akkordeon. Sie habe die Erfahrung gemacht, so Christa Hengsbach einleitend, dass Lesungen ohne Unterbrechungen leicht langweilig werden können. Deshalb sang Hengsbach in Anspielung auf die Herkunft von Kurt Jentsch von der Berliner Luft und dem Bad im Wannsee.

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