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humanitärer segeltörn : Eindrücke vom anderen Ende der Welt

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Mehr als 30 kieferorthopädische Zangen sind im Gepäck, Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel, Verbrauchs-und Prophylaxematerialien, als sich Dr. Andreas Köneke und seine Lebensgefährtin Maren Adam auf die Reise nach Tonga machen.

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erstellt am 24.Dez.2013 | 11:45 Uhr

Mehr als 30 kieferorthopädische Zangen sind im Gepäck, unzählige Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel sowie Verbrauchs-und Prophylaxematerialien, als sich Dr. Andreas Köneke und seine Lebensgefährtin Maren Adam auf die Reise ans andere Ende der Welt machen. Die dentalen Kostbarkeiten sind Teil einer Hilfsaktion, deren Schauplatz Neiafu im Vava’u-Archipel des Königreichs Tonga sein wird.

Eine Premiere für den Kieferorthopäden, der auf der Bootsmesse in Düsseldorf die Skipperin Mareike Guhr kennengelernt hatte, die mit dem Katamaran „La Medianoche“ die Welt umsegelt. Guhr hatte unter anderem ein Hilfsprojekt für ein Kinderheim in Haiti, das 2009 von einem Tsunami zerstört worden war, initiiert, erinnert Köneke, und suchte Gleichgesinnte für weitere Aktionen, die auch Tonga im Fokus hatten. „Da gibt’s Schlimmeres“ dachte sich der begeisterte Blauwassersegler mit Blick auf den sechswöchigen Törn über Moorea, Huahine, Raiatea und Bora-Bora sowie die nördlichen Cook Islands zu dem Königreich in der Südsee. Von Papeete auf Tahiti aus stach man in See und nahm die knapp 2000 Seemeilen (3600 Kilometer) in Angriff.

Ein halbes Jahr lang hatte Köneke, der neben den Südsee- in seinem normalen Berufsleben auch die Föhrer Insulaner behandelt, zuvor Spenden gesammelt. Ohne zu wissen, wie es um die zahnmedizinische Versorgung der Polynesier bestellt ist. Gibt es Prophylaxe? Kennt oder braucht man dort überhaupt Kieferorthopädie? Wie ist der klinische Standard? Denn Zahnärzte gibt es wenige auf Tonga, den Job machen in der Regel einheimische Dentaltherapeuten. Die werden auf der Hauptinsel ausgebildet und ihre Fähigkeiten beschränken sich auf das Ziehen von Zähnen und Legen von Füllungen. „Das Problem sind die Diagnostik und die therapeutischen Entscheidungen, die bereiten hier Probleme.“ Zudem war es eine Reise ins Ungewisse, denn die Kontaktaufnahme im Vorfeld hatte sich als schwierig erwiesen. Dabei wollte Andreas Köneke nicht nur Impulse geben: „Kieferorthopädisch konnte ich keine Hand anlegen, das hätte den Zeitrahmen gesprengt“, wollte er mit Ratschlägen zur Seite stehen und an einem Zahnpflegeprogramm teilnehmen.

Das trägt den treffenden Namen „Malimali“ (Lächeln), und das Klinikmobil ist – außer an Regentagen – täglich ab 10 Uhr unterwegs. Jeden Vormittag eine andere Route, jeweils vier Grundschulen und freitags die Vorschulen. Die kleineren Inseln werden halbjährlich angesteuert. Schauplatz des Zahnputzunterrichts ist der Strand. Einmal im Jahr werden alle Kinder gründlich untersucht und gegebenenfalls Füllungen gelegt oder Zähne gezogen. Darin erschöpft sich die Zahnheilkunde.

Mit einer Zahnbürste und einer Plastikflasche bewaffnet stürmen die Kinder aus den Klassenzimmern, mitunter 250 pro Schule. Nach der Frage „can I have tooth paste, please?“ gibt es Zahnpasta aus der Großpackung und per Megafon Anweisungen, welche Zähne an welchen Stellen wann geputzt werden. Nach dem Ausspucken und Flaschen ausleeren wird fluoridiertes Wasser eingefüllt, gespült und erneut ausgespuckt. Alles auf Kommando und zum großen Spaß der Kinder.

Der Klinikalltag ist nüchterner und entspricht nicht ganz dem europäischen Hygiene-Standard. In vier Behandlungsstühlen werden Zähne gefüllt oder gezogen. Da entstehende Zahnlücken unversorgt bleiben, ist derjenige gut dran, der beim Malimali gut aufgepasst hat. Hier bot auch der Fachmann aus Deutschland Sprechstunden an und sensibilisierte die Menschen vor Ort, wie in welchen Fällen agiert werden könnte. Entwicklungshilfe in Form von Information über Ernährung und Zahnpflege für die Bevölkerung sowie Therapieverfahren für die Fachleute. Denn eine Diagnose ohne folgende Behandlung ist sinnlos, weiß Köneke. In Tonga aber werden nicht einmal Platzhalterapparaturen zur Vermeidung von Fehlstellungen nach frühzeitigen Milchzahnentfernungen hergestellt.

Zehn Tage blieben die „Palangi“ (weiße Menschen) in Tonga, und genossen die, so Köneke, „fantastische Gastfreundschaft“. Die Hilfsgüter, die zirka ein Jahr reichen werden, sind wegsortiert und der Zement ist in Benutzung. Ob die kieferorthopädischen Zangen zur Anwendung kommen, wird sich bei einem Wiedersehen zeigen. Denn eine Wiederholung soll die Hilfsaktion erfahren: Maren Adams und Andreas Köneke sammeln bereits jetzt Spenden für das Jahr 2015.

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