KZ-Außenlager Husum-Schwesing : Ein Zentrum für die NS-Geschichte im Norden?

Die Gedenkstätte auf dem ehemaligen KZ-Gelände bei Schwesing ist 1987 errichtet worden. Foto: hjm
Die Gedenkstätte auf dem ehemaligen KZ-Gelände bei Schwesing ist 1987 errichtet worden. Foto: hjm

Der Kulturausschuss Nordfriesland hörte einen Vorschlag, wie die Gedenkstätte Husum-Schwesing aufgewertet werden kann. Dem Gremium wurde ein Konzept vorgestellt.

Avatar_shz von
12. November 2009, 12:49 Uhr

Nordfriesland | Die KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing verweilt seit vielen Jahren in einem Dornröschenschlaf. Mit dieser Situation hat sich der Kulturausschuss des Kreises mehrmals beschäftigt. Nachdem der Kreis Nordfriesland die letzten baulichen Reste des früheren Konzentrationslager erworben hat, besteht Hoffnung, dass diese Gedenkstätte die Bedeutung bekommt, die ihr zusteht.

Dem Kulturausschuss lag in seiner jüngsten Sitzung dazu ein über 20-seitiges Konzept vor, das von Klaus Bästlein, Perke Heldt und Jörn-Peter Leppien erarbeitet worden ist und von ihnen auch vorgestellt wurde. "Der Aufbau einer professionell geführten Gedenkstätte mit historischer Dauerausstellung, der Errichtung eines entsprechenden Gebäudes und der Beschäftigung von Fachpersonal" wird in der Expertise vorgeschlagen.

"Unter Einbeziehung der authentischen Überreste wird in dem Konzept die Errichtung eines Ausstellungsgebäudes nach den äußeren Abmessungen der früheren Küchenbaracke angeregt", erläuterte Kulturausschuss-Vorsitzender Bernd Facklam. Dabei soll sich die Ausstellung in drei Bereiche gliedern. Zum einen wird angeregt, die Vorgeschichte bzw. den Aufstieg der NSDAP in Schleswig-Holstein aufzuzeigen. In einem weiteren Abschnitt soll die Geschichte des KZ Husum-Schwesing mit Wort und Bild dokumentiert werden. So zum Beispiel Hitlers Befehl zum Bau des "Friesenwalls" oder die Errichtung der nordfriesischen Konzentrationslager Schwesing und Ladelund. Auch auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Gefangenen und die Reaktion der Bevölkerung kämen hier zum Ausdruck.
Höchste Todesrate in Husumer Außenlager

Der dritte Ausstellungsbereich soll sich mit den Auswirkungen der NS-Herrschaft auf die Nachkriegsgeschichte Schleswig-Holsteins beschäftigen. Themen wie das Ausweichen der NS-Elite in den Norden oder das Scheitern der Entnazifizierung von Verwaltung und Justiz bekämen hier ihren Platz. Nirgendwo gab es so viele NSDAP-Stimmen wie im Gebiet um Husum, kein KZ-Außenlager in Norddeutschland hatte eine so hohe Todesrate wie Husum-Schwesing und nirgendwo waren nach 1945 so viele NS-Täter wieder in Amt und Würden wie in Schleswig-Holstein.

Weiter wird angeregt, die Gedenkstätte Husum-Schwesing in eine "Stiftung Nordfriesland-Gedenkstätten" aufgehen zu lassen. Hier könnten sich auch die KZ-Gedenkstätte Ladelund und die ehemalige Synagoge Friedrichstadt mit einbringen. Inzwischen ist eine Machbarkeitsstudie auf den Weg gebracht worden. "Mit dieser Studie können dann EU-, Landes- und Bundesmittel beantragt werden", so Facklam. In der Kreistagssitzung am morgigen Freitag wird das Thema ebenfalls eine Rolle spielen. "Ich gehe davon aus, dass der Kreistag mit dem gebotenen Respekt das Thema angeht und das Konzept billigt", ist sich Facklam sicher.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen