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Mensch des Jahres 2015 : Ein Wunschzettel als To-do-Liste

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Hilfe von Amrum nach Kaliningrad: Hans-Peter Traulsen organisiert seit 30 Jahren Hilfstransporte nach Osteuropa.

Eine Hilfe von Amrum nach Kaliningrad, in diese russische Enklave an der Ostsee, zwischen Polen und Litauen, ein bisschen kleiner als Schleswig-Holstein. Für Hans-Peter Traulsen (55), Schulleiter an der Fachklinik Satteldüne, ist das seit 25 Jahren eine ganz große Herzensangelegenheit. Vom Kinderspielzeug über Farben, Geld, Klamotten und Krankenhausbedarf bis zur Orgel haben er und seine Mitstreiter jedes Jahr in Autos und Lastwagen gezwängt, was rein passte. Auf Mitfahrer legte Traulsen immer größten Wert. Freunde, Bekannte, Gemeindemitglieder. „Es war wichtig, dass sie sehen, was los ist, und diese Geschichten weiter erzählen. So wurden wir mehr und konnten mehr helfen“. Rund eine viertel Million Euro an Spenden, schätzt Traulsen, sind über die Jahre zusammengekommen.

Traulsen arbeitete noch auf Eiderstedt, als er, damals 26, Mitte der 1980-er Jahre nach Polen wollte. Da kann man nicht einfach nur als Tourist hin, dachte er und lud sein kleines Auto voll mit Anziehsachen, Ölen, Fetten und Waschmittel. Ein Pastor gab ihm Adressen, wo er seine erste Hilfe abliefern konnte. So fing es an. Mit dem Kinderkrankenhaus in Danzig und evangelischen Kirchengemeinden in Masuren. Damals fuhr er zusammen mit einem Kaufmann, der hatte gerade seine Modeläden verkauft. „Hochzeitskleider hatten wir dabei“, erinnert sich Traulsen. „Die wurden in Danzig an Bräute verliehen, die kein Geld für ein schönes Kleid hatten.“

Ein paar Jahre später, Traulsen hatte schon Amrum als Heimat und die Kirchengemeinde, wo er heute Gemeinderatsvorsitzender ist, als Partner, bekam er, unterwegs mit einem ehemaligen Pastor, ganz spontan ein Visum für Kaliningrad. Ganz schnell weitete sich die Begegnung mit einer Deutschlehrerin zu einem neuen Hilfsprojekt aus, nachdem man gemeinsam die Poliklinik in Tschernjachowsk (Insterburg) besichtigt hatte, wo wirklich Mangel an allem herrschte.

Es folgten Transporte Jahr um Jahr. Finanziert aus Spenden und Vorträgen. Rotary, Zeit-Stiftung, Kirche – viele halfen. Farben für die Flure, Kinderkleidung, Einwegspritzen, medizinische Geräte und Möbel. Der „Wunschzettel“ von Chefarzt Dr. Figlowski wurde Traulsens To-do-Liste. „All die Jahre blieb er der Klinik treu, und wir ihm“, sagt Traulsen. „Wenn er Geräte billiger beschaffen konnte als wir, haben wir das Geld gesammelt, und er hat bestellt. Eine tolle Zusammenarbeit.“

Inzwischen hat sich alles so gut entwickelt, dass die Hilfstransporte im letzten Winter eingestellt wurden. „Aber nicht die Besuche“, sagt Hans-Peter Traulsen. „Wir planen für nächstes Jahr eine Abschlussfahrt in großer Runde.“ Bestimmt mit vollen Autos – Ehrensache!

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