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In Norddorf : Ein Wal schwebt an der Hallendecke

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Das Amrumer Pottwal-Projekt nimmt Formen an: Das Skelett ist fertig zusammengebaut. Ende September soll die Ausstellung im Naturzentrum eröffnet werden.

Es ist vollbracht. Knapp sechs Wochen haben die beiden Präparatoren für das Amrumer-Pottwal-Puzzle gebraucht. Wirbel, Schädel, Rippen, Brustbein und Arme; nur knapp über 150 Teile, aber erschwerte Bedingungen. Schließlich musste für den 750-Kilo-Schädel erst mal ein Gerüst gebaut werden. Und obwohl es längst nicht der erste Wal ist, den Reenhard Kluge und seine Partnerin Heidrun Strunk zusammenbauen und dessen Knochen sie in wochenlangem Container-Schaumbad von Fett und Haut befreit haben, war es auch dieses Mal wieder eine Herausforderung.

Mit selbst zusammengemixter Gips-Holzleim-Wassermischung mussten Knochen wieder zueinander gebracht werden, die durch das Auskochen der Knorpelmasse ihre Verbindung verloren hatten, es galt das Skelett so lebensecht wie möglich zu richten, falsche Zähne zu modellieren und einzusetzen (die echten aus Elfenbein liegen sicher verwahrt) und die Knochen farblich anzugleichen –„Kosmetik“, wie beide das nennen. Alles in Eigenarbeit vor Ort, an ihren improvisierten Werkbänken im ehemaligen Einschwimmbecken des alten Norddorfer Schwimmbades.

Die Live-Kamera mit der jeder Handschlag in den letzten Wochen aufgezeichnet wurde, steht erst mal still. Jetzt ist Abbau angesagt. Damit verschwindet auch die alte Ente von der Insel, die draußen an den Amrumer Dünen geparkt war. Dort hatte der 2CV darauf gewartet, dass der Wal endlich fertig wird und er mit den beiden Präparatoren wieder nach Hause tuckern kann, ins niedersächsische Bramel.

Der Initiator des Pottwal-Projekts, Jens Quedens vom Öömrang Ferian, hat bereits einen Termin mit den Ausstellungsbauern gemacht und trifft sich dieser Tage auch mit dem Föhrer Steuermann Jan Faltings, seinem „Fachberater für Grönlandfahrt-Historie“, wie er anerkennend sagt. Faltings hat zu diesem Thema vor einigen Jahren seine Abschlussarbeit an der Seefahrtschule geschrieben.

Wenn alles weiter sehr gut läuft, kann der Wal – eines der Tiere, die im Januar 2016 vor der deutschen Nordseeküste verendet waren – ab Ende September im schönsten Ausstellungsambiente samt Walstimme und Walfänger-Inselhistorie angeschaut werden. Zur Finanzierung des ambitionierten Projektes fehlen allerdings immer noch rund 160  000 Euro, deshalb freuen sich die Initiatoren über jede Spende.

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