zur Navigation springen

Mehrgenerationen-Wohnprojekt in Wyk : "Ein Vorbild für andere Regionen"

vom

Umweltminister lobt bei der Einweihungsfeier das Mehrgenerationen-Wohnprojekt. Endlich feste Domizile für BUND und Brücke.

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2013 | 08:49 Uhr

Wyk | Irgendwie hat Robert Habeck Pech. Immer, wenn der Umweltminister nach Föhr kommt, versagt die Technik. So beim "Startschuss" für die Sandvorspülung im vergangenen Sommer, als einfach nichts aus den Rohren spritzen wollte. Und so gestern, als Habeck offiziell die Elektrotankstelle am neuen BUND-Umweltzentrum in der Strandstraße in Betrieb nehmen und seinen Fahrrad-Akku dort aufladen sollte. Die Aktion scheiterte an einem fehlenden Kabel. Der Minister nahm es genauso mit Humor, wie alle Umstehenden.

Die Inbetriebnahme der öffentlichen, mit Solarstrom vom Dach und Föhrer Windstrom betriebenen Tankstelle auf dem Parkplatz des Mehrgenerationenhauses war der letzte "offizielle" Programmpunkt der Einweihungsfeier von Umweltzentrum, neuem Brücke-Domizil und dem gesamten Projekt der Genossenschaft "föhreinander", die an der Strandstraße neben den Räumen für den Umweltverband und die Selbsthilfeorganisation 28 Wohnungen erstellt hat.

"Nun können wir uns endlich wieder auf unsere eigentliche Arbeit konzentrieren", freute sich die Föhrer BUND-Vorsitzende Annemarie Lübcke, dass die Inselgruppe des Bund für Umwelt- und Naturschutz nun endlich ein dauerhaftes, eigenes Domizil gefunden hat. Und auch der Brücke-Vorsitzenden Eva-Maria Findeisen standen Freude und Erleichterung ins Gesicht geschrieben, hat die Selbsthilfeorganisation doch in den zurückliegenden Jahren immer wieder umziehen müssen. Nun teilen sich beide ein Haus in dem Gebäudekomplex an der Strandstraße. Im Erdgeschoss hat der BUND einen Seminarraum und ein Büro, darüber befinden sich Gruppenräume und Büro der Brücke sowie die Suchtberatungsstelle. Lübcke dankte allen, die das unter anderem mit Bundes-, Landes- und Lotteriemitteln geförderte Projekt finanziell und ideell unterstützt haben, insbesondere der Stadt Wyk, "die sich doch noch durchgerungen hat, dem Projekt ein Kommunaldarlehen zu geben. Das hat föhreinander sehr auf die Beine geholfen".

Bürgermeister Heinz Lorenzen zeigte sich erfreut darüber, dass "föhreinander" etwas gelungen sei, was die Stadt selbst noch anstrebe - die Schaffung bezahlbaren Wohnraums. Lorenzen erinnerte daran, dass bereits im Jahr 1994 auf dem Gelände an der Strandstraße Dauerwohnungen für Einheimische gebaut werden sollten, was damals aber nicht finanzierbar gewesen sei. Als Einweihungsgeschenk der Stadt überreichte er einen Gutschein für einen Zaubernuss-Strauch, "weil Sie viele harte Nüsse knacken und auch etwas zaubern mussten".

"Ich habe manchmal das Gefühl, ich bin ein Westküstenminister mit Außenstelle in Kiel", hatte zuvor Robert Habeck, berichtet, dass sein Ministerium gerade in dieser Region viele Bereiche begleite. "Man spürt ab Dagebüll, dass das Leben hier eine andere Intensität hat", lobte der Minister die "besondere Geisteshaltung" der Menschen an der Westküste, die sich nicht nur darin zeige, dass sie so trotzig gegen Kohlendioxid-Speicherung und Fracking protestierten wie es das sonst in keiner Region gebe. Dieses Durchhaltevermögen machte er auch bei "föhreinander" aus. "Dieses Projekt hat von der ersten Idee bis zur Umsetzung sieben Jahre gedauert, das ist eine großartige Beharrlichkeit", lobte der Minister. Die Föhrer Genossenschaft habe mit ihrem Mehrgenerationenhaus "etwas geschaffen, das Vorbildcharakter für andere Regionen haben kann. Das ist aller Ehren Wert", lobte Habeck.

Und der Umweltminister kam gestern Mittag aus dem Loben gar nicht mehr heraus. Denn das erste Projekt, das der BUND von seinem neuen Domizil aus verfolgen will, eine Initiative für eine plastikarme Insel, ist gerade auch genau sein Thema. Vor zwei Wochen, so berichtete Habeck, habe er mit seinen Mitarbeitern diskutiert, ob und wie man es schaffen könne, noch in dieser Legislaturperiode ein plastikarmes Schleswig-Holstein auszurufen. "Und dann komme ich nach Föhr, eröffne ein Haus, esse Suppe, und dann sagen mir die Föhrer, wie das geht".

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen