Minigolf-Anlage : Ein teures Missverständnis

Der Schornstein des zu groß geratenen Neubaus rauchte zu früh. Foto: Dirk Jenßen
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Der Schornstein des zu groß geratenen Neubaus rauchte zu früh. Foto: Dirk Jenßen

Mit einem Baustopp reagierte die Stadt Wyk auf den Neubau des Funktionsgebäudes für die Minigolf-Anlage hinter dem Wellenbad. Der Grund waren unterschiedliche Auffassungen der zu überbauenden Fläche.

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04. Februar 2009, 11:42 Uhr

Wyk | Wer ohne Baugenehmigung und zudem noch auf öffentlichem Grund baut, der muss befürchten, dass ihn am Ende, so heißt es im Fachjargon, der Rückbau erwartet. Und Rückbau heißt nichts anderes als Abriss. Diese Erfahrung muss nun vermutlich Marco Thiessen, der Betreiber der Minigolf-Anlage hinter dem Wellenbad machen.

Am 21. September vergangenen Jahres fiel sein Betreiber-Gebäude komplett den Flammen zum Opfer. Laut Gutachten entstanden bei der Brandstiftung rund 76.000 Euro (Total)-Schaden. Der Hamburger Thiessen hatte die Anlage 2003 von seinen Eltern übernommen. Zusammen mit seiner Frau Anja und den beiden Söhnen betrieb er das Saisongeschäft hinter dem Wellenbad am Südstrand als Familienunternehmen.
Den offenen Bereich mit überbaut

Schnellstmöglich wurde mit einem ebenfalls in Holzbauweise ausgeführten Neubau begonnen. Doch hier kam es zu einem folgenschweren Missverständnis. Der ursprügliche Bau bestand aus einem geschlossenen Holzhaus, an das sich ein nach zwei Seiten offener, einem Carport ähnlicher Unterstand anschloss. Nun hat Thiessen bei dem Neubau zwar auf die vorhandenen Fundamente gebaut, also die Grundfläche nicht verändert, jedoch den offenen Bereich mit überbaut.

Thiessen wurde im Gespräch, an dem unter anderen auch Bürgermeister Heinz Lorenzen teilgenommen hatte, signalisiert, dass er in der ehemaligen Größenordnung wieder aufbauen darf. Dies bestätigt auch Ulrich Bork, Fraktionssprecher der Wyker CDU und Bauauschussmitglied: "Es sollte in der Größe gebaut werden, wie es vorher war."
Weder Liegenschaftsbetrieb noch Gremien mit einbezogen

Für eine entsprechende Änderung des Bebauungsplanes sollte dann im Nachhinein gesorgt werden. Als dann jedoch klar wurde, dass der Neubau nun deutlich mehr umbauten Raum aufwies (als seitens der Politik erwartet), kam prompt der Baustopp aus dem Rathaus. Und der städtische Planungs- und Bauausschuss fühlte sich vor vollendete Tatsachen gestellt. Bork: "Herr Thiessen hat weder den Liegenschaftsbetrieb noch politische Gremien einbezogen."

Die Folge: Die Ausschussmitglieder veränderten die ursprünglich vorgesehene B-Plan-Änderung dahingehend, dass das geplante sogenannte "Baufenster" in Richtung des vorhandenen öffentlichen WC-Gebäudes versetzt und mit diesem zusammengefasst wird. Diese Empfehlung wird morgen in der Stadtvertretung zur Abstimmung kommen. Folgt diese mehrheitlich, hieße dies für Thiessen unwiderruflich: Das neue Gebäude muss abgerissen werden.
Gebäude umsetzen?

"Das war naiv von uns", räumt Thiessen inzwischen ein und hofft, dass ihm dennoch eine Chance zum Neuanfang gegeben wird, wie auch immer der neue B-Plan aussehen mag: "Wir sind zu allem bereit." Hoffnung macht ihm Bürgermeister Lorenzen: "Ich denke, dass wir zu einer vernünftigen Lösung kommen werden."

Dann gäbe es sogar noch die Chance, den schmucken Neubau zu retten. Die technische Möglichkeit, das Holzhaus per Kran an einen anderen Standpunkt zu versetzen, ist praktikabel.
Betriebsbeginn im März utopisch

Dass Familie Thiessen, wie kurz nach dem Brand erhofft, am 9. März den Betrieb wieder aufnimmt, ist allerdings längst Utopie. Falls es doch noch zu einem versöhnlichen Ende kommt, stünde aber zumindest dem Jubiläum zum 20-jährigen Bestehen der Minigolf-Anlage als Thiessenscher Familienbetrieb nichts mehr im Wege.

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