Heimatinsel Föhr : Ein Sprungbrett für die Bühne

Sammelten früh Bühnenerfahrungen bei der Föhrer Mini-Playback-Show: Schwester Levke und Norma Schulz (von rechts).
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Sammelten früh Bühnenerfahrungen bei der Föhrer Mini-Playback-Show: Schwester Levke und Norma Schulz (von rechts).

Die junge Sängerin Norma Schulz hat friesische Wurzeln. In Hamburg geht sie ihren Weg.

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10. Juli 2014, 00:00 Uhr

Freunde einfühlsamer Balladen kommen bei Norma Schulz auf ihre Kosten. Balladen, die von Beziehungen und Gefühlen handeln, und immer wieder von der Heimatinsel Föhr. Denn hier hat alles begonnen, stand Norma bereits im Alter von vier Jahren im Rahmen der Föhrer Mini-Playback-Show auf der Bühne. Jahrelang nahm sie Flötenunterricht bei Angela Bruchwitz, war Mitglied des Kinder- und des Gospelchores der Gemeinde St. Nicolai. Bei Letzterem sammelte sie erste Erfahrungen als Solo-Sängerin.

Erfahrungen, die, neben „Flötenkonzerten“ in der Wyker Fußgängerzone, mit kleinen Auftritten vertieft wurden. So sang das unbekümmerte Nachwuchs-Talent auf Hochzeiten, Abi-Bällen und Weihnachtsabenden in der Klinik „Sonneneck“ – häufig auf dem Klavier oder mit der Gitarre begleitet von Pastor Jörg Weißbach. Ohne Gage, erinnert Norma, „man war froh, dass man irgendwo singen durfte“. Darbietungen, die sich als Selbstläufer entpuppten, denn auf der Insel sprachen sich die Auftritte des talentierten Mädchens schnell herum.

Dass das Singen auch Beruf werden könnte, hoffte sie bereits zu Grundschulzeiten. Den Entschluss fasste sie schließlich, als sie die achte Klasse absolvierte.

Eine einsame Entscheidung, denn Familie und Freunde wurden erst über die Berufsplanung informiert, als die Suche nach geeigneten Schulen und die Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung anstanden, „als ich spürte, dass es wirklich geht und meine Pläne realistisch sind“. Jedes Wochenende verbrachte die angehende Künstlerin während des letzten Schuljahres in Hamburg, wo Theorie und Gehörbildung auf dem Stundenplan standen. Die Eltern ließen sie machen, hatten ein „gewisses Grundvertrauen“, wie Norma es nennt, die sich als 17-Jährige schließlich 2005 auf den Weg in die Hansestadt machte. Es folgte ein dreijähriges Studium an der Sängerakademie (Gesang und Musikpädagogik), das sie mit der Gesangsreifeprüfung bestand.


Parallel schloss sie sich der Bluesband um Paddy Korn an und sammelte erste Tour- und Auftrittserfahrungen. Ein Intermezzo, denn Norma wollte eigene Songs singen, auf Deutsch „und ein bisschen ruhiger“. Sie schrieb erste Lieder und stellte diese anderen Musikern vor. Kein leichter Schritt, so die 26-Jährige, deutsche Texte, an denen man selbst noch zweifelt, zu präsentieren. Dennoch ein richtiger Schritt, denn die Reaktionen waren durchweg positiv.

Im Dezember 2013 erfüllte sich die Sängerin einen lang gehegten Traum und veröffentlichte die CD „Wie weit“. Zwei Jahre hatte sie an ihrem Debüt-Album gearbeitet, das neben deutschen auch friesische Texte enthält. Beides wichtig, so Norma, denn schließlich spreche sie ab und zu in ihrer Heimatsprache und singe deshalb auch einige Lieder auf Friesisch.

An die 40 Auftritte absolviert Norma, die Klavier, Gitarre, Mundharmonika, Melodica und Flöte spielt, derzeit. Ohne Band, dafür häufig an der Seite ihrer Freundin aus Föhrer Kindertagen und Kollegin Ines Eberlein. Überwiegend in Clubs, wo die Reaktion des Publikums unmittelbar ist. Eine Verbindung, die sie bei großen Konzerten vermisst. „Ich mag es, wenn ich die Leute anschauen und mit ihnen reden kann.“

40 Auftritte in kleinen Clubs, die erste CD unter eigenem Label – das große Geld winkt derzeit noch nicht. Ihren Lebensunterhalt zu sichern, unterrichtet sie an zwei Tagen in der Woche freiberuflich an der Musikschule in Poppenbüttel. Auf dem Stundenplan stehen dann musikalische Früherziehung für Kinder ab drei Jahren sowie Flöten-, Klavier- und Gesangsunterricht; vorübergehend leitete sie auch einen Jugendchor.

„Ich hoffe, in fünf Jahren“, antwortet Norma Schulz auf die Frage, wann das zweite Album erscheinen wird. Sie ist derzeit mit ihren Konzerten ausgelastet und wartet darüber hinaus auf Inspirationen. „Pläne habe ich noch nie gemacht“, sagt sie lachend, und die Entwicklung gibt ihr Recht. Schritt für Schritt geht es voran, seitdem sie vor zwei Jahren angefangen hat. Spielte sie ihr erstes Konzert noch vor sechs Leuten, kommt das Publikum heute.

Einen Fernseh-Auftritt würde sie toll finden. Ein Wunsch, der sich ohne großes Label im Rücken schwer realisieren lässt. „Um einen Plattenvertrag zu bekommen, muss man einiges vorweisen und eine Fangemeinde haben“, ist Norma Schulz realistisch. Daran arbeitet sie derzeit. „Käme der richtige Vertrag, würde ich wohl nicht nein sagen.“

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