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Wyk-Boldixum : Ein sehr beliebter Insel-Pastor

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Knudt Andreas Frerks war über 50 Jahre an St. Nicolai tätig. Seine Familie hält sein Andenken aufrecht.

Im August hielt Pastor Jörg Weißbach in der St. Nicolai-Kirche auf Anregung von Silke Harring aus Tönning einen Gedenkgottesdienst für einen seiner Amtsvorgänger, für den sehr beliebten Pastor Knudt Andreas Frerks (1815-1899). Er ist der Ururgroßvater von Silke Harring, deren Familie mit großem Engagement das Leben ihres Vorfahren erforscht.

Über Frerks, dessen Geburtstag sich 2015 zum 200. Mal jährt, gibt es keine Biographie, wohl aber verschiedene Zeitungsartikel. So berichtet der „Insel-Bote“ im September 1979 von einem wissenschaftlichen Symposium auf Föhr, das zum Gedenken an den Biologieprofessor Albert von Koelliker (1817-1905) stattfindet. Und in diesem Zusammenhang tauchen erste frühe Nachrichten über die Wyker Familie Frerks auf. Der Student Albert von Koelliker besucht 1840 Föhr und nimmt Quartier „bei der Witwe eines Schiffskapitäns Frerks“, die „in einem einstöckigen Haus [Große Straße 41, d.V.]“ wohnt, das im Parterre zwei hübsche Zimmer“ hat, in denen es zu Koellikers Bequemlichkeit sogar ein Sofa gibt. Die „ausgezeichnet gütige Wirtin“ versorgt ihre Gäste sehr gut, „indem sie uns bald Krikenten, bald Aale, bald andere Fische bot und allerlei Backwerk machte.“ Mit der Wirtin ist Catharina Frerks, geb. Andresen (1766-1859), die Mutter des späteren Boldixumer Pastors Knudt Andreas Frerks gemeint. Sein Vater Knut Frerks (1762-1815) stirbt zwei Monate vor seiner Geburt in Batavia (Jakarta) an Gelbfieber.

Knudt Andreas Frerks wird 1845 zum Pastor von St. Nicolai gewählt. Bis heute ist er der einzige Boldixumer Pastor, der auf der Insel geboren wird, sein Amt hier versieht und hier stirbt. Ein Jahr bevor er sich für immer auf Föhr niederlässt, heiratet Frerks die Apothekerstochter Elisabeth Heider (1822-1889) aus Bredstedt. Sie haben acht Kinder miteinander, von denen zwei früh sterben. Ihr Geburtsort ist Wrixum, denn das Pastorat steht zu Frerks Zeiten in Wrixum-West (heute: Pastoratshof). Ein Jahr vor Frerks’ Tod ist das neue Pastorat in Boldixum fertig, das sein Nachfolger, Hinrich Cornelius Ketels (1855-1940), bezieht. Nur zwei Wochen später brennt das alte Wrixumer Pastorat ab, was den Verlust vieler Akten zur Folge hat.

Unter großer Beteiligung der Gemeindemitglieder feiert Knudt Andreas Frerks 1892 sein 50. Berufsjubiläum. Das war vorher nur einem Pastor auf Föhr vergönnt: Richardus Petri von St. Laurentii (1597-1678). Anläßlich des Dienstjubiläums von Pastor Frerks wird von Gemeindemitgliedern und Freunden eine Frerksstiftung für Theologiestudenten und arme Familien begründet, aus der später aber auch vier Kronleuchter für die Kirche St. Nicolai bezahlt werden.

Frerks predigt während seiner Amtszeit nicht nur vor dem „gemeinen Volk“. Auch gekrönte Häupter wie der dänische König Christian VIII. (1786-1848) und der spätere deutsche Kaiser Friedrich III. (1831-1888) besuchen seinen Gottesdienst.

Zusammen unter anderem mit dem Wyker Kaufmann Jan Matthias Martens (1827-1900) gehörte Frerks zum ersten Lokalvorstand des Wyker Seehospiz (später: Hamburger Kinderheim). Man kennt sich gut, kommt Frerks doch „als treuer, fast täglicher Gast“ ins Haus des Kaufmanns Martens. Aus dessen Familie stammt auch eine Erinnerung an Frerks Enkel Paul, der Seemann wurde. Bei dessen Eltern Heinrich Frerks (1846-1910) und Eleonore, geb. Paulsen (1847-1924), verbringt der verwitwete Pastor Frerks seinen Lebensabend. Enkel Paul soll den treuen, schwarzen Hund seines Großvaters, der im Alter sein Augenlicht verlor, immer wieder eingesperrt haben, um die 50 Pfennige für das „Wiederfinden“ zu kassieren.

1899 wird der äußerst beliebte Pastor unter großer Beteiligung der Bevölkerung auf dem Friedhof St. Nicolai neben seiner Frau Elisabeth beigesetzt. Ein dezidierter Nachlass des beliebten Inselpastors existiert nicht. Etwas näher kennenlernen kann man ihn vielleicht aus Briefen der Jahre 1846-1875, die er an seinen Kollegen und Freund Pastor Lorenz Mechlenburg (1799-1875) auf Amrum schrieb. Nach Auskunft des Archivars der Ferring-Stiftung, Reinhard Jannen, befinden sie sich im Altonaer Archiv.

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