Föhr-LAnd : Ein Projekt für die Zukunft

Das Haus des Gastes war beim Vortrag von Thomas Reinertz bis auf den letzten Platz besetzt.
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Das Haus des Gastes war beim Vortrag von Thomas Reinertz bis auf den letzten Platz besetzt.

Die Auftaktveranstaltung zur energetischen Quartiersanierung in Nieblum war gut besucht. Bei dem Projekt geht es nicht nur um die Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes.

shz.de von
13. April 2018, 12:00 Uhr

Zwar war ins Nieblumer Haus des Gastes nur zur Auftaktveranstaltung zum Projekt „energetische Quartiersanierung“ eingeladen worden, doch das Interesse der Bewohner von Nieblum, Alkersum, Midlum und Oevenum daran war riesengroß. Überwältigt von der großen Besucherzahl waren nicht nur die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister dieser Orte, sondern auch Thomas Reinertz von der Firma „Big-Städtebau“, die mit der vorbereitenden Studie beauftragt wurde. Er habe schon Treffen zu vergleichbaren Themen mit ganz geringer Beteiligung erlebt, so Reinertz, der nun hofft, dass die Einwohner auch bei den Workshops, die die Untersuchung begleiten werden, ähnlich intensiv teilnehmen. Am Ende dieses Jahres, so die Planung, soll die Machbarkeitsstudie zur energetischen Quartiersanierung in den vier Gemeinden abgeschlossen sein, damit ab 2019 die Umsetzung der Beiträge zum Klimaschutz beginnen könnte. Doch seien die Gemeinden nicht unter Zeitdruck, erklärte Reinertz, denn bis 2020 könnten noch Anträge auf Zuschüsse gestellt werden, wobei bereits die Erstellung des Konzeptes vom Land bezahlt wird.

„Das Ziel des Projektes ist, die Gemeinden auf dem Gebiet der Energie für die Zukunft aufzustellen und den Kohlendioxid-Ausstoß zu verringern“, sagte er. Dabei sollen nicht nur der Verbrauch gesenkt und alternative Versorgungsmöglichkeiten ohne fossile Energieträger herausgestellt werden, vielmehr geht es auch darum, die Bevölkerungsentwicklung zu analysieren und für deren Folgen Lösungsansätze zu ermitteln.

Es geht also, so der Referent, nicht nur um moderne Heizungen in den Gebäuden sondern um die Ausrichtung ganzer Quartiere auf die energetischen Anforderungen. Denkbar seien weiter die Intstallation eines Wärmenetzes, die E-Mobilität oder auch „intelligente“ Straßenlampen, die sich am Bedarf ausrichten. „Es wäre ganz toll, ein eigenes Stromnetz zu installieren.“

Mit dem Klimaschutzkonzept aus dem Jahr 2012 haben sich die Inseln Föhr und Amrum bereits mit dem Thema befasst und die Energieautarkie als Traumziel definiert. „Diese Vision ist erstrebenswert, jedoch für Föhr kaum erreichbar“, erklärte der Referent, der auf konkrete Projekte setzt, wobei die einzelnen Gebäude, deren Sanierung und Energieversorgung vernetzt und für diese Quartiere Versorgungssysteme entwickelt werden.

Der Auftakt dieser Konzepterarbeitung ist die Datenermittlung in den einzelnen Orten. Dabei geht es um den aktuellen Energieverbrauch, die Heizanlagen der einzelnen Gebäude und deren Alter, wobei viele Anlagen, wie aus den Informationen durch den Schornsteinfeger hervorgeht, bereits überaltert seien.

Diese Bestandsanalyse ist nach Mitteilung des Referenten schon recht weit fortgeschritten, wobei man für Nieblum vier Quartiere festgelegt habe und in den anderen Gemeinden die gewachsenen Ortslagen in den Mittelpunkt der Betrachtung stelle. Es werde weiter ermittelt, so Reinertz, welche Energiepotenziale, wie zum Beispiel Solarenergie, zur Verfügung stehen. Ein weiterer Schwerpunkt der Analyse ist die Ermittlung der Energie-Einsparmöglichkeiten durch Gebäudedämmung und ähnliche Maßnahmen.

Es gibt auch die Idee, ähnlich wie bereits in Süderende und Oldsum, genossenschaftliche Fernwärmenetze zu etablieren, wobei die Erstellung eines Blockheizkraftwerkes bei der Midlumer Schule in Frage komme. Über die weitere Entwicklung des Konzeptes will sich die beauftragte Firma mit den Akteuren vor Ort austauschen, dazu gehören nicht nur die Gemeinden und ihre Vertreter sondern auch Bewohner und schließlich auch die Föhrer Energiegenossenschaft.

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