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Interview : „Ein paar Verrückte gibt es immer“

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Wenn andere Silvester feiern, sind Hauke Brett und seine Feuerwehrkollegen in Alarmbereitschaft . Denn trotz des Verbots wird immer wieder in den Dörfern geballert.

von
erstellt am 30.Dez.2016 | 10:30 Uhr

Eigentlich müsste es sich inzwischen herumgesprochen haben: Auf der Insel Föhr darf Silvesterfeuerwerk nur an den Stränden abgebrannt werden – und dort auch nur mit Einschränkungen (siehe Info-Kasten). Trotzdem gibt es immer noch Zeitgenossen, die in den Dörfern, in unmittelbarer Nähe von Reetdachhäusern, rumballern. Was er davon hält und wie man sich in solchen Fällen verhalten sollte, sagt der neue Föhr-Amrumer Amtswehrführer, Nieblums Feuerwehr-Chef Hauke Brett.

Herr Brett, Können sie eigentlich Silvester noch unbeschwert feiern?

Ich werde zwar singen gehen, aber im Hinterkopf arbeitet es natürlich doch, man hat den Pieper immer ein bisschen mehr im Auge.

Was ist ihr Eindruck, sind die Leute in den letzten Jahren zivilisierter geworden?

Das Gros achtet inzwischen auf das Verbot, aber ein paar Verrückte gibt es immer.

Auf Amrum darf ja gar nicht geballert werden. Würden sie sich für Föhr auch ein totales Feuerwerksverbot wünschen?

Gut finde ich das schon, dass die Amrumer so konsequent sind. Aber das Knallen ist eigentlich ja ein schöner Brauch. Das haben wir mit unseren Kindern auch gemacht, aber nur am Strand. Und wenn der Wind blöd steht, muss man eben ein Stück weiter gehen. Aber generell verbieten – als Feuerwehrmann wäre ich zwar sofort dafür, aber als Vater finde ich, dass Silvester Spaß bleiben soll. Nur: Die Vernunft muss im Vordergrund stehen.

Und wenn dann doch wieder Unverbesserliche in den Dörfern, zwischen den Reetdachhäusern, ihre Munition abschießen?

Dann sollte man diejenigen auf das Verbot und die drohende Geldstrafe von bis zu 10  000 Euro hinweisen und wenn man nicht weiter kommt, sich auch nicht scheuen, die Polizei zu rufen.

Und was, wenn doch eine Rakete auf einem Dach landet?

Dann sollte man sofort die 112 wählen. Wir Feuerwehrleute kümmern uns dann und suchen mit der Wärmebildkamera nach eventuellen Glutnestern. Aber wer anruft, sollte bitte auch vor Ort bleiben und uns dann zeigen, wo er was gesehen hat.

Wenn ein Feuerwerkskörper auf einem Dach landet, brennt das dann gleich lichterloh?

Nein. Wenn das Dach nass ist, geht der eventuell sogar aus. Aber wenn die Dinger anfangen zu glimmen, wird es gefährlich. Wenn sich erst einmal ein Loch ins Reet gefressen hat und das Feuer Nahrung bekommt, dann geht es ab. Dann können wir nur noch die umliegenden Häuser schützen und sonst nichts mehr tun.

Sind alle Feuerwerkskörper gleich gefährlich?

Nein, neben den Raketen sind vor allem die Schwärmer schlimm, die unkontrolliert durch die Gegend sausen. Wenn die von unten unters Reet geraten, wo das trocken ist, dann ist nichts mehr zu machen.

Also gibt es auch Munition, die man im Dorf verwenden kann?

Wunderkerzen lasse ich mir noch gefallen.

Und was wünschen sie sich für die Neujahrsnacht?

Dass die Leute viel Spaß haben, der Abend ruhig abläuft und alle Feuerwehrautos im Stall bleiben können.

Interview: Petra Kölschbach

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