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Föhr und amrum : Ein neuer Suchtberater für die Brücke

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Wechsel nach fünf Jahren: Der Diplom-Sozialarbeiter Volker Schütte ist Nachfolger von Christel Wippermann.

Krisenintervention und Suchtberatung sind die Themenbereiche, in denen sich Volker Schütte gut aufgestellt sieht. Beides greife in der Praxis häufig ineinander, denn Fälle wie Burnouts, Depressionen oder Ängste träten häufig in Kombination mit einer Sucht auf oder könnten deren Auslöser sein. Der Diplom-Sozialarbeiter mit Zusatzausbildung zum Systemischen Berater ist seit Beginn dieses Jahres Nachfolger von Christel Wippermann, deren Tätigkeit als Suchtberaterin bei der gemeinnützigen Organisation „Die Brücke“ nach fünf Jahren endete.

Föhr gefiel dem gebürtigen Einbecker auf Anhieb. Viel wichtiger: Ihn reizte die Arbeit bei der Brücke. „Suchtverhalten ist ein sehr individuelles Problem, weshalb man auf die Bedürfnisse jedes Klienten eingehen muss.“ Die neue Aufgabe biete diese Freiräume und sei deshalb spannend. Anders als bei vielen Organisationen auf dem Festland könne er seine Arbeit auf den Einzelfall ausrichten. Die Abhängigkeit von Alkohol oder Drogen sei ein großes Thema auf den Inseln. Größer als in den Regionen auf dem Festland, in denen er bisher tätig war. Mögliche Auslöser sind für den 52-Jährigen die Besonderheit der Insel-Lage sowie der Stress in der Saison und – als krasser Gegensatz – das mangelnde Angebot im Winter.

Gesundheitliche Probleme hatten Volker Schütte zu der Überlegung geführt, an der Nordsee zu arbeiten. Zuvor war er nach dem Studium an der Fachhochschule in Hildesheim viele Jahre beim sozialpsychiatrischen Dienst und der Erziehungsberatung seines Heimat-Landkreises Northeim als Bezirks-Sozialarbeiter tätig. Erfahrungen sammelte Schütte zudem in der ambulanten Betreuung beim Albert-Schweitzer-Familienwerk sowie dem Lukas-Werk und der Arbeiterwohlfahrt in Einbeck.

„Er erfüllt alle Voraussetzungen und setzt sich für die Menschen, die zu ihm kommen, mit Begeisterung ein“, ist die Brücke-Vorsitzende Eva-Maria Findeisen voll des Lobes für den neuen Mitarbeiter. Der beackert ein wichtiges Feld, denn „die Besuche in der Beratungsstelle sind in den vergangenen fünf Jahren zwar gestiegen, aber nicht in dem Maße, in dem der Drogen- und Alkoholkonsum oder andere Abhängigkeiten auf den Inseln zunehmen“, weiß die Vorsitzende. Und die Formen der Sucht unterlägen einem steten Wandel: „Während das Koma-Saufen kaum noch aktuell ist, hat der Cannabis-Konsum enorm zugenommen.“ Weshalb Suchtpräventionsprojekte, in der Vergangenheit erfolgreich von der Brücke initiiert, fortgesetzt werden sollen.

Volker Schütte fühlt sich von seinen neuen Klienten gut angenommen. Zwar müsse das Vertrauensverhältnis neu aufgebaut werden, aber Veränderung könne auch in der Suchtberatung förderlich sein. „Mir geht es darum, dass die Leute merken, sie können herkommen. Hier können Dinge in neue Bahnen gelenkt werden – je eher, desto besser.“ Der Hilfesuchende müsse in eine Situation kommen, in der er positive Veränderungen für möglich halte und an diese glaube. Der Diplom-Sozialarbeiter bevorzugt den systemisch-lösungsorientierten Ansatz: Nicht das Problem, sondern mögliche Auswege werden in den Vordergrund der Beratung gestellt.

In die bindet der 52-Jährige auch bevorzugt den jeweiligen Lebensgefährten ein. „Wenn zwei unter einem Dach leben und einer ist abhängig, muss der andere mitleiden.“ Zudem entstünden Wechselwirkungen; der Co-Abhängige habe Einflussmöglichkeiten, auch wenn er sich mehr als Opfer sehe. Hier mache es Sinn, gemeinsame Ziele des Paares in den Fokus zu rücken. Wichtig sei, dass die Beratungsstelle aus eigenen Stücken aufgesucht wird und der Betroffene sich nicht in einer Rechtfertigungshaltung befindet, etwa, weil er vom Ehepartner gedrängt wird. „Dann geht es um die eigene Autonome und der Klient macht in der Regel zu.“

Krisen seien Teil des Lebens, versucht Schütte Hemmschwellen, in die Beratungsstelle zu kommen, abzubauen. Jeder könne in seinem Leben falsche Entscheidungen treffen. Dies seien Situationen, die nicht moralisch betrachtet, sondern für die Auswege gesucht werden sollten. Zur Kontaktaufnahme ermuntert auch Findeisen: „Einfach anrufen, die Termine werden kurzfristig vergeben.“

Weitere Informationen unter www.bruecke-foehr.de/suchtberatung/

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erstellt am 03.Feb.2017 | 11:15 Uhr

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